Osnabrück Teurere Tickets für den Bus: Hat die Verwaltung den Stadtrat Osnabrück unter Druck gesetzt?
Das Busfahren wird in Osnabrück und Belm bald teurer. Mit einer knappen Mehrheit hat der Stadtrat Osnabrück dazu „ja“ gesagt – doch die Umstände der Abstimmung sorgen jetzt für Kritik. Die Stadtverwaltung habe dem Rat „die Pistole auf die Brust gesetzt“, sagt SPD-Chef Robert Alferink.
Busfahren wird zum 1. Januar 2026 teurer. Mit einer knappen Mehrheit aus CDU und Grünen hat der Osnabrücker Stadtrat dies in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Zwischen 10 Cent (Einzelticket) und 2,10 Euro (Monatsticket Erwachsene) kostet es in Osnabrück und Belm ab 1. Januar 2026 mehr.
Im Stadtrat sorgen die teuren Tickets für Nachwehen. Das Gremium sei zu spät einbezogen worden, kritisieren mehrere Lokalpolitiker. „Das ist kein Umgang mit dem höchsten Gremium der Stadt“, so Robert Alferink (SPD). Nur Stunden vor der Entscheidung hätten die Parteien über die Details zu den Tickets sprechen können.
Der Vorschlag, den ihnen die Stadtverwaltung präsentierte, sei ausverhandelt gewesen – das heißt, Busunternehmen, Landkreis sowie Vertreter aus Belm und Osnabrück hatten sich bereits viele Monate Gedanken gemacht. In den Vorjahren hätte man weit früher Einblick gehabt und bei Details mitreden können, monierte Jens Meier, Fraktionschef der Grünen im Osnabrücker Rat. Alferink formuliert es drastischer: „Uns wurde die Pistole auf die Brust gesetzt.“
Hätte der Stadtrat „Nein“ zu den höheren Bustickets gesagt, hätten die Runden mit den externen Partnern neu beginnen müssen. „Wenn wir heute nicht zustimmen, erweisen wir der Kooperation im Landkreis einen Bärendienst“, brachte es CDU-Fraktionschef Marius Keite auf den Punkt. Doch auch er mahnte Richtung Stadtverwaltung: „Wir würden uns freuen, wenn wir besser informiert werden im nächsten Jahr.“ Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) entschuldigte sich und sagte dies zu.
„So kurzfristig werden wir einer Tariferhöhung nicht noch einmal zustimmen“, machte auch Jens Meier klar. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte er: „Die Preise zu erhöhen, das ist schmerzhaft. Ich persönlich wäre sehr froh, wenn wir das nicht hätten tun müssen.“ Abgesehen davon, dass die Verhandlungen mit Landkreis und Co. hätten wiederholt werden müssen, sei für ihn sei auch der Blick in den Haushaltsentwurf der Stadtverwaltung ausschlaggebend gewesen. Osnabrück steuert auf einen historischen Schuldenberg zu.
Für Oliver Hasskamp von der FDP war der Haushalt kein Argument: „Das ist ein Teufelskreis, das Busangebot wird schlechter, die Preise steigen, ganze Stadtteile werden quasi abgehängt.“ All das auf dem Rücken der Fahrgäste, Busfahren mache so bald keinen Sinn mehr. „Das ist ein Abgesang auf den ÖPNV.“
Robert Alferink, der im kommenden Jahr für die SPD als Oberbürgermeisterkandidat antritt, sagte im Gespräch mit unserer Redaktion: „Diese Entscheidung schürt Populismus, der normale Bürger steht davor und fragt sich: ‚Was soll das? Hier 67 Millionen fürs VfL-Stadion, da 100 Millionen fürs Theater, hier ein Medizinstudiengang für Vermögende für Millionen, aber ich muss für den Bus jetzt mehr zahlen?‘“ Als Ratsmitglied wisse man, dass Busfahren und Stadion zwei verschiedene Haushalte sind – der ÖPNV ist Teil des Finanzhaushalts, das Stadion des Investitionshaushalts. Aber es ginge doch auch darum, was beim Normalbürger ankäme.
„Ich möchte den Leuten sagen, dass wir beides schaffen können: keine Erhöhungen der Buspreise, keine Krippenbeiträge und das VfL-Stadion, das Theater.“ Aber wenn nicht alles gehe, müsse man priorisieren. „Dann sollte aus Sicht der Ratsmehrheit klar sein, wer den Vorteil bekommt. Nämlich die Menschen, die unsere Stadt am Laufen halten“, so Alferink.
Gemeinsam mit FDP/UWG und Linke/Kalla Wefel war die SPD gegen teurere Tickets. Offenbart das erste Risse in der Mehrheitsgruppe aus Grünen, SPD und Volt, die immer gemeinsam agieren?
„Nein, da gibt es keine Risse“, sagt Jens Meier (Grüne). Die SPD habe eine nachvollziehbare, aber auch relativ einfache Haltung eingenommen: „Ich würde das sehr gerne auch selbst so machen.“ Die haushaltspolitische Realität aber lasse das nicht zu.