Osnabrück  Therapiehündin Chima sorgt für gute Laune im Klinikum Osnabrück

Sophie Handl
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Von Sophie Handl
| 21.09.2025 06:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf das Kommando „Guten Tag“ begrüßt Chima die Patientin am Klinikum Osnabrück. Foto: Swaantje Hehmann
Auf das Kommando „Guten Tag“ begrüßt Chima die Patientin am Klinikum Osnabrück. Foto: Swaantje Hehmann
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Therapiebegleithündin Chima besucht regelmäßig die neurologische Frührehabilitation im Klinikum Osnabrück. Die speziell ausgebildete Labradorhündin sorgt nicht nur für gute Laune, sondern hat auch eine positive Auswirkung auf die Gesundheit. Ein Besuch.

Auf der Station 39 im Klinikum Osnabrück gibt es heute hohen Besuch. Zu Pflegepersonal und Patienten gesellt sich im dritten Stock eine Vierbeinerin: Therapiebegleithündin Chima. Seit ein paar Wochen ist sie regelmäßige Gästin auf der Neurologische Frührehabilitation. In den 33 Betten kommen dort Menschen mit neurologischen Erkrankungen unter, die verschiedenste Therapien bekommen. 

Die blonde Labradorhündin Chima ist der Star der Station. Einmal in der Woche kommt sie vorbei und verbringt eine halbe Stunde mit einem Patienten. Heute ist Frau Horstkott an der Reihe. Auch ihre zwei Kinder sind zu Besuch. Mit „Guten Tag“ begrüßt die Patientin nicht nur das Klinikpersonal, sondern auch Chima, die gleich Reaktion zeigt. „Guten Tag“ ist Chimas Kommando „Pfote“. Sie grüßt zurück, in dem sie ihre linke Pfote sanft und trotzdem ein wenig tollpatschig an die Seite von Horstkotts Hand legt. 

Beim Besuch von Chima dreht sich alles um die Patienten. „Wir richten uns danach, was die Patienten machen wollen“, sagt Chimas Besitzerin Kathrin González Flores. Dem Hund wurde antrainiert, sich passiv zu verhalten und auf die Körpersprache des Menschen zu reagieren. Frau Horstkott genießt die Zeit mit der Labradordame eher ruhig. Ein paar Tricks führt Chima für sie auf. Bei „turn around“ macht sie eine Drehung. Sonst füttert die Patientin den Hund vor allem mit Leckerlis. „Manche wollen mit dem Hund spielen, das geht natürlich auch“, so González Flores. Die meisten wollen allerdings einfach nur streicheln.

Die Patienten und Chima bekommen bei den Besuchen ihre Ruhe. Auf dem begrünten Balkon der Station 39 scheint heute die Sonne, für den Menschen ist es angenehm warm. Chima ist in ihrem dicken Fell allerdings warm, sie hechelt, die Zunge hängt ihr aus dem Mund. Nach den ganzen Tricks, die sie für Horstkott aufgeführt hat, ist Zeit für eine Pause. González Flores schickt die Hündin auf die Decke.   

Eine zwölfmonatige Ausbildung zur Therapiebegleithündin haben Chima und González Flores hinter sich. „Chima hat eine gute, harte Schule hinter sich“, sagt die Besitzerin. Wie sie auf die Idee kam, eine Ausbildung mit dem Hund zu machen? „Das war schon immer mein Traum“, berichtet González Flores. Danach ging sie auf das Klinikum Osnabrück zu und bot Besuche an.

Der elektronische Rollstuhl von Frau Horsthott schreckt Hündin Chima nicht ab – im Gegenteil. Neugierig und liebevoll stupst sie mit ihrer feuchten Schnauze die Hand der Patientin an. Ganz nah kommt sie dabei an die Patientin heran. Vielleicht auch, weil auf ihrem Schoß eine Tüte mit Karotten- und Gurkenscheiben liegt, die die Labradordame besonders gerne isst. 

Die Prüfung zur Therapiebegleithündin hat Chima ohne Probleme bestanden. Damit ist es aber nicht getan: Alle zwei Jahre muss die Prüfung wiederholt werden. „Das ist ein Wesenstest, ob Chima noch schusssicher ist“, erklärt González Flores. Ihre Reaktion auf Fahrräder, Regenschirme, Kinder und Tröten werde bei dem Test überprüft. „Wenn die Chima cool bleibt, dann hat sie bestanden“, sagt González Flores. 

Auf der anderen Seite des Balkons sitzen auch Patienten. Sie blicken neugierig in Richtung Chima. „Viele Patienten fragen schon, wann sie endlich dran sind. Wie toll Chima ist, hat sich schon herumgesprochen“, erzählt Stationsleiterin Annette Niehaus-Scherpenberg. Sie war federführend dabei, den bürokratischen Weg zu ebnen, dass eine Therapiehündin überhaupt auf Station kommen darf. 

Denn eigentlich sind Tiere im Klinikum nicht erlaubt. „Wir mussten zuerst mit dem Gesundheitsamt ein Hygienekonzept entwickeln“, sagt Niehaus-Scherpenberg. Sie ist überzeugt, dass die wochenlange Ausarbeitung jenes Konzepts sich gelohnt habe. „Doch ohne Kathrin hätten wir ein Konzept, aber keinen Hund. Sie ist die wahre Heldin dieser Aktion.“ 

„Mit Chima fühlt es sich nicht mehr an wie ein Krankenhaus, sie bringt ein bisschen Normalität in mein Leben“, resümiert Patientin Horstkott. „Kann ich sie nicht auch in meine Pflegeeinrichtung mitnehmen?“, fragt sie scherzend. Kathrin González Flores genießt die Besuche am Klinikum ebenfalls: „Für mich ist das ein Gewinn, wenn der Patient eine halbe Stunde nicht an seine Krankheit denkt.“

Nach Chimas Besuch geht es für die Patientin zum Händewaschen und für Kathrin und Chima nach Hause. Am Weg nach draußen überbringt Stationsleiterin Niehaus-Scherpenberg noch einmal gute Nachrichten: „Der Blutdruck von Frau Horstkott war noch nie so gut wie gerade eben.“ Der Beweis: Die Besuche der Therapiehündin tun nicht nur der Psyche der Patienten, sondern auch der körperlichen Gesundheit gut.