Einsatz auf Gedenkstätte  Reservisten pflegen Gräber auf Gedenkstätte Esterwegen

Holger Weers
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Von Holger Weers
| 20.10.2025 16:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Grabreihen wurden neu gestaltet. Dafür wurden die eingesackten Grabplatten aus dem Boden geholt und neu verlegt. Foto: Holger Weers
Die Grabreihen wurden neu gestaltet. Dafür wurden die eingesackten Grabplatten aus dem Boden geholt und neu verlegt. Foto: Holger Weers
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Seit 2011 ist die Begräbnisstätte Esterwegen zentraler Erinnerungsort an die Emslandlager. Reservisten kümmerten sich um die Grabpflege. Das ist für die Ehrenamtlichen eine Herzensangelegenheit.

Ostrhauderfehn/Esterwegen - Die Begräbnisstätte Esterwegen ist ein bedeutender Ort der Erinnerung an die Emslandlager und an die Opfer des Nationalsozialismus. 1933 wurden Lagerfriedhöfe für die Toten der Konzentrationslager Börgermoor, Esterwegen und Neusustrum angelegt und später auch für die in Esterwegen und Börgermoor gestorbenen „Nacht- und Nebel-Gefangenen“. Die Gedenkstätte wurde 2011 eröffnet und ist der einzige öffentlich zugängliche, authentische Ort der Erinnerung an die Emslandlager.

Mit acht Kameraden fingen die Bundeswehr-Reservisten der Marsch- und Arbeitsgruppe Nordrhein-Westfalen / Hessen / Belgien auf der Begräbnisstätte in Esterwegen an zu arbeiten. Später kamen noch zwei Kameraden hinzu. Foto: Holger Weers
Mit acht Kameraden fingen die Bundeswehr-Reservisten der Marsch- und Arbeitsgruppe Nordrhein-Westfalen / Hessen / Belgien auf der Begräbnisstätte in Esterwegen an zu arbeiten. Später kamen noch zwei Kameraden hinzu. Foto: Holger Weers

Die Begräbnisstätte Esterwegen ist ein Ort des Gedenkens und der Mahnung, der seit der Eröffnung der Gedenkstätte am 31. Oktober 2011 eine zentrale Rolle in der Erinnerung an die Emslandlager spielt.

Grabsteinreihen neu verlegt

Doch der Zahn der Zeit nagt auch an diesem Ort. Zehn Bundeswehr-Reservisten der Marsch- und Arbeitsgruppe Nordrhein-Westfalen/Hessen/Belgien waren im Auftrag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge deshalb kürzlich vor Ort, um dort Instandsetzungsarbeiten zu erledigen.

„Wir haben die Grabsteinbreihen neu verlegt. Sie waren total von Gestrüpp und Grassoden zugewachsen. Die Grabplatten links und rechts waren eingesackt. Die haben wir alle rausgeholt, ebenerdig neu eingesetzt und den Gang in der Mitte mit Rindenmulch aufgefüllt, damit das Unkraut dort nicht mehr durchkommt“, gab Peter Weyers, Leiter der Reservisten-Gruppe, einen Einblick in die Arbeiten.

Peter Weyers leitete die Arbeitsgruppe der Reservisten-, Marsch- und Arbeitsgruppe. Foto: Holger Weers
Peter Weyers leitete die Arbeitsgruppe der Reservisten-, Marsch- und Arbeitsgruppe. Foto: Holger Weers

„Das ist jetzt das vierte Mal, das wir hier im Einsatz sind. Das erste Mal war 2020 unmittelbar vor Beginn der Corona-Pandemie. Wir haben eine Arbeitsgruppe von 15 Leuten, wo wir jedes Jahr im Kriegsgräbereinsatz für den Volksbund sind. Diese besteht seit rund 20 Jahren“, so Weyers.

Mit Feldbett und Schlafsack unterwegs

Während der Corona-Zeit fiel dieser Kriegsgräbereinsatz aus. „Ich habe die Gedenkstätte und die Begräbnisstätte schon einmal besucht und gesehen, dass hier einiges an Arbeit zu tun wäre. Dann habe ich meine Reservisten, in Absprache mit der Gedenkstätte, zu diesem Arbeitseinsatz motivieren können. Damit haben wir dann im Jahr 2020 angefangen. Anfangs mit 15 Mann im Einsatz, untergebracht waren wir alle in der Gedenkstätte. Das sind ja die alten Bundewehrdepothallen. Da konnten wir mit Feldbett und Schlafsack Unterkunft finden. Dort gibt es Duschen, Toiletten und auch eine Küche. Wir waren praktisch Selbstversorger“, erklärt Peter Weyers.

Die Grabreihen wurden neu gestaltet. Dafür wurden die eingesackten Grabplatten aus dem Boden geholt und neu verlegt. Foto: Holger Weers
Die Grabreihen wurden neu gestaltet. Dafür wurden die eingesackten Grabplatten aus dem Boden geholt und neu verlegt. Foto: Holger Weers

„Ein Kamerad unserer Arbeitsgruppe kommt aus Belgien, insgesamt habe ich drei Kameraden dabei, die in Belgien wohnen. Ich selbst bin ursprünglich aus Köln. Nach meiner Pensionierung bin ich nach Ostrhauderfehn gezogen. Die Arbeitsgruppe heißt Arbeitsgruppe Nordrhein-Westfalen, weil die meisten der Kameraden aus Nordrhein-Westfalen kommt“, betont Weyers.

2025 auch schon in Belgien

Für die Reservistengruppe war es das zweite Projekt in diesem Jahr. „Im Juni waren wir im Auftrag des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge auf dem Soldatenfriedhof in Menen in Süd-Belgien an der französischen Grenze. Dort haben wir zwei Wochen lang gearbeitet, aber auch den Friedhof in Langemarck im belgischen Flandern besucht. Eine Woche vorher war dort schon die Schule am Osterfehn aus Ostrhauderfehn gewesen. Die Jugendlichen hatten dort einen Kranz niedergelegt“, berichtet Weyers.

Die Mitte der Gräberreihen wurde mit Rindenmulch aufgefüllt, damit kein Unkraut mehr durchkommt. Foto: Holger Weers
Die Mitte der Gräberreihen wurde mit Rindenmulch aufgefüllt, damit kein Unkraut mehr durchkommt. Foto: Holger Weers

Die Schülerinen und Schüler der Schule am Osterfehn sind bekannt dafür, dass sie jedes Jahr für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge reichlich Spenden sammeln.

Kranzniederlegung am Volkstrauertag

„Auch wir sammeln für die Kriegsgräberfürsorge. Einmal im Jahr sind wir mit einigen Kameraden im Combi-Markt in Westrhauderfehn, am Tag vor dem Volkstrauertag, und bitten dort um Spenden. Am Volkstrauertag selbst legen wir mit einer Abordnung sowie einer Abordnung der Feuerwehr von Rhaudermoor einen Kranz nieder auf dem Friedhof. Für unseren Einsatz für den Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge haben wir in Oldenburg schon einmal eine Dankesurkunde bekommen“, berichtet Weyers.

Wie wird die Arbeit der Bundeswehr-Reserivsten in der Öffentlichkeit wahrgenommen: „Kontakt mit der Bevölkerung hatten wir in Esterwegen eher weniger. Es waren mal zwei oder drei Paare vor Ort, die hier mal gucken kamen. Nur die Esterweger Reservisten haben uns mit Kaffee, Tee und Kuchen versorgt. Von einer Mitarbeiterin der Gedenkstätte haben wir für unseren Einsatz Präsente bekommen.“

Gedenken an Opfer von Krieg und Gewalt

Dabei sei Kriegsgräberfürsorge so wichtig: „Letzendlich sind die Menschen, die hier bestattet sind, Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Das ist eine Anerkennung für die Menschen, die hier im Dritten Reich umgekommen sind. Deshalb wollen wir das Gedächtnis aufrecht erhalten.“

Vor einigen Jahren sei der Weg neu angelegt und ein Zaun rund um den Friedhof errichtet worden. „Aber für die Gräber selbst war kein Geld da. Das ärgert mich persönlich. Deshalb machen wir unsere ehrenamtliche Arbeit“, betont Weyers. Der Einsatz auf der Begräbnisstätte in Esterwegen dauerte eine Woche.

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