Osnabrück Ausrasten, draufhauen, kaputtschlagen: Rage Room für Osnabrück geplant
Ein Rage Room ist ein Raum, in dem man Dinge kaputt schlagen kann. Wörtlich übersetzt heißt es Wut-Raum. Ein Team aus drei Personen will dieses Angebot nun nach Osnabrück bringen – ein Gebäude fehlt jedoch noch.
In einem Rage Room stehen ausrangierte Möbel, Büro-Material oder Dinge, die nicht mehr gebraucht werden. Mit Vorschlaghammer, Baseballschläger oder Axt können Besucher sie zerstören. In Finnland sind solche Räume beliebt. Der Trend kommt nun nach Deutschland.
Die drei Macher haben die Rage Rooms in den sozialen Medien entdeckt. In der Region fanden sie jedoch keinen. Irgendwann hatten sie die Idee, so einen Raum auch bei uns einzurichten.
Das Trio ist überzeugt, dass es in Osnabrück eine Nachfrage gibt. Auch hier gebe es Menschen, bei denen sich im Alltag etwas anstaut, dass man „von den Knochen hauen kann“, wie sie es formulieren.
Die Idee des Rage Rooms folgt einer alten Vorstellung von Aggression als innerer Energie, die wie in einem Dampfkessel abgelassen werden muss, erklärt Prof. Dr. Roman Osinsky von der Universität Osnabrück. Die Idee sei reizvoll, so Osinsky. Der Ärger könne, wenn die Idee funktioniert, im Rage Room an Gegenständen ausgelassen werden, aber: „Soweit, so schlecht – denn leider spricht einiges gegen diese Vorstellung.“
Aggressionen können verschiedene Ursachen haben, so Osinsky. Es sei jedoch keine Triebenergie oder ähnliches. Mehr noch: „Mittlerweile haben viele Experimente gezeigt, dass aggressives Verhalten per se nicht zu einer Reduktion der zugrundeliegenden Emotionen wie zum Beispiel Ärger führt, sondern im Gegenteil Aggression noch verstärken können.“ Stattdessen helfe es, positive Gefühle zu schaffen und sich abzulenken – etwa durch Sport.
Die Macher, die aus privaten Gründen noch anonym bleiben wollen, sagen, dass ein Rage Room keine Therapie ersetze. Der Spaß stehe im Vordergrund. „Einfach mal komplett alles zerstören, blöd sein, sich fallen lassen – das schafft ein temporäres Glücksgefühl und gibt einen Adrenalin-Schub.“ Zudem sei die Tätigkeit in einem Rage Room körperlich anstrengend.
Aus psychologischer Sicht hängt der Effekt vom Einzelnen ab, sagt Osinsky. „Wenn jemand Freude daran hat, Dinge zu zerschlagen, spricht wenig dagegen. Besser dort als im öffentlichen Raum.“ Man dürfe aber nicht erwarten, dass Frust damit dauerhaft verschwindet.
Damit das Projekt starten kann, braucht das Team eine geeignete Halle sowie Sponsoren. Bevorzugt soll der Rage Room in Osnabrück entstehen, wegen der Nähe zum Nachtleben. Auch ein Standort im Landkreis ist möglich. „Wir sind handwerklich begabt und können viel selbst machen“, sagt das Trio.
Im Rage Room sollen keine intakten Geräte zerstört werden. Diese wollen die Initiatoren an soziale Einrichtungen wie die Caritas weitergeben. Außerdem sollen Menschen in schwierigen Lebenslagen an Beratungsstellen vermittelt werden. „Wir planen mit Psychologen und Streetworkern zu kooperieren“, sagen sie.
Infos über den geplanten Rage Room gibt es auf Instagram unter www.instagram.com/smashfactory_os/.