Kreativer Selbstversuch Action-Painting in Holterbarge – Atelier lädt zum Ausprobieren ein
Spontanes Malen und Perfektionismus passen nicht zusammen – das dachte auch Volontärin Madita Janßen, die Action Painting ausprobierte.
Holterbarge - Von Action-Painting hatte ich noch nie gehört. Aber es klang spannend. Deshalb habe ich einen Selbstversuch im Atelier Alte Molkerei Holterbarge gestartet. Zwischen all den bunten Gemälden und den vielen Eindrücken wusste man gar nicht, wo man zuerst hinschauen sollte.
Zuerst fiel mir eine gemütliche Sitzecke auf, danach ein Tisch voller kleiner Gemälde und kurz darauf dann eine verrückt aussehende Konstruktion. Diese Konstruktion ist eine Kunstmaschine, wie ich später erfuhr. „Sie besteht aus einem alten Tisch, einer ausgemusterten Massageliege und einer Flex“, erklärte Helmut ter Hazeborg, Besitzer des Ateliers. Das zeigt: Der Fantasie und Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Diesen Spruch hörte ich während meiner Zeit im Atelier oft. Nach meinem Selbstversuch kann ich aber bestätigen – es stimmt.
Wie in der Corona-Zeit das Atelier entstand
Helmut ter Hazeborg aus Westoverledingen ist vielen als Standesbeamter bekannt – doch seit einigen Jahren ist er auch als „Ingo Bingo“ auf regionalen Bühnen unterwegs. Mit seiner Veranstaltungsreihe „Bingo trifft Bühne“ verbindet er das klassische Bingo-Spiel mit Auftritten lokaler Künstlerinnen und Künstler. Die Gewinne stammen von Sponsoren, die Spendeneinnahmen fließen in soziale und kulturelle Projekte. So konnten bereits fast 10.000 Euro gesammelt werden.
Während der Pandemie entdeckte ter Hazeborg zudem seine Leidenschaft für die Kunst: In einer selbst entwickelten „Kunstmaschine“ entstehen großformatige Spin-Art-Bilder. Diese Arbeiten sowie Werke aus übernommenen Sammlungen sollen künftig im neuen Atelier Holterbarge gezeigt werden. „Die gesamte Idee ist aus dem Bauch heraus entstanden“, erzählt der 52-Jährige.
So ging es los
Nach einer kurzen Führung durch das Atelier fing dann auch für mich das Experiment an. Ich hatte mich für eine große Leinwand entschieden. „Mehr Platz, mehr Gestaltungsspielraum – bestimmt ein schöneres Endergebnis“, waren meine Gedanken dabei. Dann brachte ter Hazeborg mich zu einem Regal, das von oben bis unten mit Farbe gefüllt war. Auch da konnte ich mich schnell entscheiden, auch wenn ich es sonst nicht so gut kann. Ich wählte Gelb – meine Lieblingsfarbe –, ein metallisches Grün für die Akzente und Weiß. Dann bekam ich ein paar Becher, die mit Farbe, einem weißen Acrylkleber und Wasser gefüllt waren. Mit einem Holzstab rührte ich meine Farben selbst zu einer gut flüssigen Konsistenz zusammen.
Dann ging es für mich an die Kunstmaschine. Gemeinsam mit dem Atelierbesitzer befestigte ich meine Leinwand auf dem Drehteller der Maschine. Das Ganze funktioniert mit Klettstreifen. Nach einem kurzen Grundieren der Leinwand ging es dann los mit dem richtigen Action-Painting.
Was genau ist denn jetzt Action-Painting?
Beim Action-Painting wird die flüssige Farbe mit verschiedenen Materialien und Methoden auf die Leinwand gebracht. Dabei kann man die Farbe schütten, schleudern, oder einfach „nur“ auf die Leinwand laufen lassen. Ein Gefühl dafür, wie das fertige Bild aussehen soll, entsteht erst während des Malens. Der Sinn darin besteht, dass man sich frei entfalten kann, ohne den Druck, das Kunstwerk perfekt zu machen. Für mich ist das besonders schwer, ich bin nämlich ein sehr perfektionistisch veranlagter Mensch. Im Selbstversuch probierte ich „Drill-Spin-Art“ aus. Das heißt so, weil sich die Leinwand auf der Kunstmaschine während des Malprozesses dreht. Dabei ist es egal, ob langsam oder schnell.
Für mich ging es los mit der Grundierung der Leinwand. Die Entscheidung fiel dabei auf die Farbe Gelb. Dann sollte ich einmal an der Kurbel der Kunstmaschine drehen, um ein Gefühl für die Konstruktion zu bekommen. Die Kurbel lässt sich anfangs schwerer drehen als ich gedacht hatte, aber den Dreh hatte ich wortwörtlich schnell heraus.
Malen und Action kombinieren
Nachdem die Farbe der Grundierung alle weißen Flächen überdeckt hatte, kam nun der Punkt, an dem ich überlegen musste, womit ich weitermache. Entschieden habe ich mich für die weiße Farbe. Alles super, aber wie mache ich denn nun weiter? Helmut ter Hazeborg gab mir ein paar Vorschläge und ermutigte mich, einfach mal loszulegen. Eine der Möglichkeiten war, mit dem Holzstab, mit dem wir die Farbe angerührt hatten, etwas weiße Farbe auf die Leinwand zu tropfen, während der Künstler die Kunstmaschine zum Drehen brachte. Genau das probierte ich dann auch aus. Es war nicht ganz einfach, sich vom Gedanken an Perfektion loszulösen.
Nachdem sich die weißen Farbspritzer etwas verteilt hatten, kam ich auf eine neue Idee. Nun sollte mit der metallisch grünen Farbe ein Kreis über die Leinwand gezogen werden. Ter Hazeborg erklärte mir, dass es viele Möglichkeiten gibt dies zu tun: Mit Pinsel, Holzstab, Sprühflasche... Meine Wahl fiel auf den Pinsel, ich tunkte ihn mit der Rückseite in die grüne Farbe und drückte ihn an einer Stelle auf der Leinwand auf. Während ter Hazeborg die Drehscheibe wieder ankurbelte, zog der Pinsel ganz von selbst die verschiedensten Kreise auf der Leinwand. Alles zusammen ergab ein beeindruckendes Bild.
Es ist wichtig zu einem Ende zu finden
Während ich nach und nach meine ausgewählten Farben auf die Leinwand brachte, erklärte mir ter Hazeborg, dass es wichtig sei, irgendwann auch zu einem Ende zu finden und dass das gar nicht so leicht sei. Das habe ich selbst auch festgestellt… irgendwie war ich noch nicht so recht zufrieden. Wir beide kamen zu dem Schluss, dass noch eine vierte Farbe fehlte. Ich entschied mich für Orange, das würde sicherlich schön knallig wirken. So brachten wir die Kunstmaschine noch einmal zum Drehen und ich gab einen großen orangenen Farbklecks in die Mitte. Das Bild wirkte gleich wieder ganz anders – aber zu orange. Also gab ich noch einmal etwas Weiß dazu. Noch einmal drehte ich kräftig an der Kurbel und dann war es endlich so weit: Ich war zu meinem Ende gekommen. Nach etwa einer Stunde Herumexperimentieren und dem Beiseiteschieben meiner perfektionistischen Seite war ich wirklich positiv überrascht vom Endergebnis. Das einzigartige Kunstwerk bekommt nun einen Platz in meiner Wohnung und ich freue mich schon auf alle Besucher, die fragen, wo ich denn so ein besonderes Bild herhabe.
Alle Kunstinteressierten lädt Helmut ter Hazeborg für den 26. Oktober 2025 ab 14 Uhr zum Tag der offenen Tür in die Holter Landstraße 143 ein. Geplant sind Einblicke ins Atelier, eine Ausstellung mit Bildern der Künstlerin Karin Kirchhoff (deren Verkaufserlös an Straßenanker e. V. gespendet wird), Infos zu künftigen Workshops sowie Kaffee und Kuchen. Auch die Einnahmen aus den eigenen Arbeiten des Westoverledingers sollen weiterhin gemeinnützigen Zwecken dienen.