Mit einem Tag der offenen Tür  Fischereiverein Rhauderfehn feiert 90-jähriges Bestehen

| | 19.09.2025 17:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Von links: Herwig Bürjes, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit; Thomas Reemts, zweiter Vorsitzender und Jörg Furch, Ehrenvorsitzender. Foto: Madita Janßen
Von links: Herwig Bürjes, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit; Thomas Reemts, zweiter Vorsitzender und Jörg Furch, Ehrenvorsitzender. Foto: Madita Janßen
Artikel teilen:

Der Fischereiverein Rhauderfehn wird 90 Jahre alt und lädt zum Tag der offenen Tür ein. Besucher erwartet ein Blick hinter die Kulissen des Vereins.

Rhauderfehn - Der Fischereiverein Rhauderfehn lädt für Samstag, 20. September, zu einem Tag der offenen Tür ein. Dieser findet anlässlich des 90-jährigen Bestehens des Vereins statt.

Ehrenvorsitzender Jörg Furch erläutert die Aufgaben des Vereins und geht auf die Geschichte ein. Der 83-Jährige ist bereits seit 1967 Mitglied des Fischereivereins, war von 1971 bis 1999 Schriftführer und übernahm von 1999 bis 2018 den Posten des Vorsitzenden. Furch selbst kam durch seinen Großvater zum Angeln. Sein erster Fang, daran erinnert er sich noch sehr genau, war ein großer Brassen. Der 83-Jährige geht immer noch gerne angeln, um dabei zur Ruhe zu kommen und seinen Gedanken nachzuhängen, wie er sagt.

Die Vereinsgeschichte

Der Verein hat mittlerweile 1586 Mitglieder, darunter sind 108 Jugendliche und 106 weibliche Mitglieder (Stand 15. September 2025). Allerdings fing es vor 90 Jahren klein an. Im Jahre 1935 „ging es los“, erklärte Furch. Im General-Anzeiger gab es einen Aufruf, dass sich am 10. April 1935 alle, die Lust haben zu angeln, in der Gastwirtschaft van Wahden treffen sollten. Da es nach Auskunft von Furch damals nicht zugelassen war, einen eigenen Verein zu gründen, schlossen sich die Angelinteressierten aus Rhauderfehn zunächst dem Fischereiverein für Detern, Stickhausen und Velde als Untergruppe Westrhauderfehn an. Schon 1937 gab es den ersten Pachtvertrag mit dem Fischereiverein für das Alte Amt Stickhausen – für das Langholter Meer. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand im September 1946 die erste Vereinsversammlung statt. Im Jahr 1964 war es so weit. Während einer Jahreshauptversammlung des FV Altes Amt Stickhausen wurde beschlossen, dass man sich von der Untergruppe Westrhauderfehn trennt. Somit gründeten die Rhauderfehner einen eigenen Verein. Im März des Jahres wurde alles final beschlossen und der Sportfischereiverein Rhauderfehn gegründet – mit 130 Mitgliedern. Dr. Horst Schünemann wurde zum ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt. In dem Gründungsjahr begannen auch schon die ersten Vorbereitungskurse für die Sportfischerprüfung. Heute heißt sie nur noch Fischerprüfung, so der Ehrenvorsitzende. Erster Ausbilder im Verein war Fritz Ziebell aus Elisabethfehn.

Fritz Ziebell (rechts), er war der erste Ausbilder des Vereins und bereitete die Mitglieder intensiv auf die Fischerprüfung vor. Archivfoto (2): Fischereiverein Rhauderfehn
Fritz Ziebell (rechts), er war der erste Ausbilder des Vereins und bereitete die Mitglieder intensiv auf die Fischerprüfung vor. Archivfoto (2): Fischereiverein Rhauderfehn

Seit 1966 gibt es auch das Königsangeln. Hermann Ewen war der erste Titelträger. Die Tradition ist bis heute bestehen geblieben, das Königsangeln findet jedes Jahr am Vatertag statt. Der Ehrenvorsitzende erläuterte, dass auch die Jugend schon früh gefördert wurde. Im Jahre 1967 wurde die Jugendgruppe gegründet, die bis heute noch besteht. Der erste Jugendwart damals hieß Harmannus Graefe. Aber „kein Fischereiverein kann Angeln ohne Gewässer“, stellt Jörg Furch klar. Daher wurde 1969 das Holter Siel- und Schöpfwerkstief gepachtet. Mittlerweile verfügt der FV Rhauderfehn über 13 Gewässer, die beangelt werden dürfen. Dabei befinden sich der Raakesee und „Jonnys Kuhle“ im Eigentum des Vereins. Zu den gepachteten Gewässern zählen das Langholter Meer, der Hahnentanger See, der Idasee, das Holter Siel- und Schöpfwerkstief, der Hauptfehnkanal, der Leda-Altarm Ubbehausen, die Leda beziehungsweise Sagter Ems, die Jümme, das Burlage-Langholter Tief, „Bernhards Ruh“ und der Entlastungspolder Holter Hammrich.

Nur sechs Jahre später, im Jahr 1975, gründeten die Mitglieder des SFV einen eigenen Gewässerausschuss. In diesem Jahr wurde auch ein neuer erster Vorsitzender gewählt – es war Bruno Ewen.

Der Hahnentanger See gehört zu den Vereinsgewässern des FV Rhauderfehn. Foto: Madita Janßen
Der Hahnentanger See gehört zu den Vereinsgewässern des FV Rhauderfehn. Foto: Madita Janßen

1984 wurde das Vereinsheim gebaut

Das Jahr 1978 „war ein ganz starker Einschnitt“ in der Geschichte der Fischerei, erzählt Ehrenvorsitzender Furch. In diesem Jahr trat das neue niedersächsische Fischereigesetz in Kraft. Dieses besagt, dass die Angler ab diesem Zeitpunkt nicht mehr in den Küstengewässern, also Leda, Sagter Ems und Jümme, fischen dürfen. Um dies zu verhindern, entschied sich der SFV Rhauderfehn, die Gewässer mit Nachbarvereinen zu pachten. Bis heute werden die Gewässer noch von den Mitgliedern des Vereins bewirtschaftet. Im selben Jahr bekamen auch die Fischerei-Aufseher ihre Dienstmarken, somit gelten sie als Amtsperson

Das heute noch stehende Anglerheim wurde bereits im Jahr 1984 errichtet und ist somit 41 Jahre alt. Im Jahre 2002 wurde es zum ersten Mal in Eigenregie renoviert. Eine energetische Sanierung fand 2024 statt.

Der heutige Geräteschuppen des Fischereivereins Rhauderfehn. Foto: Madita Janßen
Der heutige Geräteschuppen des Fischereivereins Rhauderfehn. Foto: Madita Janßen

Im Jahr 2005 gab es laut Furch ein Problem: Der Idasee in Idafehn bekam eine Wasserski-Anlage. „Es stellte sich die Frage, wie arrangiert sich das?“, sagte der 83-Jährige. Es wurde jedoch schnell ein Kompromiss gefunden. Das Angeln ist tagsüber während der Sommermonate nur eingeschränkt möglich. Da Angler aber meistens früh morgens, am späten Abend, oder sogar nachts angeln, war die Sorge schnell ausgeräumt, so der Rhauderfehner.

Integration ist dem Verein wichtig

Es folgte das bisher schlimmste Jahr in der Vereinsgeschichte, erinnert sich der Ehrenvorsitzende. Im Jahr 2006 brannte der Geräteschuppen des SFV mitsamt aller darin befindlicher Geräte bis auf die Bodenplatte nieder. Laut Furch wurde das Feuer durch einen Brandstifter gelegt. Die Versicherung des Vereins übernahm glücklicherweise den Wiederaufbau.

2007 gab es Probleme mit den aus dem chinesisch, asiatischem stammenden Raum eingeschleppten Wollhandkrabben. „Ein holländischer Fischer bot sich an, mit Netzen im Langholter Meer und dem Hauptfehnkanal nach diesen Krabben zu fischen. Innerhalb von fünf Monaten wurden immerhin 5000 Stück gefangen, so Furch. Diese wurden in den Niederlanden an chinesische Restaurants verkauft. Dem Holländer wurden später laut Furch die Netze gestohlen. Der stellte den Fang daraufhin ein.

2009 kümmerte sich der SFV Rhauderfehn gemeinsam mit den Gemeinden West- und Ostrhauderfehn um die Entschlammung des Langholter Meeres. Dabei kamen 50.000 Kubikmeter Faulschlamm zu Tage.

2011 gelang Paul Pilarek ein sehr besonderer Fang in der Leda bei Potshausen: Es handelte sich dabei um einen 1,40 Meter langen und 42 Pfund schweren Wels. Im selben Jahr knackte der Verein auch die 1000-Mitglieder-Marke.

Seit 2022 heißt der Verein nicht mehr Sportfischereiverein, sondern Fischereiverein Rhauderfehn.

Der behindertengerechten Angelplatz am Hahnentanger See. Foto: Madita Janßen
Der behindertengerechten Angelplatz am Hahnentanger See. Foto: Madita Janßen

Jörg Furch erklärt, dass sie stolz sagen können, einer der ersten Vereine zu sein, die einen behindertengerechten Angelplatz haben. Diesen erbaute der Verein im Jahr 2014 am Hahnentanger See. Unterstützt wurden sie dabei von der Tiefbaufirma Ludwig Würdemann aus Ostrhauderfehn. Außerdem bekamen die Fischer eine Spende der Volksbank Westrhauderfehn. Zusätzlich stiftete die Gemeinde Ostrhauderfehn zwei Holzbänke für den behindertengerechten Angelplatz.

Die Geschäftsstelle am Bahnhof

Seit einigen Jahren gibt es eine Geschäftsstelle des Fischereivereins Rhauderfehn am Bahnhof 1. Geöffnet ist sie montags und freitags von 16.30 bis 18 Uhr. Es ist dann immer ein Vorstandsmitglied vor Ort, erklärt Thomas Reemts, 2. Vorsitzender des Vereins. Während man früher die Erlaubnisscheine bei Gaststätten erwerben konnte, läuft nun alles über die Geschäftsstelle. Es gibt aber auch noch einzelne Verkaufsstellen für die Erlaubnisscheine. Diese sind die Tourist-Information Rhauderfehn, die Tourist-Information Ostrhauderfehn, der Agrarhandel Langholt, der Kiosk Kerstin’s Lüttje Laden in Langholt und die Camping- und Freizeitanlage am Idasee. Die Geschäftsstelle sei aber immer der beste Anlaufpunkt, erklärt Reemts.

Die Fischereiaufsicht

Die 17 amtlich bestellten Fischereiaufseher nehmen im Auftrag des Vorstands die Aufgabe wahr, die Gewässerordnung am Gewässer zu kontrollieren und durchzusetzen, heißt es auf der Homepage. Sie stellen außerdem Gesetzesverstöße in Form von „Schwarzangelei“ fest und nehmen entsprechende Daten für eine Anzeige wegen Fischwilderei oder Fischdiebstahl auf und leiten diese im Interesse aller an die Justizbehörden weiter.

Hinweisschild am Hahnentanger See. Foto: Madita Janßen
Hinweisschild am Hahnentanger See. Foto: Madita Janßen

Berechtigt zu angeln ist man, wenn die Fischerprüfung abgelegt wurde und die Person mindestens 14 Jahre alt ist. An den Vereinsgewässern darf jedoch auch geangelt werden, wenn man 12 bis 14 Jahre alt ist und noch keine Fischerprüfung absolviert hat. Geangelt werden darf aber nur unter Aufsicht eines Angelberechtigten und sollte nur zu Ausbildungszwecken dienen.

Die Zukunft des Vereins

Kein Verein hat Zukunft ohne eine Jugend, so der Vorstand. Dem Fischereiverein Rhauderfehn ist es wichtig, die Jugend zu fördern. Zwei Mal im Jahr wird ein Absolvieren der Fischerprüfung angeboten. Der Verein verfügt dafür über eigene Ausbilder. Mittlerweile ist es sogar möglich, den Lehrgang digital zu absolvieren.

Ähnliche Artikel