Osnabrück  Mehr Mobbing unter Erwachsenen: Driften wir noch weiter auseinander?

Finja Jaquet
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Von Finja Jaquet
| 08.11.2025 08:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Mobbing am Arbeitsplatz ist längst keine Seltenheit mehr. Unter Erwachsenen nimmt die gezielte Diffamierung und Ausgrenzung einzelner Personen zu. Foto: IMAGO/Zoonar
Mobbing am Arbeitsplatz ist längst keine Seltenheit mehr. Unter Erwachsenen nimmt die gezielte Diffamierung und Ausgrenzung einzelner Personen zu. Foto: IMAGO/Zoonar
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Auch unter Erwachsenen nimmt Mobbing weiter zu, ergibt eine neue Studie. Das Gefühl der Gemeinschaft in dieser Gesellschaft geht verloren. Ein Plädoyer für mehr Anstand und Rücksichtnahme.

Die Umgangsformen in dieser Gesellschaft verrohen – Schritt für Schritt, Klick für Klick. Im Netz wird gehetzt, im Büro gelästert, online wie offline wird gemobbt. Und das, wie die neue Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing ergeben hat, ist längst kein Problem der Jugend mehr: Auch unter Erwachsenen nimmt Mobbing immer weiter zu.

Man sollte meinen, dass Menschen mit zunehmendem Alter und Lebenserfahrung besonnener im Umgang mit anderen Menschen agieren und auf kindisches Verhalten wie Mobbing verzichten können. Doch die Studie zeichnet ein anderes Bild: Zwar ist Mobbing, also die gezielte Diffamierung und Ausgrenzung einer Person über einen längeren Zeitraum, gerade unter den jüngeren Erwachsenen zwischen 18 und 44 Jahren ein Problem.

Doch auch bei Menschen ab 45 Jahren nimmt Mobbing weiter zu – insbesondere am Arbeitsplatz. Das Kleinreden der Arbeitsleistung, der Ausschluss aus Gruppenchats oder Mailverteilern, das Lästern oder gar die öffentliche Bloßstellung: All das sind Praktiken, die den Betroffenen psychisch zermürben.

Sie sagen aber weit mehr über den Täter aus, als über das Opfer: Wie wenig Selbstwertgefühl und wie viel Angst vor Machtverlust muss jemand haben, um zu solch dreckigen Mitteln zu greifen? Und wie schlecht ist es um das Rückgrat derer bestellt, die einfach mitmachen – oder schweigen? Wie wenig Gemeinschaftsgefühl gibt es noch in einer Gesellschaft, in der bei Mobbing weggeguckt wird?

Besonders erschreckend: Laut der Studie waren 82 Prozent der Täter zuvor bereits selbst Opfer von Mobbing. Wenn also nicht einmal das eigene Erleben, das eigene Leid ausreichend sind, um selber besser zu handeln – was dann?!

Natürlich erfordert es Mut, für andere einzustehen und den Mund aufzumachen – gerade wenn der eigene Vorgesetzte der Täter ist. Dennoch sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, sich einzusetzen. Bestenfalls zusammen mit weiteren Kollegen. Gemeinsam ist man stark, auch gegenüber dem eigenen Chef.

Doch das Gefühl der Gemeinschaft scheint dieser Gesellschaft mehr und mehr abhandenzukommen, der oftmals gefeierte Individualismus bleibt auf dem Vormarsch, das „Ich“ kommt immer öfter an erster Stelle. Hier müssen wir ansetzen, erst recht bei den jüngeren Menschen in dieser Gesellschaft. Denn in einer Welt ohne „Wir“ ist auch ein starkes „Ich“ am Ende einfach nur einsam. 

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