Prozess in Leer Autohändler aus dem Kreis Leer wegen Betrugs verurteilt
Ein Autohändler soll Bank und Kunden betrogen haben, um finanzielle Löcher zu stopfen. Nun stand er vor Gericht in Leer.
Leer - Ein Autohändler aus dem Kreis Leer soll seine Kunden betrogen haben, indem er die Kilometerstände seiner Gebrauchtwagen manipuliert hat. Zudem habe er Autos gegen Vorkasse verkauft, das Geld kassiert, aber die Fahrzeuge nicht ausgeliefert. Diese Vorwürfe sorgten dafür, dass sich der Autohändler kürzlich vor dem Schöffengericht in Leer verantworten musste. Die Staatsanwaltschaft Aurich hatte ihn wegen gewerbsmäßigen Betrugs angeklagt.
In den Jahren 2021 und 2022 soll der angeklagte Autohändler die Kilometeranzeigen seiner gekauften Gebrauchtwagen reduziert haben. Ziel sei es gewesen, den Wert der Autos zu erhöhen, um höhere Kredite von seiner Bank zu bekommen, so die Anklage. Außerdem besteht der Verdacht, dass der Händler Gebrauchtwagen verkaufte, ohne dabei den aufgenommenen Kredit zurückzubezahlen. Gemäß Anklage soll der Autohändler zudem drei Transporter der Marke Iveco mit zugehörigem Vertrag und Vorkassenzahlung von 50.000 Euro verkauft haben. Der Käufer überwies den Betrag auf das Geschäftskonto des Angeklagten. Die bestellten Fahrzeuge wurden jedoch nie übergeben. Ein Gutachten, das während der Verhandlung vorgestellt wurde, ergab, dass der Autohändler bereits vor dem Jahr 2019 nicht mehr alle Rechnungen begleichen konnte. Sozialbeiträge für die Krankenkasse sowie Rentenbeiträge für seine Mitarbeiter konnte er nicht mehr vollständig zahlen.
Manipulierte Kilometerstände seien kein Tippfehler
Der gelernte Kfz-Mechaniker hatte den Gebrauchtwagenhandel vor einigen Jahren übernommen und zunächst gemeinsam mit seinen Mitarbeitern geführt. Als das Geld nicht mehr ausreichte, habe er nur noch finanzielle Löcher gestopft. "Das Gewerbe ist dem Angeklagten unter den Füßen weggeschwommen", so die Staatsanwaltschaft Aurich. Seit August 2021 sei es bei dem Unternehmen des Autohändlers wiederholt zu Rücklastschriften gekommen, weil die Konten nicht mehr ausreichend gedeckt waren. Zahlungen hätten dadurch nicht wie geplant ausgeführt werden können.
Die auf den Darlehensanträgen falsch angegebenen Kilometerstände waren laut Gericht keine bloßen Tippfehler, wie der Angeklagte zunächst behauptet hatte. Da es in mehreren Fällen zu großen Abweichungen kam, ging das Gericht davon aus, dass der Antragsteller dies absichtlich gemacht hat. Dies sei auf den Anträgen nachweisbar.
Die Schadenssumme beträgt 70.000 Euro
Der Betrug flog schließlich auf, als die kreditgebende Bank die Fahrzeuge des Mannes beschlagnahmen ließ. Mit eigenen Gutachtern ließ die Bank die Autos überprüfen. Dabei fielen Unstimmigkeiten auf. Die Schadenssumme betrug 70.000 Euro, wobei der so erzielte Gewinn dem Geschäftskonto des Angeklagten gutgeschrieben wurde.
Vor Gericht kam der Geschädigte zu Wort, der die Iveco Transporter bei dem Angeklagten bestellt und nicht erhalten hatte. Bis heute sei trotz Vertrages keine Schadensregulierung durch den Autohändler erfolgt. Der Zeuge gesteht, zu gutgläubig gegenüber dem Händler gewesen zu sein. Er habe ihn durch Empfehlungen anderer kennengelernt. Als der Autohändler dann mit einer Limousine bei ihm vorfuhr, habe er keine Zweifel an seiner Seriosität gehabt.
Angeklagter Autohändler wird verurteilt
Anfang 2022 verunglückte der Angeklagte bei einem Verkehrsunfall schwer. Sein Erinnerungsvermögen sei durch den Unfall stark beeinträchtigt worden. An den Folgen des Unfalls leide er noch immer, so der Rechtsanwalt des Autohändlers. Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten schließlich wegen gewerbsmäßigen Betrugs in fünf Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Außerdem muss der Autohändler eine Geldauflage von 1.000 Euro bezahlen.
Der Angeklagte hat laut dem Gericht den Überblick über sein Gewerbe verloren. Mit den illegal erzielten Gewinnen habe er ein Loch nach dem anderen gestopft. Daher sei der Angeklagte kein typischer Straftäter. Für ihn konnte eine positive Sozialprognose abgegeben werden. Sein Gewerbe habe er aufgegeben. Er sei jetzt Angestellter bei einer anderen Firma. Die durch den Betrug erlangten 70.000 Euro muss er zurückzahlen.