Osnabrück  „Ich bin entsetzt“: Eigentümer fühlt sich nach AfD-Auflauf von Wirtin hintergangen

Meike Baars
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Von Meike Baars
| 08.09.2025 19:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die niedersächsische AfD-Jugend auf dem Gehweg vor seinem Geburtshaus – Gegenüber der Protest: Eigentümer Lothar Rink hat dieser Anblick schockiert. Foto: Swaantje Hehmann
Die niedersächsische AfD-Jugend auf dem Gehweg vor seinem Geburtshaus – Gegenüber der Protest: Eigentümer Lothar Rink hat dieser Anblick schockiert. Foto: Swaantje Hehmann
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Die Osnabrücker AfD und ihre Gäste genossen am Samstag beste Aussicht auf den Protest gegen ihren Stammtisch im Parkhaus Rink: Denn sie waren drin. Hauseigentümer Lothar Rink hat nicht nur dieser Anblick entsetzt. Er fragt sich, welche Rolle seine Pächterin spielt.

Eigentümer Lothar Rink hat sich am Samstag selbst einen Eindruck davon verschafft, was sich rund um sein Haus an der Parkstraße Nummer 8 abspielte. Es beherbergt im Erdgeschoss die Kneipe Parkhaus Rink, die neuerdings zum Politikum geworden ist. Er sei nur kurz dort gewesen, aber dass die AfD entgegen anderer Absprachen doch den Biergarten in Beschlag genommen hatte, habe ihn persönlich getroffen. „Ich war entsetzt“, sagt der 83-jährige Rink. Er sehe sich als Hauseigentümer genötigt, noch einmal zu betonen: „Ich persönlich habe da wirklich nichts mit zu tun.“

Vertreter der Osnabrücker AfD und Mitglieder der niedersächsischen Parteijugend hatten es sich am Samstagnachmittag bei Kaltgetränken im Parkhaus Rink gemütlich gemacht. Von der Terrasse aus hatten sie beste Aussicht auf die Demonstranten, die sich am Nachmittag auf der anderen Straßenseite versammelten.

Das Bündnis „Den Rechten die Räume nehmen“ hatte zu einer Kundgebung aufgerufen. Rund 300 Menschen versammelten sich, um ihrer Forderung Gewicht zu verleihen: „Keine AfD-Kneipe in der Wüste“.

Es ist erklärtes Kampagnenziel des antifaschistischen Bündnisses, der AfD öffentliche und gastronomische Räume streitig zu machen. Dabei sind in der Vergangenheit schon mehrere Osnabrücker Gaststätten in den Fokus geraten. Unter diesem Druck versicherten die Betreiber, nicht gewusst zu haben, dass AfD-Stammtische unter ihrem Dach stattgefunden hatten.

Melanie Kahr hingegen, Pächterin des Parkhaus Rink im Stadtteil Wüste, hatte den AfD-Stammtisch im Juli bewusst zu sich eingeladen. Die für den vergangenen Protestsamstag angekündigte AfD-Veranstaltung, ein „Bürgerdialog“ getauftes Treffen, sagte sie indes kurzfristig „aus Rücksicht“ auf ihren Vermieter ab. Das habe aber nie bedeutet, dass friedliche Menschen nicht weiterhin auf ein Bier bei ihr zusammen kommen dürften. Genau das sei am Samstag geschehen, sagte Kahr auf Nachfrage am Montag.

Ihr Verpächter hat die Situation indes anders gelesen, als er sich am Nachmittag ein Bild von der Lage machte. Für ihn habe das Verhalten der Wirtin so gewirkt, als habe sie sich bei der AfD eingereiht, schildert Lothar Rink. „Wie ihre Königin“, habe er innerlich gedacht. Ohnehin habe er sich gewundert, dass die Kneipe schon geöffnet war. Normalerweise mache sie erst um 17 Uhr auf.

Die Wirtin verwehrt sich gegen den Vorwurf, sie habe sich von der AfD vereinnahmen lassen. Sie sei stets früher im Haus und lasse wartende Gäste ein, wenn die schon um ein Getränk bitten. Mit der Osnabrücker AfD habe es keine Absprache gegeben, behauptet Kahr. Es seien am Samstagnachmittag zudem auch andere Gäste in der Kneipe gewesen, nicht nur AfD-Anhänger.

Zwischenzeitlich hatte Kahr am Samstag mit jungen, niedersächsischen AfD-Influencerinnen auf der Straßenmitte posiert. Dazu sei es spontan gekommen. Sie habe die Frauen nicht gekannt und sie nicht nach ihrer Parteizugehörigkeit befragt, erklärt die Wirtin. Die aus ganz Niedersachsen für den Tag angereisten jüngeren AfDler postierten sich am Nachmittag demonstrativ gut gelaunt auch vor der Kneipe auf dem Gehweg.

Das Problem, wird Wirtin Melanie Kahr deutlich, habe sie aber auf der anderen Straßenseite verortet. „Das ist doch die kranke Scheiße“, hält sie fest. „Hass, Hetze und Lügen“ verbreite das Protestbündnis. Auch über sie persönlich. Miteinander reden sei nicht möglich.

Auswüchse des linken Protests bereiten indes auch Rink Sorgen. In seinem Haus vermiete er neben der Gaststätte auch sieben Wohnungen. Seine Mieter seien Leidtragende des Konflikts, ohne etwas dafürzukönnen – so wie er als Hauseigentümer auch. Die Folgen des Farbanschlags, den Unbekannte vor knapp zwei Wochen auf sein Haus verübt hatten, habe er beseitigen lassen. Erst vor drei Jahren sei das Gründerhaus aufwändig renoviert worden. Das könne und wolle er nicht ständig leisten.

Zumindest am Samstag gab es keine neuen Sachbeschädigungen zu verzeichnen. Laut Polizei blieb die Lage „von kleineren Sticheleien ohne strafrechtliche Relevanz abgesehen“ bis in die Nacht friedlich. „Wir haben keine Kenntnis von Vorfällen“, hielt Polizeisprecherin Kim Junker-Mogalle am Montag fest. „Das ist ganz gesittet auseinandergegangen.“

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