Osnabrück Wärmepumpe im Altbau: Was Energiekommissar Carsten Herbert Hausbesitzern rät
Als „Energiesparkommissar“ ist Carsten Herbert durch YouTube bekannt geworden, am 3. November kommt der Bauingenieur für einen Vortrag nach Osnabrück. Wir haben den Wärmepumpen-Influencer vorab interviewt.
Hinweis: Dieser Artikel ist erstmals Mitte Oktobert erschienen.
Lässt sich eine Wärmepumpe auch in einem Altbau einbauen? „Es gibt für jedes Haus eine Lösung“, sagt Carsten Herbert, der im Internet als „Energiesparkommissar“ bekannt wurde. Wie das funktionieren kann, stellt der Bauingenieur am 3. November bei einem Vortrag in der DBU vor – und beantwortet auch Fragen aus dem Publikum. Wir haben dem Influencer schon vorab einige gestellt.
Frage: Wenn ich Sie richtig verstehe, kann jedes Haus mit einer Wärmepumpe beheizt werden. Auch ein 200-jähriges Fachwerkhaus mit miserabler Wärmedämmung?
Antwort: Es gibt tatsächlich für jedes Haus eine passende Wärmepumpenlösung, egal welche Rahmenbedingungen bestehen und in welcher Lebenssituation sich die Menschen darin befinden. Ich selbst lebe in einem Fachwerkhaus von 1796, allerdings entspricht das energetisch inzwischen eher einem modernen Standard.
Frage: Zählen Sie doch mal drei Schritte auf, die ich gehen muss, um einem Altbau die Energieverschwendung auszutreiben.
Antwort: Erstens: Die Heizungen sollten nur so viel Wärme produzieren, speichern und verteilen, wie es jeweils nötig ist. Die meisten Heizungen erzeugen und verteilen aber viel mehr Wärme, als wir brauchen, und dann regeln wir die Temperatur am Thermostat nach unten. Besser wäre es, wenn wir der Heizung erklären, dass sie nur so viel Wärme produziert, wie gerade tatsächlich gebraucht wird. Damit haben wir ein riesiges Einsparpotenzial, in Einzelfällen bis zu 40 Prozent, und das alles ganz ohne Kosten.
Antwort: Zweitens: Viele Dächer haben große Luftundichtigkeiten. Wie in einem Heißluftballon drückt die warme Luft nach oben. Anders als der Ballon bleibt das Haus zwar stehen, aber die warme Luft verschwindet durch Ritzen und Fugen im Dach nach draußen. Und das die komplette Zeit, solange es draußen kälter ist als drinnen. Besonders betroffen sind davon übrigens Häuser aus den 70er und 80er Jahren mit Holzinnenverkleidung.
Antwort: Und Drittens: Überall da, wo wir in Häusern Hohlräume haben, zwischen den Sparren, zwischen zwei Außenwandschalen, und auch auf der obersten Geschossdecke, da haben wir die Möglichkeit, mit sehr geringen Kosten hochwirksame Dämmschichten einzublasen. So lassen sich mit geringen Kosten hohe Effekte erzielen.
Frage: Wie hoch sind denn die Kosten für eine Wärmepumpe? Und wie sieht es zurzeit mit Zuschüssen aus?
Antwort: Eine Wärmepumpe für ein durchschnittliches Einfamilienhaus kostet mit Installation zwischen 30.000 und 40.000 Euro. Ich gehe davon aus, dass die Kosten weiter sinken. Momentan ist die Förderlandschaft noch sehr gut. Wir haben Zuschüsse von 50 bis 70 Prozent, wobei wir schauen müssen, wie lange die neue Bundesregierung daran festhält. Viele Handwerksbetriebe haben in den letzten Jahren Gas- und Ölheizungen gebaut. Sie müssen erst Erfahrungen sammeln, auch das macht die Sache teurer, und die Zuschüsse sollen die Markteinführung erleichtern.
Antwort: Es gibt aber nicht nur die Wärmepumpe, die man in den Keller einbaut. Den wenigsten Menschen ist bekannt, dass man auch mit Klimaanlagen nicht nur kühlen, sondern auch effizient heizen kann. Man bekommt im Sommer Kälte, im Winter Wärme. Die Klimageräte werden wegen der geringen Kosten und Sozialverträglichkeit in Zukunft eine häufig gewählte Heizungslösung sein. Und günstige Lösungen werden gebraucht. Es gibt keine Heizmethode neben der Wärmepumpe, mit der wir so schnell und einfach zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung kommen können, bei gleichzeitig sehr geringem Energieeinsatz. Mit einer neuen Klimaanlage heizen Sie bereits heute ab dem ersten Tag günstiger als mit Öl oder Gas.
Frage: In Osnabrück gibt es viele Altbauten mit schlechter Dämmung. Nahwärme ist noch die totale Ausnahme. Wäre ein großflächiges Wärmenetz nicht sinnvoller als der massenhafte Einbau von Wärmepumpen?
Antwort: Bei den Wärmenetzen muss man ganz klar sagen, dass sie extrem teuer sind. Wirtschaftlich kann man die nur in Innenstädten betreiben mit einer hohen Bebauungsdichte – weil wir da viel weniger Rohrleitungslänge, also Erdarbeiten brauchen. Wir werden Wärmenetze also auch in Zukunft eher in homöopathisch kleinen Dosen zubauen.
Antwort: Überall da, wo Wärmenetze fehlen, ist die Wärmepumpe die praktikabelste Lösung. Und die Wärmepumpe ist auch flexibler, denn da, wo es viel Leerstand gibt, müssen nicht die anderen die Netzkosten mitbezahlen.
Frage: Die Stadt Osnabrück will bis 2040 klimaneutral sein. Ist das unter den aktuellen Rahmenbedingungen zu schaffen?
Antwort: Man setzt sich als Politik Ziele und gestaltet die Rahmenbedingungen entsprechend. Bis 2045 werden wir an die Heizungen in allen Gebäuden rangehen müssen. Egal, wann das Ziel erreicht wird – wir müssen jetzt loslaufen, sonst werden wir nicht ankommen.
Frage: Seit der Heizhammer-Kampagne vor zwei Jahren ist die Wärmepumpe für viele Hausbesitzer zum Reizwort geworden. Was sagen Sie den Leuten, die lieber auf eine neue Gas- oder Ölheizung setzen?
Antwort: Genau deswegen ziehe ich momentan durchs Land, um den Menschen gute Informationen zu liefern, damit sie gute Entscheidungen für sich und ihre Lebenssituation treffen können. Gas und Öl werden teurer durch die CO2-Bepreisung, aber das ist nur ein kleiner Teil der Zusatzkosten, die auf uns zukommen.
Antwort: Wir sehen ja, dass viele Menschen vom Gas zur Wärmepumpe wechseln, und das werden immer mehr. Wenn immer mehr zu den erneuerbaren Energien wechseln, muss der verbliebene Teil die Kosten für das Gasnetz tragen. Das wird in den kommenden zehn Jahren der Hauptpreistreiber beim Gas sein. Es ist also sinnvoll, sich so schnell wie möglich unabhängig von den fossilen Energien zu machen.