Osnabrück An dieser Landstraße kracht es regelmäßig – Anwohner fühlen sich nicht gehört
Wenige hundert Meter, drei Kurven, 19 Unfälle in acht Jahren: An der Landstraße 85 im beschaulichen Osnabrücker Land in Niedersachsen kracht es in einem bestimmten Abschnitt immer wieder. Ein Zustand, den die Anwohner nicht hinnehmen wollen.
Hartmut Degen erinnert sich genau: Als er nach Hause kam, lag im Wohnzimmer ein Unfallopfer mit blutiger Nase, er war vor seiner Haustür verunglückt. Nachbarin Melanie Büschking erzählt, wie sie plötzlich einen Motorradfahrer vor ihrem Gartenhaus fand. Und bei Familie Brüggemann gehört das Blaulicht im Winter längst zum Alltag. „Ich schaue, wo es blinkt – und fahre in die andere Richtung“, sagt Dirk Brüggemann.
Im Plauderton berichten die Anwohner von ihrem Leben an der Landesstraße 85 zwischen Wehrendorf und Schledehausen im Landkreis Osnabrück – einer Straße, auf der es immer wieder kracht. In den vergangenen acht Jahren gab es auf dem 600 Meter langen Abschnitt mit drei Kurven laut Unfallatlas 19 Unfälle. 2023 waren es drei, im vergangenen Jahr zwei.
Gründe für Unfälle an diesem Abschnitt gibt es einige. Denn hier kommt so ziemlich alles zusammen, was Landstraßen gefährlich macht: Die Straße ist schmal und kurvig, sie führt leicht bergig durchs Land, ist an einigen Stellen schwer einsehbar. Es gibt keinen Radweg, dafür viele Landmaschinen. Besonders Motorradfahrer sind gern auf dieser Strecke unterwegs – laut Anwohnern vor allem am Wochenende.
Bei Polizei und der für die Straße zuständigen Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr sieht man in diesem Abschnitt kein Problem. Die Strecke sei nicht als Unfallschwerpunkt bekannt, heißt es von Landesbehörde auf Anfrage unserer Redaktion. Zuletzt hat die Behörde das Verkehrsaufkommen 2021 gemessen: Damals waren 2900 Fahrzeuge in 24 Stunden unterwegs – also etwa 120 pro Stunde. Ein unterdurchschnittlicher Wert, wie die Behörde mitteilt.
Erst wenn an einer Stelle immer wieder die gleichen Arten von Unfällen passieren, wird sie offiziell als Unfallschwerpunkt eingestuft – und dann schaut eine Unfallkommission genauer hin. Nach diesen Kriterien fällt die L85 durchs Raster
Die Menschen in Mönkehöfen sehen das anders. „Es gibt viel mehr Unfälle, die gar nicht in die Statistik eingehen“, sagt Melanie Büschking. Gerade im Winter, wenn die Fahrbahn rutschig ist, landen regelmäßig Autos im Graben, erzählen die Anwohner. Oft riefen die Fahrer nicht die Polizei, Trecker zögen die Autos wieder aus dem Graben. „Für die Behörden sind wir hier die Querulanten vom Berg“, meint Sandra Brune-Brüggemann.
Ein Unfall, den Hartmut Degen nie vergessen wird, ereignete sich in den den 1980er-Jahren. Damals verunglückte ein junger Motorradfahrer tödlich. Degen war Ersthelfer, hielt den Sterbenden in den Armen und pflegte später auch das Straßenkreuz.
Für die Anwohner ist es nur eine Frage der Zeit, bis es wieder zu einem Unglück kommt. Sie wünschen sich konkrete Maßnahmen: eine Tempo-Reduzierung von 70 auf 50 km/h, und ein Verbot für Schwerlastverkehr. Bislang konnten sie mit ihren Forderungen nicht durchdringen.
Sie befürchten sogar, dass es noch schlimmer werden könnte. In Mönkehöfen soll Ton abgebaut werden und nach aktuellen Planungen die Ausfahrt aus der Tongrube ausgerechnet an einer der unfallträchtigen Kurven sein. Anwohnerin Büschking ist darüber empört: „Vielleicht sollte man dann direkt auf unserem Hof eine Rettungswache einrichten”, sagt sie.