Einbrüche in Ostfriesland Polizei verrät, wie Täter blitzschnell zuschlagen
Einbrecher brauchen oft nur wenige Minuten. Die Polizei Leer/Emden erklärt, wie Bewohner sich schützen können – und warum viele die Gefahr unterschätzen.
Leer/Emden - Es ist wohl eine der unbehaglichsten Vorstellungen von vielen: Man kommt nach Hause – und irgendetwas ist anders. Die Schublade im Schlafzimmer ist offen, Wäsche liegt verstreut, das Fenster steht sperrangelweit auf: Hier wurde eingebrochen. Ein Albtraum, der in Ostfriesland immer wieder Realität wird. Für die Täter ist es nur eine Sache von Minuten – für die Opfer bleibt die Angst oft viel länger.
Kriminalhauptkommissarin Petra Puls und Polizeihauptkommissarin Svenia Temmen von der Polizeiinspektion (PI) Leer/Emden sind Beraterinnen für Kriminalprävention. Hinter dem sperrigen Wort steckt viel mehr als das reine Erteilen von Ratschlägen. „Es ist vor allem Arbeit mit Menschen“, sagt Petra Puls, die auch viele Jahre lang in der Opferhilfe bei der PI Leer/Emden tätig war. Die beiden Polizistinnen geben fünf Tipps, wie man das eigene Zuhause sicherer machen kann.
1. Licht als Abschreckung nutzen
Ein wesentlicher Punkt für Einbrecher sei, ob jemand zu Hause ist oder nicht, sagt Svenia Temmen. Ab Herbst, wenn es früh dunkel wird, ist es für Täter leichter, abzuschätzen, ob sie ungestört in ein Haus einbrechen können.
Lichtquellen sind daher ein effektiver Schutz: „Zeitschaltuhren, kleine Lampen hier und da, die im Prinzip mit Beginn der Dämmerung anspringen – das ist auch in der Urlaubszeit eine schöne Geschichte“, so Svenia Temmen. Und das funktioniere innen, aber auch außen – beispielsweise mit Bewegungsmeldern in der Auffahrt oder Leuchten im Garten.
Die Grundregel: Täter wollen schnell und unauffällig sein. „Soweit der Täter das Gefühl hat, es könnte jemand zu Hause sein, probiert er es in aller Regel nicht aus, sondern sucht sich das nächste Haus“, sagt Petra Puls.
2. Türen und Fenster schließen
Was so selbstverständlich klingt, sei in Ostfriesland noch immer etwas, das man den Menschen nahebringen muss, sagt Svenia Temmen. „Nicht nur zuziehen oder zudrücken, sondern abschließen“, ist ihr Appell – vor allem bei Fenstern im Erdgeschoss. Ein weiterer hilfreicher Schutz seien Rollläden. „Beim Lüften: Rollläden runtermachen.“ Auch wenn sie keine klassische Einbruchschutzmaßnahme seien, bieten sie zumindest eine akustische Warnung, wenn jemand daran herumfummelt.
3. Verhaltensprävention: Vorsicht bei der Gartenarbeit
Einbrüche passieren oft dann, wenn Hausbewohner unachtsam sind. Einfache Gewohnheiten könnten da schon einen großen Unterschied machen. Als Beispiel nennt Petra Puls die Gartenarbeit. Ein Diebstahl gehe meist ganz schnell. „Zack rein, schnell geguckt, Portemonnaie gegriffen, Bargeld raus, und wieder ab. Das sind wirklich wenige Minuten. Und das kriege ich im Garten, wenn ich mit dem Kopf unten im Beet hänge, oder die Sträucher schneide, gar nicht mit.“ Svenia Temmen ergänzt: „Und am besten hängt noch vorne an der offenen Tür ein Schild: Bin im Garten.“ Damit lade man förmlich zum Diebstahl ein.
Daher gilt: Tür immer abschließen, auch wenn man nur kurz draußen ist. Denn strafrechtlich ist solch eine Tat anders zu bewerten: „Es ist dann kein Einbruch, sondern ein einfacher Diebstahl“, so Petra Puls. „Die Tür war auf, der Täter musste kein Hindernis überwinden.“ Die Tür müsse dafür nicht offen stehen, es reiche, wenn sie nicht abgeschlossen sei und man sie beispielsweise durch Drücken der Klinke öffnen kann.
4. Sicherheitslücken erkennen
Bevor man in moderne Sicherheitstechnik investiere, sollte eine mechanische Basis geschaffen werden, erklärt Svenia Temmen. „Türen abschließen, Fenster zumachen, und gucken, in welchem Zustand sind meine Türen und Fenster?“ Gibt es beispielsweise irgendwo eine tote Ecke hinter dem Haus, wo ein Fenster relativ schnell aufgehebelt ist, ohne dass der Täter gesehen wird? „Wir müssen uns nicht alle einschließen oder Gitter vor die Fenster machen“, betont Svenia Temmen. Aber man könne bei älteren Häusern immer nachrüsten. Und auch, wer Umbauten plant oder neu baut, sollte von Anfang an auf einen guten Sicherheitsstandard achten.
5. Der Einsatz von Überwachungskameras
Kameras können eine sinnvolle Ergänzung sein, sie seien allerdings nicht als alleinige Schutzmaßnahme zu sehen, sagt Svenia Temmen. Und: Es gibt Regeln, die beachtet werden müssen. „Der öffentliche Bereich ist für meine Kameraüberwachung tabu“, so die Polizistin. So dürften zum Beispiel das Nachbargrundstück oder die Straße nicht gefilmt werden. Und es muss auf die Überwachung hingewiesen werden. „Im Außenbereich müssen Sie vorne vorm Grundstück, wo der Zugang ist, erkennbar machen: Dieser Bereich wird videoüberwacht.“ Besonders wichtig sei es, dass die Kameras hochauflösend sind. So können im Fall eines Einbruchs nützliche Beweise gesammelt werden.
Opferhilfe und seelische Unterstützung
Schwerwiegender als der materielle Schaden ist nach einem Einbruch häufig das Gefühl der Unsicherheit in den eigenen vier Wänden. Petra Puls, die bei der PI Leer/Emden auch viele Jahre in der Opferhilfe tätig war, erzählt das am Beispiel einer Frau. Die sei im Garten gewesen und habe die Tür offengelassen. Als sie zurück ins Haus gekommen war, hätte plötzlich eine fremde Frau in ihrer Küche gestanden. Diese habe behauptet, sie suche ihre Katze. Die Bewohnerin habe ihr nicht geglaubt und sie aufgefordert, das Haus sofort zu verlassen. Daraufhin habe die fremde Frau einen zerknüllten Geldschein auf den Boden geworfen und sei geflüchtet.
„In diesem Fall war es nur ein einfacher Diebstahl beziehungsweise davon sogar noch der Rücktritt – das Geld hat sie ja wiederbekommen“, sagt Petra Puls. Das sei strafrechtlich sehr niedrigschwellig. Aber das Sicherheitsempfinden der Betroffenen sei nachhaltig geschädigt worden. „Sie hatte wirklich Angst“, so Petra Puls. Sie sei nicht bedroht oder attackiert worden. Aber eine völlig fremde Person war in ihr Haus gekommen, in ihre eigenen vier Wänden, in ihren Rückzugsort. „Das unterschätzen sehr viele, was das mit den Opfern macht.“
Professionelle Beratung
Die Polizei bietet kostenlose Sicherheits-Beratungen in den eigenen vier Wänden an. „Wir gucken einfach schon mal, wie ist der Ist-Stand und sagen, was ist möglich oder wo sind die Schwachstellen“, erklärt Svenia Temmen. Aufgrund der großen Beliebtheit dieses Services solle man sich allerdings auf Wartezeiten einstellen. Wer Interesse an einer solchen Beratung habe, könne sich unter praevention@pi-ler.polizei.niedersachsen.de melden.