Kindheitserinnerungen „Der Hafen von Weener ist meine Heimat“
Elisabeth Röttger ist am Hafen von Weener aufgewachsen und wohnt bis heute dort. Die 67-Jährige erzählt, wie sie ihre Kindheit dort erlebt hat und was sie sich für die Zukunft des Hafens wünscht.
Weener - Für Elisabeth Röttger gibt es in Weener keinen schöneren Ort. Wenn die 67-Jährige aus dem Fenster sieht, blickt sie direkt auf den alten Hafen. Über dem Ostfriesen-Sofa im Wohnzimmer hängen Bilder, die zeigen, wie es dort früher ausgesehen hat. „Der Hafen ist meine Heimat und meine Leidenschaft“, sagt die Weeneranerin, die seit ihrer Kindheit dort lebt. Die künftige Hafenentwicklung liegt ihr daher besonders am Herzen.
Elisabeth Röttger könnte glatt als Stadtführerin anfangen, so viel Wissenswertes hat sie über das Leben in Weener in früheren Zeiten zu erzählen. Die Weeneranerin wohnt in der Norderstraße 77, ihre Tochter Heike lebt mit ihrer Familie im hinteren Teil und im Obergeschoss.
Ein Haus mit langer Geschichte
Das schmale Gebäude hat eine lange Geschichte. „1777 gab es hier eine Goldschmiede.“ Später sei dort ein Schmuck- und Uhrengeschäft beheimatet gewesen. „Meine Eltern haben das Haus 1964 gekauft“, erzählt Lisa Röttger, die dort mit ihrem Bruder und ihrer Halbschwester aufwuchs. „Es gab damals eine richtige Gemeinschaft.“ Vor nahezu allen Häusern hätten Stühle oder Bänke gestanden. „Irgendjemand kam immer zum Klönen vorbei.“ Diese Tradition macht bis heute die besondere Atmosphäre am Hafen aus. „Die meisten haben hinterm Haus zwar auch eine Terrasse, aber vor dem Haus können sie den Blick auf den Hafen genießen und mit Leuten ins Gespräch kommen.“
Norderstraße war belebte Hauptgeschäftsstraße
Die Norderstraße sei zu der Zeit eine belebte Hauptgeschäftsstraße gewesen. „Möbelladen, Schuhgeschäft, Lebensmittelgeschäfte, Schlachter – hier gab es nichts, was es nicht gab“, blickt sie zurück. Nach ihrer Schätzung habe es dort an die 50 Läden gegeben. Der Autoverkehr hielt sich in Grenzen. „Wir haben als Kinder manchmal auf dem Bürgersteig gesessen und Kennzeichen aufschreiben gespielt“, erinnert sie sich und lacht: „Dabei ist meist nicht viel zusammengekommen.“
Im Hafen dagegen sei im Vergleich zur heutigen Zeit deutlich weniger losgewesen. „Schiffe lagen nur in Höhe des Siloturms“, sagt sie. „Dort wurde mit den Schiffen Getreide verladen.“ An Boote von Schiffern, die auf der Ems fischen gingen, könne sie sich nicht erinnern. „Am Hafen wurde damals viel geangelt. Und im Sommer haben wir dort gebadet.“ Ein Geländer um das Hafenbecken wie heute habe es damals noch nicht gegeben.
Eislaufen im Hafenbecken
Jeden Winter sei das Hafenbecken zugefroren gewesen. „Hannes Hilbrands, einer der damals ältesten Hafenbewohner, lief immer als Erster übers Eis“, erzählt die Weeneranerin, die bis zu ihrem Renteneintritt bei der Stadt gearbeitet hat. „Erst wenn er sich mit starkem Stampfen davon überzeugt hatte, dass das Eis hält, durften wir Kinder drauf.“
Elisabeth Röttger empfindet den Hafen als Kleinod und bringt eigene Ideen bei der Interessengemeinschaft Hafenentwicklung ein. Eine ähnliche Initiative hat es schon in den 1980er Jahren gegeben. Schon damals gehörte sie zu den Aktiven, die Unterschriften für die Verlängerung des Hafenbeckens gesammelt haben. „Wir hätten es gerne wie früher noch weiter in Richtung Norderstraße gezogen.“ Doch die Politik habe damals Wert auf einen Platz am Hafenkopf gelegt.
Kritik an Einbahnstraßenregelung
Auch heute treibt die Diskussion über die künftige Hafengestaltung die Weeneranerin um. Sie könnte damit leben, wenn die Straße Am Hafen links komplett autofrei würde. „Hinter den Häusern müsste dann ein Weg geschaffen werden, wo die Anwohner parken und beliefert werden können.“ Die von den Architekten des städtebaulichen Wettbewerbs vorgeschlagene Einbahnstraßen-Regelung hätte in ihren Augen fatale Folgen. „Wenn Autos durch den Biergarten fahren, kann der Hafen 55 schließen“, warnt sie.
Die Umgestaltung müsse mit Augenmaß geschehen. „Man muss nicht auf Krampf Unmengen an Geld ausgeben“, findet die Anwohnerin. Die Spundwandabdeckung müsse erneuert und mit Versorgungsleitungen für die Schiffe versehen werden. „Ansonsten ist der Hafen schön so wie er ist. Das, was vorhanden ist, muss nur mal ordentlich in Schuss gebracht werden“, sagt sie und spielt damit auch auf das Sieltief an, „das darf man nicht so verkommen lassen.“
Kein zweites Greetsiel in Weener
Ein Punkt ist der Rentnerin aber besonders wichtig: „Weener darf kein zweites Greetsiel werden.“ Viele der historischen Häuser wurden in den vergangenen Jahren saniert. Nicht wenige werden als Ferienwohnungen vermietet. Keine gute Entwicklung, findet Lisa Röttger. „Die Wohnungen müssen dauerhaft bewohnt sein, damit hier auch Leben herrscht.“ Und: Weener brauche eine Anlaufstelle für Gäste. „Besucher sollten in einer Tourist-Info direkt am Hafen freundlich willkommen geheißen werden, vielleicht sogar mit einer Tasse Tee.“
Wie wichtig das persönliche Gespräch mit Gästen sei, merkt Elisabeth Röttger, nämlich immer dann, wenn sie ihre Tochter beim Kassieren der Gebühren für die Wohnmobilstellplätze vertritt. „Die Gäste freuen sich, wenn sie im persönlichen Gespräch Tipps für Ausflüge oder andere Informationen bekommen“, beschreibt sie ihre Erfahrungen. Wenn die Besucher zufrieden seien, kämen sie auch wieder und geben ihre positiven Erfahrungen an andere weiter.