Es kracht auf der B 436  Rostocker Straße in Weener bleibt ein Unfallschwerpunkt

Oliver Bär
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Von Oliver Bär
| 29.10.2025 08:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Karte an der Wand ist in den Computer gewandert. Am Rechner kann Hans-Günter Jelting Gefahrenstellen begutachten. Foto: Oliver Bär
Die Karte an der Wand ist in den Computer gewandert. Am Rechner kann Hans-Günter Jelting Gefahrenstellen begutachten. Foto: Oliver Bär
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Immer wieder kracht es an der Rostocker Straße in Weener. Was macht die Einmündung zur B 436 so gefährlich – und was unternimmt die Unfallkommission, um weitere Unfälle zu verhindern?

Weener - Gleich zweimal innerhalb weniger Tage krachte es Anfang Oktober an der Einmündung der Rostocker Straße auf die B 436. Am 2. Oktober wollte ein Autofahrer von der Rostocker Straße auf die Bundesstraße in Richtung Weener auffahren. Im selben Moment näherte sich ein weiteres Fahrzeug aus Richtung Bunde – es kam zum Zusammenstoß. Zwei Menschen wurden dabei leicht verletzt. Nur acht Tage später, am 10. Oktober, ereignete sich an fast gleicher Stelle der nächste Unfall: Eine Autofahrerin bog von der Rostocker Straße nach links auf die B 436 ab, übersah dabei jedoch einen Motorradfahrer, der aus Richtung Bunde kam. Der Biker wurde schwer verletzt.

Drei Unfälle hat es im laufenden Jahr bereits an der Einmündung der Rostocker Straße in die B 436 gegeben. Foto: Oliver Bär
Drei Unfälle hat es im laufenden Jahr bereits an der Einmündung der Rostocker Straße in die B 436 gegeben. Foto: Oliver Bär

Was ist los an dieser Kreuzung? „Die Rostocker Straße haben wir schon auf dem Schirm“, sagt Hans-Günter Jelting, Vorsitzender der Unfallkommission für Leer, Emden und den Landkreis Leer. Er ist bei der Polizeiinspektion Leer-Emden für den Bereich Verkehr zuständig. Die Unfallkommission setzt sich aus Vertretern der Polizei, der Straßenbaulastträger – also Kommune, Landkreis oder Landesbehörde – und gelegentlich auch externen Experten wie Fahrlehrern oder der Verkehrswacht zusammen.

Viele Punkte auf der Straßenkarte

Jelting öffnet eine digitale Straßenkarte auf seinem Bildschirm. Bunte Punkte markieren die Unfallschwerpunkte. „Schon drei Unfälle in diesem Jahr“, stellt er fest. Ein Klick weiter, und die Statistik der letzten drei Jahre zeigt noch mehr Markierungen. „Wir haben festgestellt, dass es immer wieder zu ganz unterschiedlichen Unfällen kommt“, erklärt Jelting. Besonders häufig gehe es um Missachtung der Vorfahrt.

Die Arbeit der Unfallkommission beginnt mit der Unfallaufnahme durch die Polizei. Täglich erhält Jelting eine Lagemeldung, die in die elektronische Unfalltypensteckkarte einfließt. „Früher hatten wir eine echte Karte an der Wand, auf der wir die Unfallstellen mit bunten Stecknadeln markiert haben“, erinnert er sich. Heute übernehmen das digitale Systeme, die jeden Unfalltyp farblich kennzeichnen. „Jeder Unfall wird auf Plausibilität und Datenkonsistenz geprüft“, betont Jelting. „Bei drei Unfällen in kurzer Zeit schauen wir besonders genau hin.“

Das Stoppschild wurde häufig ignoriert

Genau hinschauen heißt für Jelting: Die Situation vor Ort analysieren. Wie ist die Verkehrsführung? Ist die Beschilderung eindeutig? Gibt es Sichtbehinderungen? Wie stark ist der Verkehr zu verschiedenen Tageszeiten, wie schnell wird gefahren, wie waren Wetter und Sicht beim Unfall? All das wurde an der Rostocker Straße bereits untersucht. Die Einmündung gilt als Gefahrenstelle. „Vor der Sanierung gab es von Bunde kommend eine Abbiegespur und einen Beschleunigungsstreifen Richtung Weener“, berichtet Jelting. Nach der Sanierung 2024 sind beide verschwunden.

Der Vorsitzende der Unfallkommission, Hans-Günter Jelting, will vor allem schwere Unfälle mit Schwerverletzten oder Toten verhindern. Foto: Oliver Bär
Der Vorsitzende der Unfallkommission, Hans-Günter Jelting, will vor allem schwere Unfälle mit Schwerverletzten oder Toten verhindern. Foto: Oliver Bär

Für Uwe Olthoff, der als Anwohner in der Rostocker Straße nur wenige Meter von der Einmündung entfernt wohnt, ist das der Kern des Problems. „Dass sich die Unfälle so häufen, haben wir erst seit der Sanierung der Straße“, bringt er sein Empfinden auf den Punkt. „Weshalb die beiden Spuren weggefallen sind, das verstehe ich nicht.“ Olthoff empfiehlt, die Spuren wieder herzustellen, nur so können eine für alle sichere Situation geschaffen werden.

Motorradfahrer geben „Gas ohne Ende!“

Auch die hohe Geschwindigkeit, die an dieser Stelle gefahren werden darf, sieht der Anwohner kritisch. Warum gilt nicht nicht von Weener bis Möhlenwarf durchgehend Tempo 70, fragt er sich. Im Sommer etwa, so seine Beobachtung, würden die Motorradfahrer auf der kurzen Strecke ohne Geschwindigkeitsbeschränkung „Gas geben ohne Ende“.

Uwe Olthoff wohnt nur wenige Meter von der Bundesstraße entfernt. Foto: Oliver Bär
Uwe Olthoff wohnt nur wenige Meter von der Bundesstraße entfernt. Foto: Oliver Bär

Ein weiteres Problem: Der Radweg verläuft nur auf einer Seite der Bundesstraße, Radfahrer kommen also aus beiden Richtungen. Früher, so Jelting, hätten viele Autofahrer das Stoppschild ignoriert und seien direkt auf den Beschleunigungsstreifen gefahren. Die Abbiegespur habe zudem oft die Sicht auf den Verkehr verdeckt. Anders lasse sich die Unfallhäufung trotz der eigentlich übersichtlichen Strecke kaum erklären.

Häufigste Fehlerquelle ist der Mensch

Jelting will vor allem schwere Unfälle mit Schwerverletzten oder Toten verhindern. „Ich möchte das Leid der Angehörigen vermeiden und besonders die schwächsten Verkehrsteilnehmer schützen. Das sind Fußgänger und Radfahrer.“ Ihm ist bewusst, dass er mit seiner Arbeit schnell in der Kritik steht, wenn es dennoch kracht. „Es ist trotzdem eine spannende Aufgabe, und ich kann viel bewirken“, ist er überzeugt.

Vor der Sanierung der Bundesstraße gab es hier in Richtung Weener einen Beschleunigungsstreifen. Foto: Oliver Bär
Vor der Sanierung der Bundesstraße gab es hier in Richtung Weener einen Beschleunigungsstreifen. Foto: Oliver Bär

Dass es an der Rostocker Straße wiederholt kracht, lässt Jelting und die Unfallkommission aufhorchen – auch wenn bislang keine tödlichen Unfälle zu beklagen sind. „Die häufigste Fehlerquelle ist der Mensch“, weiß Jelting. Dennoch müsse analysiert werden, was diese Fehler begünstigt. Ist die Beschilderung unklar? Gibt es Schwächen bei der Markierung? „Wir sind schon aktiv, aber die Auswertung der Unfälle ist noch nicht abgeschlossen.“ Ein Gedanke: Vielleicht sollten wieder Stoppschilder an der Ausfahrt der Rostocker Straße aufgestellt werden, um Autofahrer zum Anhalten zu zwingen. Doch für eine endgültige Entscheidung fehlten noch wichtige Daten.

Die Bundesstraße verläuft schnurgerade und ist gut einzusehen. Foto: Oliver Bär
Die Bundesstraße verläuft schnurgerade und ist gut einzusehen. Foto: Oliver Bär

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