Trauer am Straßenrand Straßenkreuze in der Region erinnern an Unfallopfer
Immer mehr Kreuze und Blumen markieren die Orte tödlicher Unfälle an den Straßen im Nordkreis. Sie sind stille Mahnmale und werfen Fragen nach dem Umgang mit Trauer im öffentlichen Raum auf.
Region - Ein Unfall dauert meist nur wenige Sekunden. Die Trauer der Angehörigen viele Jahre. Die Frage nach dem „Warum“ quält oft ein ganzes Leben. Die Meldung ist Alltag für Polizei, Journalisten, Zeitungsleser und Statistiker. Für die Hinterbliebenen aber ist die Plötzlichkeit, das Gehen ohne Vorwarnung und Abschied, besonders schwer zu verkraften. Das Leben ist ein anderes geworden. Oft sind es junge Menschen, die getötet werden.
Beim Tod steht den Menschen nur ein relativ begrenztes Repertoire an Ausdrucksformen und symbolischen Mustern zur Verfügung. Wie die Unfallkreuze mit Blumen, Kränzen und Grableuchten als stumme Zeugen tiefer Trauer. Immer häufiger tauchen sie am Rand von Landstraßen auf. An kurvenreichen Straßen stehen manchmal gleich mehrere hintereinander. Orte des Gedenkens, an denen niemand beerdigt wurde. Ob als Brauch, Ritual oder Krisenbewältigungsstrategie definiert, die Kennzeichnung von Sterbeorten hat eine Funktion für die Trauernden und die Gesellschaft. Sie erscheinen als Gegensatz zu der viel zitierten Verdrängung des Todes in der modernen Gesellschaft, nach der Sterben irgendwie uncool ist.
Straßenkreuze als stille Mahnmale nach Unfällen
Diese Volkstrauer wird von den Behörden geachtet und teilweise höher bewertet als die Straßenverkehrsordnung. Die Kreuze, wie auch der Blumenschmuck und die Kerzen, würden „aus Gründen der Pietät“ an den Straßen meist geduldet, sagt Heike Haltermann, Pressesprecherin in der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr Hannover, „solange sie keine Verkehrsgefährdung oder -behinderung darstellen“. Diese Gefahr könne sowohl für den Aufsteller derartiger Erinnerungsstücke bestehen, wenn die Stätte besucht und gepflegt wird, aber auch für die Autofahrer, die durch plötzliches Bremsen vorausfahrender Fahrzeuge gefährdet werden.
„Mahnmale für die rasende Bevölkerung am Straßenrand“
Haltermann: „In manchen Fällen werden dann die Aufsteller gebeten, die Kreuze an andere geschützte Stellen zurückzuversetzen“. Rein rechtlich gesehen handele es sich um nicht erlaubte Sondernutzungen an Straßen. Die Entscheidung darüber könne immer nur im Einzelfall und mit viel Fingerspitzengefühl getroffen werden. „Wir fragen dann die Verkehrsbehörden und die Polizei nach ihrer Bewertung einer möglichen Verkehrsgefährdung“, sagte die Pressesprecherin auf Nachfrage. Die Niedersächsische Straßenbauverwaltung als sogenannter Baulastträger von Straßen ist hier eher diejenige, die in einem solchen Fall diese Kreuze abbauen müsste. Die meisten können bleiben und stehen als Mahnmale für die rasende Bevölkerung am Straßenrand, zwingen zum Hinschauen und Nachdenken darüber, dass das Leben innerhalb eines Sekundenbruchteils vorbei sein kann.