Osnabrück  Anne Mülhöfer soll im Bistum Osnabrück den Kampf gegen Missbrauch koordinieren

Raphael Steffen
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Von Raphael Steffen
| 10.10.2025 09:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Anne Mülhöfer sagt, sie freue sich auf die „Herausforderung in Osnabrück“. Foto: Thomas Osterfeld
Anne Mülhöfer sagt, sie freue sich auf die „Herausforderung in Osnabrück“. Foto: Thomas Osterfeld
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Wie geht es unter Bischof Dominicus Meier weiter mit dem Kampf gegen sexualisierte Gewalt im Bistum Osnabrück? Ein Jahr nach Amtsantritt und Veröffentlichung der Missbrauchsstudie zieht er eine erste Bilanz – und begrüßt die neue unabhängige Beauftragte.

Mit Anne Mülhöfer hat das Bistum Osnabrück eine neue, unabhängige Expertin gewonnen, um sexualisierte Gewalt und geistlichen Missbrauch in der Kirche zu bekämpfen. Die Stelle war seit dem Weggang von Sarah Röser vakant. Bei Mülhöfers Vorstellung bekräftigte Bischof Dominicus Meier zudem, dass der 2019 begonnene „Diözesane Schutzprozess“ weitergeführt werden soll.

Die 47-jährige Mülhöfer ist Juristin und war zuvor in ähnlicher Position im Bistum Rottenburg-Stuttgart tätig. Seit dem 1. Oktober ist sie nun in Osnabrück. „Mich motiviert, dass ich an dieser Stelle dazu beitragen kann, den Umgang der Kirche mit Fällen sexualisierter Gewalt nachhaltig zu verbessern“, sagte sie bei einer Pressekonferenz.

Die Schaffung der Stellen einer Unabhängigen Beauftragten und eines Ombudsmanns – diesen Job macht seit 2023 Simon Kampe – war eine Konsequenz aus der Aufarbeitungsstudie der Universität Osnabrück. Darin waren dem Bistum zahlreiche Mängel im Umgang mit Betroffenen und Beschuldigten attestiert worden. Der damalige Bischof Franz-Josef Bode stellte den Bereich daher völlig neu auf.

Bode trat vor zwei Jahren zurück, Dominicus Meier wurde sein Nachfolger – und damit stand die Frage im Raum: Würde der neue Bischof den eingeschlagenen Weg weitergehen oder alles anders machen wollen? Wollte er nicht. Das wurde schnell deutlich. Nach einem Jahr im Amt konstatierte Dominicus nun: „Ich wurde sehr darin bestärkt, den eingeschlagenen Weg im Diözesanen Schutzprozess unbedingt zu fördern und die weitere Entwicklung aktiv mitzugestalten.“

Sein Ziel sei, das Erreichte zu verstetigen und weiterzuentwickeln. Er sei dankbar für das „enorme Engagement“ von Fachleuten und Betroffenen. Letzteren sicherte Dominicus Meier zu, auch künftig eng mit ihnen zusammenzuarbeiten: „Denn ich selbst habe mich als Bischof nun eingereiht in den gemeinsamen Lernprozess und will das meine dafür tun, dass der Schutzprozess in unserem Bistum auch künftig seine Wirkung entfaltet.“

So will sich Dominicus an die Empfehlungen der Experten zum Umgang mit Beschuldigten und Tätern binden. Das befreie ihn aus der Gefahr, seine Rollen als Vorgesetzter, Geistlicher und Verantwortungsträger zu verwischen.

Die ehemalige Justizministerin Barbara Havliza aus der Monitoring-Gruppe des Schutzprozesses bestätigte, dass es einen ständigen und konstruktiven Austausch mit dem neuen Bischof gebe. Das Bistum Osnabrück sei „ziemlich weit vorne“ bei Aufarbeitung und Prävention von sexualisierter Gewalt.

Der Betroffenenrat Nord, der die Interessen von Missbrauchsopfern in Osnabrück, Hildesheim und Hamburg vertritt, hat sich gerade neu konstituiert. Max Ciolek und Ilona Düing begrüßten sowohl Anne Mülhöfers Ankunft als auch die klaren Aussagen von Dominicus Meier. „Wir sind zur konstruktiven Zusammenarbeit bereit, aber werden auch mal unbequem sein“, kündigte Ciolek an. Insgesamt stellen viele Betroffene dem Bistum Osnabrück inzwischen ein gutes Zeugnis aus.

Nächster Schritt soll die Etablierung einer Erinnerungskultur sein, damit das Leid der Opfer nicht in Vergessenheit gerät. Für November ist eine erste Veranstaltung im Dom geplant.

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