Osnabrück  Vier Tore in einer Halbzeit: VfL Osnabrück überrollt Mannheim und klettert auf Rang drei

Susanne Fetter, Jacob Alschner
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Von Susanne Fetter, Jacob Alschner
| 04.10.2025 16:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Glänzte mit einem Doppelpack im Spiel bei Waldhof Mannheim: VfL Osnabrücks Robin Meißner. Foto: osnapix / Titgemeyer
Glänzte mit einem Doppelpack im Spiel bei Waldhof Mannheim: VfL Osnabrücks Robin Meißner. Foto: osnapix / Titgemeyer
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Vier Tore, drei Punkte, zweiter Platz! Der VfL Osnabrück hat Waldhof Mannheim mit einer starken zweiten Halbzeit regelrecht überrollt. Die Lila-Weißen traten mit viel Wucht und Konsequenz auf und kletterten nach dem 4:1-Sieg in der 3. Fußball-Liga zumindest vorerst auf den dritten Tabellenplatz.

Für den VfL Osnabrück war es der Abschluss einer englischen Woche, an die direkt eine Länderspielpause anschließt. Dreimal wechselte Timo Schultz, um die Belastung in der Startelf auszubalancieren. Vor allem im Mittelfeld, aber auch auf der linken Außenbahn ein Mittel, auf das der Trainer bereits in den ersten acht Spielen der Saison setzte. Frederik Christensen und Kevin Schumacher sowie Fridolin Wagner und Bryan Henning bilden dort quasi zwei Tandems, die regelmäßig pendeln. Diesmal bekamen der Däne und der Ex-Waldhofer Wagner den Vorzug. Hinter Stürmer Robin Meißner begann Tony Lesueur für Ismail Badjie neben Lars Kehl.

Bei Mannheim war die auffälligste Veränderung im Tor: Lucien Hawryluk ersetzte hier Thijmen Nijhuis, der offenbar mit Adduktorenproblemen ausfiel. Der 24-Jährige musste gleich in der ersten Minute mit dem Fuß kurz vor der Linie klären. Lesueur passte den Ball zu Kehl, der Patrick Kammerbauer sah. Der Außenbahnspieler war gut in den Strafraum gezogen und kam am rechten Pfosten zur ersten guten Chance für die Gäste.

In den vergangenen Spielen hatte der VfL meist eine gute Viertelstunde gebraucht, um in die Partie zu kommen. In Mannheim agierte die Mannschaft bereits in ihrem ersten guten Spielzug konsequent nach vorne. Der Waldhof hielt allerdings sofort dagegen. In der siebten Minute musste Abwehrchef Jannik Müller im Strafraum Yigit Karademir helfen, der nach einem kleinen Stolperer das Laufduell gegen Kennedy Okpala verlor. Ein weiterer Beleg dafür, wie wichtig der Kapitän als Säule der besten Defensive der Liga ist.

Erst fünf Gegentore kassierten die Lila-Weißen in den neun Spielen zuvor. Mit Mannheim trafen sie allerdings auf einen treffsicheren Kontrahenten. 17 Tore erzielte die Mannschaft von Trainer Luc Holtz vor dem zehnten Spieltag. Und auch gegen den VfL trafen die Gastgeber früh: Ein Schuss aus der Distanz von Arianit Ferati ging noch über das Tor. Kurz darauf spielte VfL-Torwart Lukas Jonsson den Ball allerdings direkt in die Beine von Nicklas Shipnoski. Der legte zu Felix Lohkemper quer - und der Stürmer verwandelte in der 16. Minute zum 1:0.

Fast im Gegenzug spielte der VfL wieder über Lesueur schnell in den Strafraum. Seinen Abschluss ließ Hawryluk zwar nach vorne prallen, doch Robin Meißner war nicht schnell genug am Ball. Nach einer guten halben Stunde kam der Stürmer dann nach einer schönen Drehung relativ frei zum Schuss an der Strafraumgrenze – der Ball ging allerdings deutlich über das Tor des Waldhofs. Ein Kopfball von Bjarke Jacobsen, der allerdings deutlich schwieriger zu verwerten war, fiel nach einer Flanke von Patrick Kammerbauer von oben auf das Tor statt hinein. Ein Schuss von Christensen, der links im Strafraum aus etwa fünf Metern abzog, landete in Hawryluks Armen.

Mannheim kam vor der Pause noch durch Okpala zu einem Schuss im Strafraum, den Jonsson ohne große Anstrengung hielt. Der VfL hatte die Partie ansonsten defensiv im Griff und mühte sich offensiv zu Chancen – allerdings ohne die letzte Konsequenz.

Vermutlich ein Thema, das die Lila-Weißen in der Kabine angesprochen haben. Nach dem Wiederanpfiff jedenfalls setzten sie diese sofort um. Nach einem schönen Pass des in Mannheim überragenden Kehls nahm Meißner den Ball im Strafraum gut mit und traf zum Ausgleich (50.). Das 1:1 war das zweite Stürmertor des 25-Jährigen. In Havelse hatte Meißner einen Fehlpass des Torhüters abgefangen, in Mannheim traf er erstmals nach einer Kombination aus dem Spiel heraus.

Fünf Minuten später wäre ihm beinahe der Doppelschlag gelungen. Nach einem starken Pass von Kammerbauer von der rechten Seite traf Meißner erneut, doch Schiedsrichter Max Burda entschied mit seinem Linienrichter auf Abseits.

Der VfL war jetzt im Vorwärtsgang. Doch auch Mannheims Keeper Hawryluk hatte eine gute Phase. Er parierte erst erneut gegen Meißner und kurz darauf gegen Müller. Osnabrück blieb konsequent. Diesmal leitete Meißner das Tor selbst ein. Seinen Pass gab Kehl hervorragend zurück. Und der Stürmer, der sowohl bei Viktoria Köln als auch im Heimspiel gegen Regensburg jeweils einmal freistehend vor dem Tor aus guter Position vergab, traf zum 2:1 (58.).

Schon in den Spielen zuvor hatte sich der VfL in der zweiten Halbzeit zumeist noch einmal gesteigert. Diesmal aber spielten Lila-Weißen den Ball mit einer derartigen Wucht und zielgerichtet in den Strafraum, dass Mannheim nach der Pause kurzzeitig überrollt wurde. Nach einer Flanke von Kammerbauer konnte Hawryluk einen Flugkopfball von Wagner zwar noch abwehren, Christensen aber setzte nach und erzielte das 3:1 (64.).

Drei Treffer hatte der VfL auswärts zuletzt am 15. Februar beim 5:1-Erfolg bei Hannover 96 II erzielt. Den letzten Wendesieg hatten die Osnabrücker kurz darauf, Mitte März, beim 2:1-Sieg bei VfB Stuttgart II gefeiert. In Mannheim gelang dies nicht nur dank der drei Treffer, sondern auch, weil der VfL in der Folgezeit weiter stabil blieb gegen Gastgeber, die lange nicht aufsteckten und keine schlechte Leistung zeigten.

Doch der VfL ist unter Schultz zu einem stabilen Gebilde gereift, dass auch auswärts bestehen kann. Dass es beim VfL derzeit auch in der Breite des Kaders stimmt, zeigte die Kombination zum 4:1 in der 87. Minute an dem drei Einwechselspieler beteiligt waren. Bryan Henning leitete die Chance ein, Bernd Riesselmann steckte den Ball schön in die Mitte und Ismail Badjie verwandelte.

Beim Waldhof zeigte die beste Defensive der Liga, dass sie auch wuchtig und konsequent nach vorne spielen kann und in der aktuellen Form zu den Topteams der 3. Liga zählt. Den Beleg hierfür liefert die Tabelle. Mit den drei Punkten aus Mannheim kletterte der VfL auf den dritten Platz und hat sich die Länderspielpause redlich verdient.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version des Textes hieß es, der VfL „klettert auf Rang zwei“, was zum Zeitpunkt der Veröffentlichung auch der Fall war. Durch das späte Samstagsspiel der dritten Liga ist Energie Cottbus mittlerweile Zweiter, der VfL Dritter. Die entsprechenden Stellen haben wir aktualisiert.

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