Elektronische Patientenakte  Holpriger Start der ePA in Ostfriesland

| | 15.10.2025 16:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Aussehen der App für die elektronische Patientenakte hängt von der jeweiligen Krankenkasse ab. Foto: Wolfgang Kumm/dpa/dpa-tmn
Das Aussehen der App für die elektronische Patientenakte hängt von der jeweiligen Krankenkasse ab. Foto: Wolfgang Kumm/dpa/dpa-tmn
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Ärzte kritisieren, dass die Technik „an einigen Stellen noch erheblich hakt“. Auch die Patienten sind nicht gut über die ePA informiert gewesen, beklagt Hausärztin Mareike Grebe aus Hesel.

Leer - Es war ein holpriger Start in Ostfriesland: Seit dem 1. Oktober 2025 ist die elektronische Patientenakte (ePA) in den Praxen Pflicht. „Zwischendurch lief die ePA gar nicht – und wenn, dann nur langsam“, erzählt Mareike Grebe, Vorsitzende der Bezirksstelle Aurich der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Erst mit der Zeit sei das wieder besser geworden, sagt die Hausärztin aus Hesel. Sie hat die ePA auch schon vor dem eigentlichen Stichtag in ihrer Praxis genutzt. Laut einer KVN-Befragung waren 90 Prozent aller 16.800 KVN-Mitglieder zum offiziellen Starttag „ePA-ready“, heißt es in einer Mitteilung. Die Befragung habe aber auch gezeigt, „dass es an einigen Stellen noch erheblich hakt“.

Immer wieder Störungen

Der Grund: „Noch immer haben nicht alle Hersteller von Praxissoftware den Praxen ein ePA-Modul bereitgestellt. Diese Praxen können die ePA schlichtweg nicht nutzen.“ Die Umfrageergebnisse der KVN von rund eintausend Praxen zeigen: „Nutzen und Aufwand stehen für viele Praxen aktuell noch in keinem guten Verhältnis (56 Prozent).

Hausärztin Mareike Grebe nutzt die ePA in ihrer Praxis schon länger. Foto: OZ-Archiv
Hausärztin Mareike Grebe nutzt die ePA in ihrer Praxis schon länger. Foto: OZ-Archiv

Knapp 50 Prozent der Befragten gaben an, dass das Öffnen der ePA zu lange dauert und immer wieder Störungen der Telematikinfrastruktur auftreten, von denen auch die ePa betroffen ist (56 Prozent).“ Genaue Zahlen für Ostfriesland gibt es aber nicht. „Wir haben keine regionalen Daten erhoben“, erklärt KVN-Pressesprecher Detlef Haffke.

Kritik an den Krankenkassen

Die KVN beklagt, dass die Patienten nicht gut über die ePA informiert sind. „Ein weiteres Ärgernis ist, dass die Krankenkassen ihre Versicherten nicht ausreichend über die ePA informiert haben und deshalb ein hoher Aufklärungsaufwand in den Praxen anfällt“, so die Kritik. Das erlebt auch Hausärztin Mareike Grebe immer wieder: „Die Patienten sind nach wie vor nicht gut informiert“, bedauert sie. Man habe in der Praxis viele Gespräch mit ihnen führen müssen. „Die meisten Patienten sind, wenn man es ihnen gut erklärt, mit der Verwendung der ePA einverstanden“, so Grebe. Aber der Zeitaufwand für diese Aufklärungsgespräche sei groß.

Leider könne die ePA noch immer nicht besonders viel: „Befunde, Laborwerte, Arztbriefe können hochgeladen werden. Auch die Medikationsliste, in der man sehen kann welche Rezepte ausgestellt wurden und ob der Patient sie eingelöst hat, funktioniert. Mehr aber nicht!!“, betont Grebe und setzt mit Absicht zwei Ausrufezeichen hinter ihren Satz. „Aktuell ist die ePA nur eine lose Blattsammlung ohne vernünftige Such- und Ablagefunktion.“

Die elektronischen Patientenakte (ePA)

Rund 70 Millionen der gut 74 Millionen gesetzlich Versicherten haben schon seit Januar eine ePA von ihrer Krankenkasse angelegt bekommen – was man für sich aber auch ablehnen kann.

Knapp 61.600 der 98.500 Arztpraxen in ganz Deutschland nahmen nach Angaben der mehrheitlich bundeseigenen Digitalagentur Gematik schon vor dem Stichtag 1. Oktober teil.

Die ePA ist für Patienten eine freiwillige Sache. Will man etwas nicht, muss man aber selbst aktiv werden. So können Patienten in der Sprechstunde bestimmen, wenn ein Befund nicht hinein soll.

Ärzte fordern technische Verbesserungen der ePA

Um die Akzeptanz der ePA zu steigern, fordert die Mehrheit der Ärzte und Psychotherapeuten vor allem technische Verbesserungen sowie eine stärkere Einbindung der Krankenhäuser. Bisher können nur wenige Krankenhäuser die ePA überhaupt nutzen, weil die technischen Voraussetzungen fehlen. Bundesweit sind etwa 80 Prozent der Kliniken betroffen und noch nicht ePA-tauglich. Für Grebe „steht und fällt“ das Projekt ePA damit, „dass endlich die Krankenhäuser angeschlossen werden“. Auch die KVN betont: „Wenn Krankenhausberichte, OP-Berichte, Laborwerte oder Entlassungsbriefe beim Übergang in die ambulante Weiterbehandlung vorliegen, kann (...) ein echter Mehrwert für die Patientinnen und Patienten entstehen.“

Hoher Zeitaufwand in den Praxen

Laut KVN sind bisher nur rund ein Viertel der Ärzte und Psychotherapeuten mit ihrem ePA-Modul zufrieden – mehr nicht. „Zu oft ist die Dokumentenverwaltung aufwendig, Patientendaten müssen manuell gepflegt werden und Sortier- sowie Suchfunktionen gelten als unzureichend. Die Pflege der ePa benötigt dann einen hohen Zeit- und Arbeitsaufwand in der Praxis (48 Prozent) und verzögert sogar teilweise die Behandlungen (61 Prozent)“, heißt es in einer Mitteilung. Und trotzdem: „Grundsätzlich befürworten die Ärztinnen und Ärzte die ePA. Sie erkennen das Zukunftspotential der ePA an. Sie biete die Chance für eine bessere Behandlungskoordination, weniger Doppeluntersuchungen und mehr Transparenz im Gesundheitswesen, so das Ergebnis der KVN-Umfrage. „Grundsätzlich finde ich die Einführung einer ePA super“, betont auch Grebe. „Sie kann eine große Hilfe werden, wenn alles ausgearbeitet ist und funktioniert.“

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