Selbsttest in Ostfriesland  Wie teuer ist die Abnehmspritze für mich wirklich?

Nicole Böning
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Von Nicole Böning
| 06.10.2025 09:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Für die Redakteurin Nicole Böning sind die Kosten für die Abnehmspritze nicht leicht zu tragen – doch wie teuer wird es am Ende wirklich?
Für die Redakteurin Nicole Böning sind die Kosten für die Abnehmspritze nicht leicht zu tragen – doch wie teuer wird es am Ende wirklich?
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Wer Übergewicht hat und abnehmen möchte, muss die Kosten für die Abnehmspritze selbst tragen. Ein Selbsttest zeigt, wie hoch die Ausgaben tatsächlich sind und wo sich sogar sparen lässt.

Wiesmoor/Leer/Aurich - Einen Monat nehme ich bereits die Abnehmspritze „Wegovy“. 3,7 Kilogramm Körpergewicht habe ich in den ersten vier Wochen verloren: Statt 112 Kilogramm zeigte die Waage beim letzten wöchentlichen Wiegen nur noch 108,3 Kilogramm an. Dabei ist das zusätzliche Ernährungsprogramm gerade erst angelaufen – noch beschränkt es sich allerdings darauf, dass ich täglich notiere, was ich esse. Das Sportprogramm, mit dem ich die Kontrolle über meinen Körper zurückerobern möchte, hat noch gar nicht begonnen.

Der Preis für den 1-Milligramm-Wegovy-Fertigpen ist mit 171,96 Euro überall gleich und enthält vier Dosen samt Einmalspritzen. Foto: Nicole Böning
Der Preis für den 1-Milligramm-Wegovy-Fertigpen ist mit 171,96 Euro überall gleich und enthält vier Dosen samt Einmalspritzen. Foto: Nicole Böning

Der Gewichtsverlust ist also ein gutes Zeichen dafür, dass mein Körper mit der Abnehmspritze zurechtkommt. Wie sie sich auf mein Essverhalten auswirkt und was Wegovy und andere Abnehmspritzen im Körper bewirken, habe ich in meinem Blog zum Thema und in den begleitenden Artikeln bereits erklärt. Langsam füllt sich der Wissensfundus zur Abnehmspritze. Doch um ein wichtiges Thema habe ich bisher einen großen Bogen gemacht: Was kostet der Spaß überhaupt?

Wer darf die Abnehmspritze nutzen?

Die gute Nachricht: Es muss gar nicht viel sein – je nachdem, wie der Körper auf das Medikament reagiert. Es gibt sogar Wege, die Kosten zu reduzieren. Die sind zwar inoffiziell und laut Beipackzettel nicht erlaubt, aber auch ich nutze sie – dazu aber am Ende mehr. Doch bevor es überhaupt um die Kosten geht, müssen wir einige Fragen klären: Wie kommt man eigentlich an die Abnehmspritze? Wann werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen und wer muss sie selbst tragen?

Dr. Markus Rohe, Diabetologe aus Leer. Foto: Nicole Böning
Dr. Markus Rohe, Diabetologe aus Leer. Foto: Nicole Böning

Dr. Markus Rohe, Diabetologe aus Leer, erklärt: „Wegovy ist in Deutschland für Menschen mit Adipositas zugelassen, also bei einem Body-Mass-Index (BMI) ab 30 oder ab 27, wenn bereits Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes vorliegen.“ Die Spritze wird in der Regel von Fachärzten oder erfahrenen Hausärzten verschrieben – aber nicht jeder bekommt sie einfach so. „Wir prüfen immer, ob andere Maßnahmen wie Ernährungsumstellung und Bewegung ausgeschöpft wurden und ob es medizinische Gründe gegen die Spritze gibt“, sagt Dr. Friederike Nogat-Steckstor, Hausärztin aus Wiesmoor.

Wann zahlt die Krankenkasse die Abnehmspritze?

Grundsätzlich gilt: Für Menschen mit Typ-2-Diabetes übernehmen die Krankenkassen die Kosten für das Medikament Ozempic des Herstellers Novo Nordisk, das den gleichen Wirkstoff wie die Abnehmspritze Wegovy des gleichen Herstellers enthält. Auch die Kosten für das Medikament Mounjaro mit dem noch wirksameren Wirkstoff Tirzepatid des Pharma-Unternehmens Eli Lilly übernehmen Krankenkassen bei Typ-2-Diabetes. Dann fallen lediglich die Rezeptgebühren an.

Dr. Friederike Nogat-Steckstor, Hausärztin aus Wiesmoor. Foto: Nicole Böning
Dr. Friederike Nogat-Steckstor, Hausärztin aus Wiesmoor. Foto: Nicole Böning

Wer die Spritze allerdings „nur“ zur Behandlung von Adipositas braucht, benötigt in Deutschland zwar ebenfalls ein Rezept, muss die Abnehmspritze aber selbst zahlen. Denn als reine Abnehmspritze gelten dieselben Wirkstoffe als Lifestyle-Medikament. Solange Übergewicht also nicht zu ernsthaften Erkrankungen führt, werden Abnehmspritzen offiziell nicht als medizinisch notwendig eingestuft, sondern lediglich als Mittel zur Steigerung des Wohlbefindens oder des Selbstwertgefühls.

Die Abnehmspritze gilt als Lifestyle-Medikament

So heißt es in der offiziellen Begründung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Dieses Gremium im deutschen Gesundheitswesen entscheidet darüber, welche Medikamente und Behandlungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Selbst die Einstufung von Adipositas seit 2020 als Krankheit hat daran nichts geändert. Das Gleiche gilt übrigens auch für die meisten Medikamente gegen Haarausfall, Erektionsstörungen oder Nikotinabhängigkeit.

Das sind die gängigsten Abnehmspritzen auf dem Markt: Ozempic und Wegovy von Novo Nordisk und das noch wirksamere Mounjaro von Eli Lilly. Foto: Jens Kalaene/dpa
Das sind die gängigsten Abnehmspritzen auf dem Markt: Ozempic und Wegovy von Novo Nordisk und das noch wirksamere Mounjaro von Eli Lilly. Foto: Jens Kalaene/dpa

Also Butter bei die Fische: Was kostet die Abnehmspritze im schlimmsten Fall – also in der höchsten empfohlenen Dosierung? Die liegt bei Wegovy bei einer Erhaltungsdosis von 2,4 Milligramm des Wirkstoffs Semaglutid pro Woche. Ein Fertigpen mit vier Dosen pro Packung kostet 276,83 Euro für vier Wochen. Im Jahr kommen so also rund 3600 Euro zusammen. Für Menschen wie mich, die aus Gesundheitsgründen die Arbeitszeit reduziert haben oder nicht arbeiten können, ist das eine echte Hausnummer.

Wegovy, Ozempic, Mounjaro: Unterschiede und Preise

Noch teurer wird es für alle, bei denen Wegovy nicht wirkt, die den Wirkstoff nicht vertragen oder grundsätzlich lieber auf ein wirksameres Medikament setzen und Mounjaro verwenden. Dann kommen in der höchsten Dosierung von 15 Milligramm pro Woche bei einer Packung für vier Wochen momentan 489,23 Euro zusammen. Das sind rund 6360 Euro pro Jahr. Für viele ist das viel Geld. Dr. Friederike Nogat-Steckstor betont, dass es für Betroffene, bei denen Wegovy nicht hilft oder nicht vertragen wird, kaum Alternativen gibt – außer, sie zahlen die Spritze aus eigener Tasche.

Bei einem Wegovy-Fertigpen sind pro Packung vier Wechselspritzen dabei. Man kann sie für eine abweichende Dosierung hinzukaufen. Foto: Nicole Böning
Bei einem Wegovy-Fertigpen sind pro Packung vier Wechselspritzen dabei. Man kann sie für eine abweichende Dosierung hinzukaufen. Foto: Nicole Böning

Nogat-Steckstor kennt das Dilemma aus ihrer Praxis nur zu gut. „Bei einer Patientin hat Wegovy überhaupt nicht gewirkt. Sie hat kein Gramm verloren, obwohl sie alles richtig gemacht hat“, sagt sie. In solchen Fällen bleibt nur der Wechsel auf Mounjaro. Doch das ist für viele schlicht unbezahlbar. „Ich verschreibe Mounjaro wirklich nur in absoluten Ausnahmefällen, weil es so wahnsinnig teuer ist.“ Eine traurige Wahrheit gilt für alle Abnehmspritzen: „Für Menschen ohne Diabetes gibt es aktuell keine Lösung, wenn sie sich das Medikament nicht leisten können.“

Tipps zum Sparen bei der Abnehmspritze

Es bleibt die Hoffnung, dass Mounjaro, wie bereits Wegovy, für die Patienten bald günstiger wird. Doch Dr. Markus Rohe, Diabetologe aus Leer, dämpft die Hoffnung darauf, dass Abnehmspritzen in absehbarer Zeit für alle erschwinglich werden. Auch nicht, wenn das Patent für die Wirkstoffe abgelaufen ist und andere Hersteller nach aufwendigen Studien gleichwertige Medikamente, sogenannte Biosimilars, auf den Markt bringen dürfen. „Weil die Herstellung so aufwendig ist, werden die Spritzen trotzdem nie richtig günstig werden“, sagt Rohe. „Man muss sich darauf einstellen, dass die Abnehmspritze immer etwas teurer bleibt.“

Inoffiziell gibt es für die Wegovy-Fertigpens im Internet Klicktabellen. Dadurch kann man seine Dosis abweichend von den Vorgaben auf dem Beipackzettel annähernd genau einstellen – einfach die Klicks beim Dosieren zählen. Foto: Nicole Böning
Inoffiziell gibt es für die Wegovy-Fertigpens im Internet Klicktabellen. Dadurch kann man seine Dosis abweichend von den Vorgaben auf dem Beipackzettel annähernd genau einstellen – einfach die Klicks beim Dosieren zählen. Foto: Nicole Böning

Doch wie teuer wird es am Ende wirklich für mich? Ich nutze den Fertigpen mit einem Milligramm Wirkstoff pro Dosis für vier Wochen. Ein Milligramm des Wirkstoffs kostet bei einem festgelegten Preis von 171,96 Euro also 42,99 Euro. Wenn ich mit 0,5 Milligramm eine Weile hinkomme, sind es also pro Woche 21,50 Euro. Eine Klicktabelle hilft mir dabei, den Wirkstoff abweichend vom offiziellen Beipackzettel annähernd richtig zu dosieren (siehe Blogbeitrag vom 8. September 2025 um 12:32 Uhr). Offiziell ist das nicht zugelassen. Aber was tut man nicht alles, wenn das Geld knapp ist?

Wie viel des Wirkstoffs ist zum Abnehmen notwendig?

Klar nimmt man bei einer höheren Dosis auch schneller ab. Inoffiziell heißt es aber, dass die meisten Wegovy-Nutzer mit 0,8 Milligramm des Wirkstoffs pro Woche gut zurechtkommen – und auch bei längerer Anwendung mit dieser Menge gut abnehmen. Der 1-Milligramm-Pen würde dann für fünf Wochen reichen und 34,40 Euro pro Woche kosten. Mit dieser Dosis überschreite ich auch nicht die Mindesthaltbarkeit des Pens nach der ersten Spritze von 6 Wochen. Auf ein Jahr gerechnet wären es für mich so Kosten von 1788,40 Euro. Also deutlich weniger als mit der vorgesehenen Erhaltungsdosis. Für Mounjaro soll es übrigens ähnliche Wege zum Geldsparen geben.

Mit meinem Gewichtsverlust bin ich bisher mehr als zufrieden – mehr würde mir sogar Angst machen. Abgesehen davon kostet die Abnehmspritze nicht nur Geld, sondern hilft auch beim Sparen: Ich esse jetzt deutlich weniger als vor der Spritze. „Bei dem, was Essen kostet, macht sich das schon deutlich im Geldbeutel bemerkbar“, sagt Dr. Friederike Nogat-Steckstor. Für viele seien die Kosten außerdem ein Anreiz, sich bewusster mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen und die Entscheidung für die Spritze nicht leichtfertig zu treffen.

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