Schlechtere Konjunkturaussichten  Ostfrieslands Wirtschaft nimmt den Kanzler in die Pflicht

| | 10.10.2025 16:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine schwarz-rote Regierung stehen unter Druck, rasch Reformen auf den Weg zu bringen. In Ostfriesland mehren sich die Alarmzeichen. Foto: Michael Kappeler/dpa
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine schwarz-rote Regierung stehen unter Druck, rasch Reformen auf den Weg zu bringen. In Ostfriesland mehren sich die Alarmzeichen. Foto: Michael Kappeler/dpa
Artikel teilen:

Kanzler Merz hat sich schon viel Kritik anhören müssen für den „Herbst der Reformen“. Nun kommen noch unangenehme Botschaften aus Ostfriesland hinzu. Betroffen sind vor allem zwei zentrale Branchen.

Ostfriesland/Berlin - Die Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg hat die schwarz-rote Bundesregierung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu mehr Tempo bei der Umsetzung von Reformen ermahnt.

„Die größten Risiken sehen unsere Unternehmen in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und der Inlandsnachfrage. Die schwierige Lage in einigen Branchen zieht langsam weitere Branchen nach sich“, wird IHK-Präsident Theo Eilers in einer Mitteilung zitiert. Und: „Wichtig ist jetzt, einen Herbst der Reformen nicht nur anzukündigen, sondern auch für die Betriebe spürbare Maßnahmen zügig umzusetzen.“

Kanzler Merz hatte immer wieder einen Herbst der Reformen angekündigt. Öffentlich kritisiert wurde er, weil solche Reformen bislang nicht in der Wirtschaft oder bei den Verbrauchern zu spüren sind. In dieser Woche hatte die Koalition dann einige Sozialreformen angestoßen, unter anderem die Abschaffung des Bürgergeldes. Mittlerweile will Merz die Reformen nicht mehr ausschließlich auf den Herbst fokussiert wissen.

Was beunruhigt die ostfriesischen Unternehmer?

Die Kritik am Kanzler ist deshalb besonders erwähnenswert, weil Organisationen wie die IHK als eher CDU-freundlich gelten. Und auch der aktuelle ostfriesische IHK-Präsident ist bekanntlich Mitglied der CDU. Neben der großen politischen Auseinandersetzung geht es der IHK in erster Linie aber um die Lage der Betriebe in Ostfriesland. Und da zeigt der Trend eher nach unten.

Der Klimaindex, der die aktuelle Lage und die Zukunftsaussichten in einem Wert zwischen 0 und 200 wiedergibt, sank von zuletzt 94 auf nun 87 Punkte. Das ist das zentrale Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage, die die IHK Ostfriesland am Freitag vorgestellt hat. Über alle Branchen hinweg bewerten 17 Prozent der Befragten ihre aktuelle Lage als „gut“, 54 Prozent als „befriedigend“ und 29 Prozent als „schlecht“, so die IHK Ostfriesland. Der Saldo sank von plus 2 auf minus 12. Im Vorquartal fiel die Bewertung insgesamt noch positiv aus. Vor allem im Groß- und Einzelhandel und in der Industrie ist die individuelle Einschätzung laut IHK jetzt schlechter. Auch die Zukunftsaussichten haben sich in diesen Wirtschaftszweigen leicht eingetrübt.

Woher kommt die schlechtere Stimmung?

Die Ursachen für die eher schlechte wirtschaftliche Lage sehen die ostfriesischen Unternehmen – wie der IHK-Präsident – tatsächlich auch in der Politik. Denn: Das größte Risiko für die Geschäftsentwicklung bleiben weiterhin die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, so ein Fazit der Konjunkturumfrage. Dies gaben mit 78 Prozent wieder mehr Betriebe als im Vorquartal an (67 Prozent). An zweiter Stelle folgt nun die Inlandsnachfrage mit 66 Prozent (53 Prozent im Vorquartal) vor den Arbeitskosten, die mit 59 Prozent nun einen Platz nach hinten gerutscht sind (zuvor 60 Prozent). Die Energie- und Rohstoffpreise liegen mit 53 Prozent (zuvor 56 Prozent) fast gleichauf mit dem Fachkräftemangel mit 52 Prozent (zuvor 59 Prozent).

Die IHK Ostfriesland ist mit ihren Sorgen nicht allein. In ganz Niedersachsen hat sich die Geschäftslage im dritten Quartal spürbar verschlechtert. Viele der rund 2.200 von der IHK Niedersachsen befragten Betriebe meldeten weniger Aufträge, steigende Kosten und eingetrübte Erwartungen. Von Aufbruchstimmung sei keine Rede, teilte der Kammerverband mit. Besonders die Industrie kämpfe mit Gegenwind. Die Auftragseingänge seien – mit Ausnahme der Lebensmittelhersteller – zurückgegangen, bei fast jedem zweiten Betrieb seien die Auftragsbestände zu gering. Das Ernährungsgewerbe bleibe als zweitgrößte Industriebranche dagegen vergleichsweise stabil. Maschinenbauer und Autozulieferer müssten sich mit Zöllen im US-Geschäft und steigenden Arbeitskosten arrangieren.

Mit Material von dpa

Ähnliche Artikel