Osnabrück  „Immer alles entspannt sehen“: Wie Wilma und Alfred Höpker es bis zur Gnadenhochzeit schafften

Julian Blome
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Von Julian Blome
| 20.10.2025 17:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kaum zu glauben, aber dieses Paar ist seit 70 Jahren verheiratet: Wilma (91) und Alfred (95) Höpker aus Osnabrück feiern Gnadenhochzeit. Foto: Denise Matthey
Kaum zu glauben, aber dieses Paar ist seit 70 Jahren verheiratet: Wilma (91) und Alfred (95) Höpker aus Osnabrück feiern Gnadenhochzeit. Foto: Denise Matthey
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Sieben Jahrzehnte verheiratet zu sein, das können nicht viele Paare von sich behaupten. Die Eheleute Wilma und Alfred Höpker aus Osnabrück haben diesen außergewöhnlichen Meilenstein erreicht.

„Ohgottohgott“, rutscht es Alfred Höpker heraus, als er das Foto des jungen, frisch verheirateten Paares in den Händen hält. Nicht etwa, weil es kein schönes Foto wäre. Wohl eher deshalb, weil es eine Weile her ist, dass er es gesehen hat. Und weil der Moment so weit zurückliegt. Das schwarz-weiße Hochzeitsfoto entstand 1955 – also vor 70 Jahren.

Vor 70 Jahren, da fuhr in Osnabrück noch die Straßenbahn und da machten in Tanzlokalen noch Kapellen die Musik. Da war Deutschland gerade zum ersten Mal Fußball-Weltmeister geworden. Und da waren die meisten Fotos noch schwarz-weiß.

Kennengelernt haben sich Wilma und Alfred Höpker, beide Ur-Osnabrücker, im Bürgerpark. Er machte einen Spaziergang, sie auch. Er sprach sie an. An das genaue Datum erinnert das Paar sich noch: Es war der 27. Juni 1954, sagt sie. Danach habe man sich eben verabredet, erzählt er. Und so kam eins zum anderen.

Kaum ein Jahr später, am 21. Oktober 1955, war es dann so weit, die beiden heirateten. Als sie den Bund der Ehe eingingen, war er 25 und sie 21 Jahre alt. Was auf dem Hochzeitsfoto auffällt: Die Braut trug ein schwarzes Kleid. Weil das Paar schon zusammenwohnte, verweigerte der Pastor eine Trauung in Weiß.

Die Hochzeit selbst sei „sehr bescheiden“ gewesen. Damit meint Alfred Höpker nicht den Tag an sich, sondern vielmehr die finanziellen Umstände. „Man fing mit nichts an“, erinnert sich das Ehepaar an die wirtschaftlich schwierige Nachkriegszeit, in der seine junge Liebe zu sprießen begann. Seinen damaligen Stundenlohn weiß Alfred Höpker noch genau: 1,27 Mark. Er arbeitete viele Jahre in einem Sägewerk, sie ist gelernte Fleischfachverkäuferin und war später in einem Verlag beschäftigt.

Aber eine Hochzeitsreise nach Paris, die gönnten sich die frisch Vermählten. Noch am selben Tag ging es mit dem Bus in die französische Hauptstadt. Und auch sonst haben die Höpkers, die sich 1989 in Osnabrück-Atter niederließen, viel von der Welt gesehen. Sie bereisten die Karibik und Amerika, waren in Moskau und in Spanien. „Da ging‘s uns dann auch besser“, sagt Alfred Höpker mit Blick auf die finanzielle Lage. „In guten wie in schlechten Zeiten“ heißt es nicht ohne Grund.

Ihre Eltern hätten immer alles gemeinsam gemacht, berichten die zwei Töchter der Höpkers, und bis heute hätten sie sich viel zu erzählen. Eine besondere Leidenschaft des Rentnerpaares sei das Kartenspiel Skip-Bo. „Aber wir spielen nicht um Geld“, scherzt Alfred Höpker.

Dass die beiden Senioren stets unter Leuten und bis zuletzt viel unterwegs gewesen seien, habe dabei geholfen, Abwechslung in den Alltag zu bringen. Auch die regelmäßigen Besuche der Familie hielten die inzwischen über 90-Jährigen fit.

Eine sogenannte Gnadenhochzeit, die ist alles andere als alltäglich. Wie sehr, das zeigte sich bei der Suche nach einer entsprechenden Glückwunschkarte. Nur eine einzige Grußkarte zum 70. Hochzeitstag habe die Tochter der Höpkers gefunden, und die erinnerte in ihrer Aufmachung eher an eine Trauerkarte. Auch eine Drehkarte hielt 70 Jahre währende Liebe nicht für möglich: Sie ließ sich nur bis 65 drehen.

Was ist denn das Geheimnis einer so langen Liebe? „Man muss den passenden Partner finden“, sagt Wilma Höpker. „Und immer am gleichen Strang ziehen.“ Ein Tipp für junge Paare? „Entspanntheit“, sagt Alfred Höpker. „Immer alles entspannt sehen.“

Zum außergewöhnlichen Ehejubiläum ist ein gemeinsames Abendessen mit der ganzen Familie geplant. Die wird immer größer: Wilma und Alfred Höpker haben zwei Töchter, sind Großeltern von fünf Enkelkindern, und zwei Urenkel gibt es auch schon – weiterer Zuwachs wird im Dezember erwartet.

Und so blickt das Gnaden-Paar zufrieden auf sieben Jahrzehnte Ehe zurück. „Im Allgemeinen hat man Glück gehabt“, sind sie sich einig.

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