Westrhauderfehn Erinnerung an Frithjof Hunecke – „Ich war gerne Feuerwehrmann“
Ob bei Bränden, im Gemeinderat oder als Schornsteinfeger: Frithjof Hunecke war in Westrhauderfehn eine Institution. Weggefährten erinnern sich.
Westrhauderfehn - Feuerwehrmann, Bezirksschornsteinfegermeister und Lokalpolitiker: Frithjof Hunecke ist gestorben. Der Westrhauderfehnjer hat viele Spuren in der Region hinterlassen. Einige Weggefährten erinnern sich.
Leben und Werdegang von Frithjof Hunecke
Geboren wurde er am 16. Februar 1940. Nach Rhauderfehn kam er per Zufall: „Groß geworden bin ich in Bielefeld. Dann zog unsere Familie nach Elisabethfehn, wo mein Vater eine Anstellung in der dortigen Torfkoksfabrik fand“, berichtete Hunecke anlässlich seines 85. Geburtstages im Februar dieses Jahres. Sein beruflicher Werdegang führte ihn zur Feuerwehr und nach Westrhauderfehn. „Um die Meisterprüfung zu erlangen, musste ich allerdings Mitglied einer Feuerwehr sein“, sagte Hunecke: „Ich war gerne Feuerwehrmann. Das hat mir immer Spaß gemacht.“
Kameradschaft und Fachwissen in der Feuerwehr
Dort traf er auf viele Kameraden. „Wir kennen uns seit 50 Jahren“, sagt Lambertus Müller. Der Rhauderfehntjer ist 1974 in die Feuerwehr eingetreten, damals war Hunecke schon dabei. „Er hatte ein hohes Fachwissen“, erinnert sich Müller an den Verstorbenen. Über Jahrzehnte waren die beiden Männer Kameraden und haben auch eine Weile in der Führung zusammengearbeitet: Hunecke war Zugführer, und ein paar Jahre war Müller sein Stellvertreter. Was Hunecke ausgezeichnet habe: „Er hat uns allen sehr viel beigebracht“, sagt Müller. Im Einsatz sei er ruhig und besonnen gewesen. „Er konnte auch klare Anweisungen geben.“
Feuerwehrstandort und Engagement für die Kameraden
Damals,1974, hatte die Feuerwehr noch zwei Räume im Gebäude der Gemeindeverwaltung , dem Museum. In den heutigen Standort an der 1. Südwieke zogen die Helfer erst später. Daran hatte auch Hunecke seinen Anteil. Er habe sich sehr für die Belange seiner Kameraden eingesetzt, sagt Müller: „Er hatte gute Connections.“ Er erinnert sich an viele Gespräche über den idealen Standort. „Er hat bei uns im Zug immer gefragt, wie wir darüber denken.“
Große Einsätze und Erinnerungen an den Moorbrand
Auch bei vielen wichtigen Einsätzen in der Gemeinde Rhauderfehn war Hunecke präsent. Müller erinnert sich an den Moorbrand in den 1970er Jahren. „Da waren wir tagelang im Einsatz“, sagt er. Sechs Stunden hätten sie gelöscht und seien dann sechs Stunden in der Pause gewesen. An den 4. Juni 1985 erinnerte sich Hunecke noch lange sehr gut. Damals brannte das Verlaatshus am Rhauderfehner Untenende.
Anekdoten und persönliche Erinnerungen an den Verlaatshus-Brand
An eine Anekdote zu diesem Einsatz kann sich auch Jörg Furch noch gut erinnern. Der ehemalige Gemeinderat und heutige Ortsbürgermeister von Westrhauderfehn ist etwa zeitgleich mit Hunecke nach Rhauderfehn gezogen. „Ich war damals für die Feuerwehr zuständig.“ Dadurch hätten die Beiden schon früh Kontakt gehabt. Hunecke sei einer der ersten beim brennenden Verlaatshus gewesen. Da war er in Zivilkleidung am Löschen, sagt Furch und weiter: „Er war ein Macher.“ Hunecke selbst berichtete vor einigen Jahren, dass es ein sehr warmer Tag gewesen war. Deshalb sei er mit einem Feuerwehrfahrzeug auf dem damals neuen Schoolpad unterwegs gewesen. „Da waren gerade Bäume gepflanzt worden, und die mussten bewässert werden“, erinnerte er sich. Darum habe er sich im Auftrag der Gemeinde in das Feuerwehrauto, einen Unimog, gesetzt. „Plötzlich habe ich Qualm am Himmel gesehen. Da brannte etwas“, erzählt Hunecke. Weiter berichtete er damals: „Der gesamte Dachstuhl brannte. Ich habe die Leitstelle angefunkt und gleich gesagt: „Vollalarm, das Verlaatshus brennt.“
Großbrände und persönliche Betroffenheit bei Opti-Brand
In seiner aktiven Zeit sei nur der Brand beim Reißverschluss-Hersteller Opti größer gewesen. Im März 1991 brannte eine Halle des Reißverschlussherstellers Coats Opti in Westrhauderfehn lichterloh. Das Telefon klingelte gegen 1 Uhr in der Nacht, erinnerte sich Hunecke vor wenigen Jahren an den Einsatz und erzählte: „Meine Frau hat dann die Kameraden angerufen, ich bin ins Feuerwehrhaus gefahren und habe den Alarm ausgelöst.“ Von dem Feuer war er auch persönlich betroffen, denn sein Sohn arbeitete bei Opti – und vielen war klar, wenn die Färberei zerstört worden wäre, dann wären 600 Arbeitsplätze gefährdet gewesen.
Kameradschaft und Wissensvermittlung in der Feuerwehr
Auf eine lange Kameradschaft mit dem Verstorbenen blickt auch der heutige Ortsbrandmeister Ludger Böning: „Er war Feuerwehrmann durch und durch.“ Hunecke habe sich immer sehr für die Vermittlung von Fachwissen eingesetzt. „Das war ihm eine Herzensangelegenheit.“ Dabei war er auch immer offen für neue Technik. „Was er wusste, hat er weitergegeben.“ Als Zugführer seien ihm Kameradschaft und Disziplin wichtig gewesen. Und noch etwas betont Böning: „Ihm war es immer wichtig, dass man den Menschen in Not schnell geholfen hat.“ Das sei zwar bei Feuerwehrkameraden typisch, aber: „Bei ihm war das sehr ausgeprägt.“ Das zeige auch der schnelle Einsatz beim Verlaatshus.
Politisches Engagement und Wirken im Gemeinderat
Sein Weg führte Hunecke auch in den Gemeinderat und in das Amt des Ortsbürgermeisters. „In die Politik wollte ich eigentlich gar nicht. Doch auch hier war ich 20 Jahre Mitglied im Gemeinderat“, sagte Hunecke im Februar 2025. Einer seiner Weggefährten in der SPD ist Hermann Koenen. Er erinnert sich: „Frithjof war ein totaler Pragmatiker. Er wollte etwas umsetzen.“ Es sei auch nicht unüblich gewesen, dass er seine Gruppe zu Gesprächen nach Hause eingeladen hatte, sagt Koenen. Dort habe man sich dann beraten. Auch zu Koenen sei Hunecke öfter gekommen. „Dann ging er bei uns durch den Garten.“ In einer Traueranzeige der Gemeinde Rhauderfehn heißt es, dass Hunecke von 1991 bis 2011 im Rat der Gemeinde sowie ab 1996 auch im Ortsrat war. Von 2006 bis 2011 war er Ortsbürgermeister von Westrhauderfehn. Koenen sagt: „Er war zuverlässig, wie Feuerwehrleute so sind.“
Anerkennung durch Bürgermeister und politische Weggefährten
Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller schreibt über Hunecke und sein politisches Wirken: „Frithjof war Frithjof – offen, ehrlich und direkt. Man wusste, wie man bei ihm dran ist und man wusste, dass bei ihm die Belange der Ortschaft Westrhauderfehn und der Feuerwehren die wichtigsten Leitthemen seines politischen Wirkens waren.“
Erinnerungen an Huneckes Umgang mit Menschen
An das politische Wirken erinnert sich auch Jörg Furch, der nun Westrhauderfehns Ortsbürgermeister ist. „Das hat er sehr gut gemacht“, bescheinigt er seinem Vorgänger. Beliebt sei er bei den Seniorengeburtstagen gewesen. „Er konnte gut mit den Leuten schnacken.“ Er habe auch seine Ecken und Kanten gehabt. Aber: „Ich bin immer gut mit ihm klargekommen.“
Seine letzten Jahre verbachte Hunecke im Pflegeheim Evangelisches Seniorenzentrum in Rhaudermoor (Ancora-Ring). „Ich bin bestens versorgt und fühle mich richtig wohl hier“, sagte er anlässlich seines 85. Geburtstages. Nun ist Hunecke am 8. Oktober 2025 gestorben.