Bearbeitungsstau bei EWE Netz  Ostfriese wartet seit drei Jahren auf Vergütung

| | 24.10.2025 09:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mehrere tausend Betreiber von PV-Anlagen warten seit Monaten und teilweise Jahren auf ihre Einspeisevergütung von EWE Netz. Foto: Archiv
Mehrere tausend Betreiber von PV-Anlagen warten seit Monaten und teilweise Jahren auf ihre Einspeisevergütung von EWE Netz. Foto: Archiv
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Zahlreiche Betreiber von PV-Anlagen im EWE Netz-Gebiet warten auf ihr Geld. Zwei von ihnen schildern, was sie mit dem Unternehmen erlebt haben.

Ostfriesland/Oldenburg - Seit Ende 2022 ist seine Photovoltaikanlage installiert. Seit Anfang 2023 speist sie, damals in Absprache mit der EWE-Meisterei in Aurich, Strom ins Netz. Auf einen Einspeisevertrag und die Vergütung seines Solarstroms wartet Volker Schoon seitdem vergeblich. Schlimmer noch: Für seine Bestandsanlage, die schon seit 2011 am Netz ist, wurde ab 2024 ebenfalls die Vergütung eingestellt, „weil man da vermutlich festgestellt hat bei der EWE-Netz, dass die übermittelten Zählerwerte durch die Einspeisung einer weiteren PV-Anlage nicht mehr passen und es so mit der Verrechnung schwierig wird“. Nicht mal nachgefragt habe die EWE-Netz bis heute, wieso denn die Zählerwerte nicht passen, berichtet er.

Mehrere tausend PV-Betreiber im EWE-Gebiet warten

Der Ostfriese Volker Schoon gehört zu den einigen tausend Betreibern von PV-Anlagen im EWE-Gebiet, die seit Monaten und sogar Jahren auf ihre Einspeisevergütungen warten. Vor kurzem hat der Oldenburger Energienetzbetreiber angekündigt, dass ausstehende Zahlungen bis Frühjahr 2026 überwiesen werden sollen. Zurzeit werden die Verzögerungen bei der Auszahlung von Einspeisevergütungen aufgearbeitet, so EWE Netz in einer Mitteilung. Das Unternehmen bittet alle Betroffenen um Geduld.

Sie sind betroffen? Schreiben Sie mir!

Warten Sie als Betreiber einer Photovoltaikanlage ebenfalls auf die Auszahlung der Einspeisevergütung durch EWE Netz? Was sind Ihre Erfahrungen? Berichten Sie mir von Ihren skurrilen Erlebnissen, von den unerwarteten Problemen mit EWE Netz und erstaunlichen Vorgängen: E-Mail an m.hanz@zgo.de.

„Man verbrennt Stunden von Lebenszeit in der hilflosen Hotline. Rückmeldungen kommen nur per Mail und hauptsächlich automatisiert, telefonisch meldet sich nie jemand. Das geht nun seit bummelig drei Jahren so - und da bittet EWE Netz nun erneut um Geduld?“ Volker Schoon weiß nicht, ob er lachen oder weinen soll über die Ankündigung des Unternehmens. Er sei gespannt: Allein für den Zeitraum seit 1. Januar 2024 bis heute stehen über 4000 Euro Einspeisevergütungen für seine beiden PV-Anlagen aus - plus Zins. „Mit der Vergütung der neuen Anlage für 2023 rechne ich schon gar nicht mehr, weil die EWE-Netz ewig benötigt hat, ihren durch sie selbst eingebauten Zähler überhaupt in ihr Abrechnungssystem zu integrieren“, so Schoon. Im Frühjahr 2025 wurde dann durch einen anderen Messstellenbetreiber ein Smartmeter installiert. „Taucht er bis heute im System der EWE-Netz auf? Fehlanzeige! Stand September 2025 wollte die EWE immer noch die Zählerstände des alten Zählers ablesen.“

Kontakt zu EWE Netz läuft immer nur per E-Mail

Eine Rechnung, die er der EWE-Netz in der Zwischenzeit per Einschreiben hat zukommen lassen, wurde auch nur per E-Mail quittiert mit dem Hinweis, man möge sich noch etwas gedulden. „Ob man das der EWE wohl auch schreiben dürfte, wenn man seine Telefonrechnung, seinen Strom- oder Gasablage mal drei Jahre nicht zahlen möchte?“, fragt Schoon. „Und was sagt eigentlich der Landkreis Aurich dazu, der ja als Anteilseigener der EWE durchaus ein Interesse daran haben sollte, dass die EWE für die Bürger da ist und nicht nur für seine Rendite?“

Ein weiterer Betroffener aus Lütetsburg schildert: „Nicht nur die Abschläge werden nicht gezahlt, sondern auch die Jahresabrechnung für die Umsatzsteuer fehlt. Mahnungen vom Finanzamt sind vorprogrammiert. Die zuständigen Sachbearbeiter sind nicht zu erreichen, alles läuft nur noch über eine Hotline. Direkter Kundenkontakt - niemals! Rückmeldungen dauern Wochen und sind diesem Konzern fühlbar lästig. Zu keinem Zeitpunkt wurde der Kunde über das Abschlagsdesaster informiert.“

Bearbeitungsstau – diese Gründe nennt EWE Netz

Im Netzgebiet von EWE Netz gibt es nach Angaben des Unternehmens fast 200.000 Solarstrom-Einspeiser – nahezu alle bekämen ihr Geld ordnungsgemäß. Der Bearbeitungsstau betrifft eine mittlere vierstellige Zahl an Fällen.

Zwei Gründe nennt EWE Netz als Ursache des Bearbeitungsstaus: Zum einen habe der anhaltende Photovoltaik-Boom die Zahl neuer Anlagen und deren Bearbeitung innerhalb kurzer Zeit außergewöhnlich erhöht. Von Anfang 2023 bis heute hat sich demnach die Zahl der Photovoltaikanlagen im EWE-Netzgebiet von 90.000 auf knapp 200.000 mehr als verdoppelt. Im Juni 2025 mussten zudem die von der Bundesnetzagentur vorgeschriebenen Umstellungen zum „24-Stunden-Lieferantenwechsel“ umgesetzt werden. Das sei aufwendiger gewesen als prognostiziert und habe in der Folge zu Rückständen in der Abrechnung geführt.

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