Scharm El-Scheich  „Ein paar von euch mag ich wirklich gar nicht“: Trump sorgt in Ägypten für kuriose Szenen

Jean Mikhail
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Von Jean Mikhail
| 15.10.2025 13:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Unter anderem die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (links) und der britische Premier Keir Starmer (2. v. r.) wurden beim Friedensgipfel zur Zielscheibe von Trump. Foto: IMAGO/Eliot Blondet/Pool/Bestimage
Unter anderem die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (links) und der britische Premier Keir Starmer (2. v. r.) wurden beim Friedensgipfel zur Zielscheibe von Trump. Foto: IMAGO/Eliot Blondet/Pool/Bestimage
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Während des Nahost-Friedensgipfels in Ägypten nutzte US-Präsident Donald Trump mehrere Auftritte, um vor den versammelten Staatschefs seine Macht zu demonstrieren. Ein Überblick der denkwürdigsten Momente.

Eigentlich ging es am Montag im ägyptischen Scharm El-Scheich um die Waffenruhe und einen möglichen dauerhaften Frieden zwischen Israel und der Hamas. Doch US-Präsident Donald Trump, der zuvor am Nachmittag im israelischen Parlament gefeiert worden war, sorgte mit einer Reihe anderer Szenen für Aufsehen.

Italiens Präsidentin Meloni nannte er eine „wunderschöne junge Frau“ und betonte dabei, dass man das ja eigentlich nicht sagen dürfe, er es aber trotzdem tun wolle.

Den türkischen Präsidenten Erdogan drängte er, auf ihrem gemeinsamen Foto den Daumen zu heben. Später dankte er ihm aber vor versammelter Weltöffentlichkeit dafür, dass er „immer da ist, wenn ich ihn brauche“, und bat ihn, seine „wunderschöne Ehefrau“ von ihm zu grüßen.

Schlecht zu sprechen war Trump unterdessen auf Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron. Beim Posieren für ein Einzelfoto ließ er Macron mit einem sehr festen Händedruck kaum gehen.

Das Ringen um den Händedruck hat bei beiden Staatspräsidenten durchaus Tradition und kam schon bei früheren Treffen vor. Doch diesmal sagte Trump Macron dabei mehrere Dinge, während die Körpersprache der beiden konfrontativer und unterkühlter wirkte als sonst.

Laut Lippenlesern aus Großbritannien und den USA wollte Trump von Macron wissen, „warum du mich verletzt hast“. Er betonte, dass er „Frieden schaffe“ und „nur die verletze, die mich verletzen“. Macron antwortete demnach: „Ich verstehe. Das werden wir ja sehen“, woraufhin Trump entgegnete „Du wirst sehen, was bald passieren wird“.

Worum genau es ging, ist unklar. Allerdings war vor rund zwei Wochen in einem Video zu sehen, wie sich Albaniens Ministerpräsident Edi Rama mit Macron darüber amüsierte, dass Trump Albanien und Armenien nicht auseinanderhalten könne.

Auf den Krieg in Nahost bezogen, hatte Macron wiederum in einem TV-Interview die Rolle der USA kritisiert. „Wir liefern keine Ausrüstung, die einen Krieg erst möglich macht. Das tun die Vereinigten Staaten von Amerika“, sagte er dem Sender BFMTV.

Später verteilte Trump während seiner Ansprache noch einen Seitenhieb gegen Macron, weil dieser nicht, wie etwa Italiens Präsidentin Meloni oder Kanzler Friedrich Merz, hinter Trump auf der Bühne stand. „Ich kann es nicht glauben, dass du dich heute im Hintergrund hältst“, sagte er mit einem leicht ironischen Unterton.

Dabei spielte er einerseits auf Macrons Neigung zur Selbstinszenierung an, hielt diesem aber womöglich auch vor, dass die US-Bemühungen um eine Waffenruhe in Nahost letztlich erfolgreicher waren als jene Frankreichs.

Außerdem sagte Trump in seiner Rede, dass er einige der anwesenden Staatschefs „nicht besonders“ möge. „Ein paar mag ich wirklich gar nicht, aber ihr werdet nie herausfinden, wer es ist. Oder vielleicht werdet ihr es doch“, sagte er.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán scheint zumindest nicht auf Trumps Negativliste zu stehen. „Wir lieben Viktor“, sagt er auf der Bühne und ergänzte: „Nicht alle stimmen mir da zu, aber ich bin der Einzige, bei dem es wichtig ist.“

Ebenfalls von Trump gemocht wird offensichtlich Fifa-Präsident Gianni Infantino. Dessen Anwesenheit beim Friedensgipfel sorgte für Verwunderung, zumal er sogar mit Trump und Merz auf der Bühne stand. Die ägyptische Zeitung „Al-Masri al-Jum“ bezeichnete den Schweizer als „seltsamsten“ Gast des Gipfels. Doch Infantino hat nicht nur zu Trump, sondern auch zu den Golfstaaten Katar (WM-Ausrichter 2022) und Saudi-Arabien (WM-Ausrichter 2034) sehr gute Beziehungen.

Kommendes Jahr findet ein Großteil der Fußball-WM in den USA statt. Zuletzt war eine Debatte über einen möglichen Ausschluss Israels aufgekommen. Die US-Regierung hatte sich eindeutig dagegen ausgesprochen.

Auch Teile eines Gesprächs mit Indonesiens Präsident Subianto wurden von Mikrofonen eingefangen. Darin sprach Trump offenbar über mögliche Immobilienprojekte seiner Söhne in Indonesien: „Ich werde Eric anrufen lassen, er ist so ein guter Junge.“ Subianto ergänzte, er wolle „nach einem besseren Ort“ schauen. Eric Trump kümmert sich für die „Trump Organization“ unter anderem um Golfplätze und Immobilienprojekte.

Laut mehreren Recherchen haben Trump, seine Familie und auch die Familie seines Sonderverhandlers Steve Witkoff durch Trumps Präsidentschaft und seine Unternehmen Millionen bis Milliarden Dollar an direkten und indirekten Einnahmen erzielt, etwa durch Immobiliendeals in Katar, Saudi-Arabien oder durch Kryptobeteiligungen. „Niemand hat je mehr dafür getan, um von der US-Präsidentschaft finanziell zu profitieren, als die Trumps“, schrieb etwa die „New York Times“.

Schließlich überraschte Trump in Scharm El-Scheich auch Pakistans Ministerpräsidenten Shehbaz Sharif, als er ihn spontan bat, auf großer Bühne noch einmal das zu sagen, was er ihm „vor ein paar Tagen so Nettes“ gesagt habe: dass Trump ein „Mann des Friedens“ sei und den Friedensnobelpreis verdiene. Da Sharif nach wenigen Sekunden ein Zettel gereicht wurde, war diese Szene womöglich auch abgesprochen.

Nicht abgesprochen war wiederum der Austausch mit Großbritanniens Premierminister Keir Starmer. Auch diesen rief Trump kurz darauf ans Podium, gab ihm die Hand, fragte, wie es laufe. Und als Starmer gerade rätselte, ob er nun auch etwas sagen solle, drehte Trump ihm einfach wieder den Rücken zu und setzte seine Rede fort.

Dieser Artikel erschien zuerst im „Tagesspiegel“.

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