Osnabrück Einzelkritik zum Spitzenspiel: Was dem VfL Osnabrück gegen Duisburg fehlte
Die Leistung gegen den Ball und der fußballerische Ansatz war richtig gut beim VfL Osnabrück im Topspiel gegen den MSV Duisburg. Platz vier in der Tabelle hat der VfL behauptet - die Einzelkritik zum torlosen Remis offenbart aber auch, wieso es trotz Überlegenheit für Lila-Weiß nicht zum Sieg gereicht hat.
#19 Kevin Wiethaup (bis 90.): Seine Qualitäten in puncto Übersicht, Blick für den freien Raum sowie Technik und Trickreichtum, um dort den Mitspieler einzusetzen, waren beim VfL stets allen bewusst. Neu ist: Der Youngster spielt mutiger und zugleich seriöser, minimiert seine Fehlerquote und setzt gerade in Bedrängnis oder kritischen Feldpositionen auch auf einfache, klare Sachen. Umso positiver fällt auf, wenn er dann erfolgreich nach vorn aufdreht und seine Dynamik ins Spiel bringt - so gelang es ihm ein ums andere Mal, mehrere Duisburger zu überspielen und Akzente zu setzen.
#15 Bjarke Jacobsen: Übernahm auf der Doppelsechs mit Wiethaup eher den tieferen Part als Ruhepol: Der Däne war stets präsent im Zentrum und dort immer eine Instanz bei Kopfbällen und in den Zweikämpfen. Dazu agierte Jacobsen sicher als Ballverteiler und Spiellenker von der einen auf die andere Seite. Auffällig ist seine Aura - irgendwann merkt man richtig während der Partie, wie die Gegner Jacobsens zurückhaltender attackieren, wenn er den Ball ruhig hält, um nicht von ihm ausgespielt zu werden. Hatte vorn bei ein, zwei Kopfballchancen nach Standards nicht das nötige Zielwasser, wobei die Abschlusspositionen auch nicht einfach und die Kopfbälle unter Bedrängnis waren.
#25 Niklas Wiemann: Erst im zweiten Spiel nach seiner Knieverletzung wieder über 90 Minuten aktiv - aber der Innenverteidiger spielte, als wäre er nie weg gewesen: Unbezwingbar in der Luft, sicher und klar am Boden sowohl im Kombinations-Kurzpassspiel als auch bei einigen weiteren Bällen. Startete ab und an auch gefährliche Vorstöße über links, bei dem er einmal sogar zwei Duisburger im Dribbling stehen ließ - und dann aber doch am Dritten hängen blieb.
#29 David Kopacz (bis 81.): Zeigte wie schon gegen Schweinfurt, dass er mit seiner Spontanität eine Bereicherung für das VfL-Offensivspiel sein kann. War an mehreren starken Spielzügen der Osnabrücker beteiligt, wo er mit Passsicherheit, gutem Auge und feiner Technik glänzte - überragend etwa sein Chipper-Steilpass in den Lauf von Meißner in der zweiten Halbzeit. Hätte vor dem Wechsel selbst treffen können, als er nach einem starken Spielzug zwar durchlief, aber nicht die volle weite Distanz bei 100 Prozent, sodass er die Hereingabe von Meißner mit links in Rücklage nehmen musste und ans Außennetz schoss. Stark seine Vorlage auf Kehl in der zweiten Halbzeit, als er sehr lange im Fünfer wartete und dann doch noch den freien Mann fand.
#24 Jannik Müller: Einmal mehr der Anker in der VfL-Defensive mit starken Antizipationsfähigkeiten und Cleverness im Zweikampf: Lief hinten tiefe Bälle ab, stach aber genauso mal nach vorne, um den Duisburger Spielfluss zu stören. Hätte vorne aus einem Kopfball-Wischer in der ersten Halbzeit auch mehr machen können, war aber aufgrund des vielen Verkehrs vor ihm überrascht, dass der Ball zu ihm durchrutschte. Hatte kurz vor der Pause Glück, dass es keinen Elfmeterpfiff gegen ihn gab, als er einem zu kurzen Anspiel von Jonsson nicht entgegen ging und Symalla in seinem Rücken übersah, den er dann beim Passversuch traf - ehe Schiedsrichter Gansloweit in der Folgeaktion zu Recht die Schwalbe von Viet ahndete.
#11 Robin Meißner (bis 90+5): Ging weite Wege und bot seinen Mitspielern so immer wieder wichtige Anspielstationen in gefährlichen Räumen, war an so gut wie jedem gefährlichen VfL-Angriff beteiligt: durch dieses Stilimittel sowie technisch anspruchsvolle wie starke Ablagen mit Gegnern im Rücken oder Hereingaben nach Ausbrüchen über die Seite. Hatte die erste Großchance für den VfL, als er nach Christensens Hereingabe direkt abschloss, aber nur Braune auf der Linie traf. Dennoch war die Direktabnahme das richtige Stilmittel in jener Szene.
#31 Patrick Kammerbauer: Erneut eine souveräne Vorstellung auf dem rechten Flügel, auch wenn es vor der Pause ab und an mal ein Missverständnis mit Robin Fabinski gab und nach der Pause auch nicht jede Aktion wie etwa der zu offensichtliche Tunnelversuch an der Mittellinie gelang. Insgesamt agierte der Franke diesmal etwas unauffälliger als sonst - auf seine Vorstöße waren die Duisburger vorbereitet, sodass dieses Überraschungsmoment diesmal nicht griff.
#21 Lukas Jonsson: Schwieriges Spiel für den Torhüter, der lange beschäftigungslos blieb und nichts Ernsthaftes auf seinen Kasten bekam - aber trotzdem immer da sein musste bei hohen Flanken oder im Spielaufbau. Bei letzterem machte er einien leichten Fehler, als das Zuspiel auf Müller im Strafraum etwas verhungerte - und so die brenzlige Situation mit den vermeintlichen Elfmetern entstand. War aber ansonsten ein sicherer und tadelloser Rückhalt.
#18 Lars Kehl (bis 90.): Großes Engagement, große Kreativität - aber in puncto Durchschlagskraft und Effektivität fehlte es dem Offensivmann an jenem Tag gegen Duisburg. Hatte Mitte der zweiten Halbzeit nach dem Zuspiel von Kopacz die Riesenchance auf dem Fuß, verzog aber deutlich, sodass der Ball weit über das Tor flog. Auch in Dribblings oder bei Standards fehlte ihm an jenem Tag stets ein Tick zum goldenen Tor. Dennoch war er mit seiner Spiel- und Einsatzfreude von den Duisburgern nie zu kontrollieren.
#27 Robin Fabinski: Hatte Mitte der ersten Halbzeit eine kurze unkonzentrierte Phase, als er zum Beispiel den Duisburgern am eigenen Strafraum per Hacke den Ball servierte, ohne dass diese Kapital daraus schlagen konnten. Im zweiten Durchgang deutlich verbessert und hier komplett ohne Strömungsabriss - und was Zweikampfführung und Stellungsspiel angeht, sowieso unverzichtbarer Teil der gut funktionierenden Dreierkette.
#3 Frederik Christensen (bis 81.): Zu Beginn mit viel Vorwärtsdrang, leitete mit einer klugen Hereingabe die Chance von Meißner ein. Danach agierte der Linksaußen aber weit weniger aktiv als gewöhnlich, spielte fast unauffällig. Defensiv ohne Fehl und Tadel, nach vorn aber mit zunehmender Spieldauer diesmal nicht mit der ganz großen Wirkung
#13 Kevin Schumacher (ab 81.), #10 Kai Pröger (ab 81.), #6 Bryan Henning (ab 90.), #23 Tony Lesueur (ab 90.) und #14 Luc Ihorst (ab 95.): Alle Einwechselspieler kamen diesmal spät - und man muss sagen, dass der Spielfluss danach eher verlorenging. Nach Schweinfurt war Duisburg das zweite Spiel, in dem die Wechsel eher keinen positiven Effekt auf das Spiel im Vergleich zu vorher hatten.