Osnabrück Rat der Stadt Osnabrück gibt Millionen frei: Bremer Brücke wird zur Großbaustelle
Der Weg zur Großbaustelle Bremer Brücke ist frei: Am Dienstagabend hat der Rat der Stadt Osnabrück die dafür erforderlichen Gelder freigegeben - den investiven Zuschuss von 33 Millionen Euro sowie ab 2027 die jährliche Betriebskostenbeihilfe der Stadiongesellschaft von bis zu 2,2 Millionen Euro.
Das Stadion an der Bremer Brücke wird umfassend saniert. Der Rat der Stadt Osnabrück beschloss am Dienstagabend mit großer Mehrheit die Freigabe von 33 Millionen Euro als investiven Zuschuss für die anstehende Großbaustelle sowie die Freigabe von bis zu 2,2 Millionen Euro als jährliche Betriebskostenbeihilfe für die Stadionbetriebsgesellschaft ab dem Haushaltsjahr 2027. Damit sollen unter anderem die Kosten (Zins und Tilgung) für die Kredite über geschätzt 34,3 Millionen Euro gestemmt werden, die von der nun in den Besitz der Stadt übergehenden Stadionbetriebsgesellschaft aufgenommen werden - die zweite Säule der Finanzierung des 67,3-Millionen-Euro-Projekts.
Getragen wurde der Beschluss von Oberbürgermeisterin Katharina Pötter, die sich trotzdem an der Abstimmung nicht beteiligte, der kompletten CDU-Fraktion sowie weitesten Teilen der Ratsmehrheit aus SPD, Grüne und Volt sowie Ratsherr Kalla Wefel. Die acht Gegenstimmen kamen von der FDP/UWG-Fraktion (4), von den beiden Ratsmitgliedern der Linken, von AfD-Mann Alexander Garder sowie von Martin Büker: Der Ratsherr der Grünen begründete sein von der Mehrheit in seiner Fraktion abweichendes Abstimmungsverhalten in einem Wortbeitrag mit grundsätzlichen Bedenken zu einer solch großen Investition öffentlichen Geldes, das letztlich vor allem in die Unterhaltungsindustrie fließe. Enthalten haben sich zudem Volkmar Seliger und Anke Jacobsen (beide Grüne) sowie SPD-Ratsfrau Jutta Schäfferling.
Dieser großen Richtungsentscheidung, der von der im Rat anwesenden VfL-Delegation um Geschäftsführer Michael Welling erfreut zur Kenntnis genommen wurde, waren jahrelange Debatten in der Politik und der Stadtgesellschaft vorausgegangen. „Eine Anspannung war da, ich glaube, das ist normal“, sagte Welling unmittelbar nach der Abstimmung. „Jetzt ist es eine Mischung aus Dankbarkeit und Demut, Vorfreunde und Verpflichtung, Spannung und Bock darauf, weiter gestalten zu können“, so der VfL-Geschäftsführer.
Die abschließende Debatte im Stadtrat vor dem Beschluss lieferte noch einmal die bereits bekannten Argumente, wobei nahezu alle Redner quer durch die Parteien der Verwaltung und der übergreifenden Planungsgruppe für ihre schnelle und gute Arbeit dankten. Alle Befürworter des Projektes versicherten zudem, dass keine andere öffentliche Investition nun zurückstehen müsse, nur weil das Stadion neu gebaut werde.
Marius Keite betonte für die CDU-Fraktion, dass keine andere Institution der Stadt es schaffen würde, alle zwei Wochen 15.000 Menschen zusammenzubringen - einer der Gründe, weshalb man zu dieser Investition stehe. Timo Spreen und Robert Alferink hoben für die SPD hervor, dass das Stadion künftig auch für die Zivilgesellschaft zur Nutzung als Begegnungsstätte offenstehe. Jens Meier (Grüne) betonte die neue Bremer Brücke werde nachhaltiger, inklusiver und umweltbewusster, letzteres mit Blick auf Pläne für die geplante Fotovoltaikanlage auf den neuen Dächern.
Für die Gegner des Projektes erinnerte Thomas Thiele (FDP) an diverse in den letzten Jahren gelaufene finanzielle Unterstützungen für den VfL und betonte, dass die Stadt das volle Risiko für das gesamte Projekt trage, dessen Kostenschätzung aktuell 67 Millionen Euro betrage - wobei offen sei, ob ein Generalunternehmer das Projekt überhaupt für diesen Preis realisieren kann. Wulff-Siegmar Mierke (UWG) erinnerte an die Beobachtung des städtischen Haushaltes durch die Kommunalaufsicht und beantragte eine namentliche Abstimmung zur Beschlussvorlage, die aber das erforderliche 20-Prozent-Quorum nicht erreichte. Henry Gehrs (Die Linke) ergänzte, dass die Stadt das Projekt zu einem ungünstigen Zeitpunkt treffe, zu dem das Haushaltsloch so groß sei wie nie.
Das Anliegen der SPD-Fraktion, die Bedeutung der einzurichtenden Begegnungsstätte im Stadion für Vereine und Institutionen aus dem Stadtteil Schinkel und der Stadt noch einmal besonders herauszustreichen, wurde mit der Ergänzung einer Fußnote zum Thema im verabschiedeten Beschluss Rechnung getragen. Ebenso ergänzt wurde eine Fußnote zur Beihilferegelung, die unter anderem klarstellt, dass der jährliche Zuschuss der Stadt zum Betrieb der Stadiongesellschaft ab 2027 schon aus rechtlichen Gründen den Maximalbetrag von 2,2 Millionen Euro nicht überschreiten darf - und in der Praxis ein weitaus geringerer Zuschuss-Betrag erwartet wird.
Wann genau mit dem Umbau begonnen wird und wie das Mammutprojekt zeitlich und organisatorisch ablaufen soll, steht noch in den Sternen. Überlegungen, mit der Sanierung der Osttribüne zu beginnen, weil dort bereits das Dach fehlt, wurden zuletzt in den Hintergrund gedrängt vom Gedanken, im Westen zu beginnen: Dort sollen künftig alle Leitstände für den Betrieb und die Sicherheit des Stadions installiert werden - werden diese als erstes errichtet, spart man sich Folgekosten für improvisierte Anlagen auf der Stadionbaustelle. Offen ist auch, ob bei laufendem Spielbetrieb nach der Reihe saniert wird - oder ob das Stadion zeitweilig für große Baumaßnahmen komplett gesperrt wird und der VfL zweitweise in einem Ausweichstadion spielen muss.