Osnabrück Osnabrücker HNO-Expertin: „In-Ear-Kopfhörer können das Gehör schädigen“
Unsere Ohren brauchen Pausen – und zwar nicht erst im Ruhestand. Dr. Bianca Krämer arbeitet als Hals-Nasen-Ohrenärztin am Marienhospital Osnabrück, ist Expertin für Schwerhörigkeit und sagt: „Altersschwerhörigkeit beginnt mit 25.“ Wie bitte?
Es geht nicht nur um irgendeine Hörschnecke (Cochlea). „Hören ist Leben“, betont Bianca Krämer, die das Cochlea-Implantat-Zentrum der Niels-Stensen-Kliniken am Marienhospital in Osnabrück leitet. Die Hals-Nasen-Ohren-Ärztin kennt schlechte Ohren und gute Ratschläge, weiß, wann In-Ear-Kopfhörer das Gehör schädigen und welche Chancen sie für die Früherkennung bieten.
Hörst Du noch oder rätst Du schon? Missen oder wissen? „Wenn es schwerfällt, Gesprochenes in geräuschvoller Umgebung richtig zu verstehen, kann das ein erstes Anzeichen für Schwerhörigkeit sein“, sagt HNO-Ärztin Bianca Krämer. Je früher Betroffene zum Arzt gingen, desto besser könne man gegensteuern. Häufigste Ursache sei die altersbedingte Veränderung des Innenohres, bei der die feinen Sinneszellen ihre Funktion verlieren.
„Altersschwerhörigkeit klingt weit weg, beginnt aber mit 25“, nimmt Krämer jede Illusion. „Unsere Umwelt ist wahnsinnig laut. Lärmbelastung ist einer der wichtigsten Faktoren, wenn es um die Frage geht, was unser Gehör schädigt.“ Das gelte für Schützen, die ohne Gehörschutz in den Schießstand treten, wie für Musikliebhaber, denen die Bässe in den Gehörgang wummern.
In-Ear-Kopfhörer: Der Killer guten Gehörs? Ob Kopfhörer das Gehör schädigen, hänge von der Nutzung ab. „Dauer und Lautstärke sind entscheidend“, sagt Krämer. „In-Ear-Kopfhörer können das Gehör schädigen, wenn man zu lange oder zu laut hört.“ Die Innenohrhaarzellen seien dann überstrapaziert, die Hörschwelle werde verschoben, das Gehör vorübergehend beeinträchtigt. „Wir kennen das von Konzerten: Laute Veranstaltungen klingeln und dröhnen noch Stunden nach.“
Bei permanent falsch genutzten Kopfhörern könne es bleibende Hörschädigungen geben. „Die 60/60-Regel kann Orientierung bieten: 60 Minuten hören bei 60 Prozent der möglichen Lautstärke“, nennt die Medizinerin eine Faustregel. „Danach brauchen unsere Ohren eine Pause.“ Außerdem müsse das Ohr belüftet werden. „Wenn man die Kopfhörer pausenlos im Ohr trägt, können sich Feuchtigkeit und Ohrenschmalz stauen und zu Entzündungen führen“, warnt sie.
Der Hörtest für den Hausgebrauch: Die AirPods Pro 2 sind die weltweit ersten In-Ear-Kopfhörer mit Hörgerätefunktion. In den USA seien sie – anders als auf dem europäischen Markt – sogar als Hörhilfe zugelassen, sagt HNO-Ärztin Krämer. Die kabellosen Kopfhörer, die auch hier viele tragen, ermöglichen in wenigen Minuten einen Hörtest, ein personalisiertes Hörbild. Hier liege eine große Chance: „Der Hörtest kann den Gang zum Arzt nicht ersetzen“, unterstreicht Krämer. „Aber er kann die Hemmschwelle senken, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern und weitere Schritte zu gehen.“