Osnabrück Eklat um „Ödipus Exzellenz“ am Theater Osnabrück: Jetzt sprechen die Schauspieler
Nach der abgesagten Premiere von „Ödipus Exzellenz“ am Theater Osnabrück will das Schauspiel-Ensemble endlich gehört werden. Gefordert werden demokratischere Strukturen im Kulturbetrieb – und dass Osnabrück dabei eine Vorreiterrolle einnehme.
Nichts bewegt die Osnabrücker Kulturszene aktuell mehr als der Theater-Eklat um „Ödipus Exzellenz“. Zur Erinnerung: Mit einer Neuinterpretation des Seneca-Stücks wollte ein Regieteam um Lorenz Nolting die Spielzeit im August eröffnen; Thema sollte der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche sein. Doch Intendant Ulrich Mokrusch sagte die Aufführung in letzter Sekunde ab.
Das sind wohl die durch niemanden angezweifelten Fakten. Was davor, danach und währenddessen am Theater falsch gelaufen ist, ist seitdem Gegenstand intensiver Auseinandersetzungen. Es gab eine Demonstration, offene Briefe und viele Gespräche auf allen Ebenen. Am Theater läuft eine Mediation. Das Schauspiel-Ensemble dagegen kam öffentlich bislang kaum zu Wort. Das soll sich ändern.
Ungewöhnlich genug, dass auf der Theater-Homepage ein eigenes Statement der Schauspieler eingestellt wurde, die sich die Darstellung der Hausleitung explizit nicht zu eigen machen wollen. Dort heißt es: „Immer dort, wo sich Macht auf eine einzelne Person konzentriert, ist die Gefahr von autoritären Entscheidungen gegeben. Wie auch in diesem Fall.“ Der Ödipus-Komplex ist zur Grundsatzdebatte um zeitgemäße Strukturen am Theater geworden.
Bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung traten die Schauspieler nun auf die Bühne, um vor den anderen Angestellten und der Presse ihre Sicht auf den ganzen Vorgang deutlich zu machen – das „Informationsleck“ zu stopfen, wie Linda Wiechers sagte. „Wir wollen nichts kaputt machen, sondern aufräumen“, bekräftigte Monika Vivell.
Es sei eine Schieflage entstanden, als bei der Spielzeiteröffnung Intendant Mokrusch ausführlich erklärte, woran „Ödipus Exzellenz“ gescheitert sei, aber die Schauspieler nicht befragt wurden, so Michi Wischniowski. Sie hätten sonst Aussagen „richtigstellen“ können.
Denn – auch wenn es ausdrücklich nicht um Personen gehen sollte und man zusammenarbeiten will – letztlich ist aus Sicht des Ensembles Mokrusch derjenige gewesen, der Anstoß nahm an der geplanten Inszenierung und den Stein ins Rollen brachte. „Der Darstellung eines Gottesdienstes wurde ein Verbot ausgesprochen. Das können wir klar bezeugen“, betonte Wischniowski: „Das Verbot wurde zum Auslöser aller folgenden Konflikte.“
Wischniowski legte die Probleme mit den hierarchischen Strukturen im Theaterbetrieb dar: „Kunst, die nur in der Gnade einer einzelnen Person stattfindet, ist nicht frei. Der Intendant kann nicht überstimmt werden. Andere Perspektiven haben kein Gewicht.“ Es brauche jetzt Demokratisierung, Sicherheit vor der gefürchteten Nichtverlängerung von Arbeitsverträgen und eine Wappnung des Theaters gegen autokratische Eingriffe. Dann könnte das Theater Osnabrück „ein Vorreiter in der Theaterlandschaft werden“, fand Wischniowski.
Dafür, auch das kam zur Sprache, braucht es nicht zuletzt Geld. Und das ist im Kulturbetrieb eigentlich immer knapp.