Besonderes Erlebnis Bis zu 40 Störche hielten sich in Breinermoor auf
Die Tiere suchten auf einer Fläche in der Nähe der Mülldeponie nach Nahrung. Auch im Nortmoorer Hammrich wurden Dutzende Tiere gesichtet. Das sagt Storchenexperte Holger Boekhoff zu der Ansammlung.
Breinermoor/Nortmoor - Reinhold Buttjer ist noch immer begeistert. Der Rhauderfehner besucht regelmäßig seinen Vater Heinrich Buttjer in Breinermoor. Kürzlich traute er seinen Augen nicht, als er in Höhe der Mülldeponie von der Bundesstraße 70 auf die Breinermoorer Straße abgebogen war. Auf der landwirtschaftlichen Fläche sah er Störche, sehr viele Störche. „Es waren rund 40 Vögel. So viele Störche auf einer Fläche habe ich noch nie gesehen. Es war ein sehr imposantes Bild“, sagte der Rhauderfehner.
Aber nicht nur in Breinermoor erlebten Bürger dieses besondere Naturerlebnis. Auch im Nortmoorer Hammrich oder auf landwirtschaftlichen Flächen im Rheiderland wurden Ansammlungen von Störchen gesichtet. In Nortmoor beispielsweise war ein Traktor mit einem Schwader auf einer frisch gemähten Wiese unterwegs. Dort hatten sich viele Störche versammelt. Sie suchten nach Nahrung.
Holger Boekhoff ist Storchenvater im Landkreis Leer. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt er, dass die Bilder keineswegs ungewöhnlich seien. „Die Jungtiere fliegen meist schon früh ab, die Alttiere bleiben noch etwas länger“, sagt der Filsumer. Gerade während der Mahd würden sich die Störche auf den Wiesen verteilen und nach Essbarem suchen. Heuschrecken, Regenwürmer, Maulwürfe und kleine Nagetiere stünden auf der Speisekarte. Einige davon werden bei landwirtschaftlichen Arbeiten aufgeschreckt und sind so für die Vögel ein leichtes Ziel. Vor dem Abflug fressen sich die Tiere noch einmal voll, denn der Herbst naht. „Das sind wahrscheinlich mit die letzten Störche gewesen, die noch hier geblieben sind. Jetzt sind die meisten weg“, so Boekhoff.
Einige Störche bleiben das ganze Jahr
Gerade in Breinermoor im Bereich der Mülldeponie würden immer wieder Störche gesichtet. „Dort gibt es auch Störche, die gar nicht mehr wegfliegen, sondern das ganze Jahr über hier bleiben“, sagte der Experte. Das hängt laut Boekhoff unter anderem mit dem milderen Klima zusammen. „Wir haben in unserer Region ja keine Extrem-Winter mehr“, führte der Filsumer aus. Die Storchenpopulation ist in den vergangenen Jahren im Aufwärtstrend, sagt Boekhoff. Belegen kann er das mit Zahlen. Die laut dem Storchenvater „wichtigste Zahl“ ist die der abgeflogenen Jungtiere. In diesem Jahr liegt sie bei 91 im gesamten Kreis Leer. Das toppt sogar den Wert aus dem vergangenen Jahr, als die Landkreise Aurich und Leer noch zusammengezählt wurden. 2024 sind 76 Jungtiere aus den beiden Landkreisen abgeflogen. „2023 war das Rekordjahr mit 108“, so der Storchenexperte. Im Jahr 2022 waren es 72. Auf nur etwa 35 Jungtiere, die erfolgreich ausgebrütet und aufgezogen wurden, kam man im Jahr 2021.
Die Ausbreitung der Störche mache sich aber auch mit bloßem Auge bemerkbar. Noch vor einigen Jahren waren die Westzieher – in dieser Region breit vertreten – fast ausschließlich im Ems-Leda-Gebiet. „Jetzt breitet sich das Ganze nach außen aus“, sagt Boekhoff. Die Störche suchen sich neue Territorien und Nistplätze im Emsland, im nördlichen Landkreis Leer und dem Kreis Aurich. Im Winter würden die Störche nach Spanien oder nach Süddeutschland fliegen. Dass Störche über den Bosporus in der Türkei bis nach Afrika fliegen, komme nur noch selten vor, so der Filsumer. Das führe auch dazu, dass weniger Tiere verenden, weil sie den weiten Weg nicht schaffen. Früher habe etwa ein Drittel den Vogelzug nicht überstanden.
Als Storchenvater ist Holger Boekhoff für die Nestpflege im Landkreis Leer zuständig. Unterstützt wird er dabei von Hans Appiß – er ist der frühere Storchenvater. Die Saison neigt sich allerdings dem Ende zu. Im Februar und März gehe es wieder los. Nach dem Winter seien die Nester dann voller Dreck. „Wir holen dann teilweise 30 bis 40 Kilogramm Müll aus einem Nest“, sagt Boekhoff. Um die 70 Nistpaare gab es in diesem Jahr im Kreis Leer. Für einen Großteil der Nester übernehmen Boekhoff und Appiß den Frühjahrsputz. Ansonsten kümmert sich Holger Boekhoff auch während der Brut um die Störche. Wenn ein Jungtier aus dem Nest fällt, dann ist er zur Stelle und kümmert sich.