Osnabrück VfR Voxtrup schlägt Alarm: 150 Mitglieder demonstrieren vor Ratssitzung in Osnabrück
Der VfR Voxtrup sieht sich am Limit. Gerade für die Kinder- und Jugendarbeit braucht der Sportverein einen Kunstrasenplatz und eine Flutlichtanlage. Dafür demonstrierten die Mitglieder am Dienstag (16. September) vor der Ratssitzung auf dem Marktplatz in Osnabrück.
Der VfR Voxtrup schlägt Alarm. Auf dem Marktplatz versammelten sich am Dienstag rund 150 Vereinsmitglieder, vor der Ratssitzung, die um 17 Uhr begann. Ziel der Kundgebung: Die Ratsmitglieder davon zu überzeugen, dass der Verein dringend einen Kunstrasenplatz und eine Flutlichtanlage benötigt.
„Wir wären viel mehr gewesen, wenn die Sitzung eine Stunde später angefangen hätte“, erklärt Erik Ropken, stellvertretender Vorsitzender des Vereins und Abteilungsleiter Sport. Viele seien um diese Uhrzeit noch am arbeiten, etliche Kinder und Jugendliche noch in der Schule.
Trotz Regen kommen sie auf den Marktplatz. Im Laufe des lautstarken Protests werden es immer mehr. Wir haben heute „Demo statt Training“, sagt Maike Clausing, ehrenamtliche Trainerin beim VfR Voxtrup, um sie herum stehen Kinder und Erwachsene. Viele tragen die Vereinsfarben Grün-Weiß. Einer von ihnen ist der elfjährige Kilian. „In der Halle haben wir kein Seitenaus, das ist viel zu klein“, berichtet der Innenverteidiger in der D-Jugend von seinem Trainingsalltag und ergänzt: „Wir brauchen den Kunstrasenplatz.“
Die Stimmung vor dem Rathaus ist gut, trotz des Wetters und des Frusts bei vielen aus dem Verein. Auf bessere Trainingsbedingungen warten die Sportler schon seit vielen Jahren. Auch CDU-Ratsfrau Eva-Maria Westermann (selbst Mitglied im VfR Voxtrup) ergreift das Mikro und spricht zur Gruppe. Sie stellt klar heraus, „dass der Verein auch eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe im Stadtteil Voxtrup übernimmt.“ Sie will sich für das Anliegen des Vereins einsetzen. Vor der Ratssitzung spricht auch noch Oberbürgermeisterin Katharina Pötter an die Aktiven vom VfR Voxtrup und bedankt sich für den großen ehrenamtlichen Einsatz.
Dem Verein geht es um Tagungsordnungspunkt 6.3 der Ratssitzung: „Kommunalinvestitionspaket 3 – Beschlussvorschlag zur Verwendung der Fördermittel“. Kurzfristig hat die Mehrheitsfraktion aus Grünen, Volt und SPD einen Änderungsantrag gestellt. Die Mittelvergabe soll in die Beratungen zum Doppelhaushalt 2026/27 aufgenommen werden.
In den vergangenen Tagen haben die darin vom Land Niedersachsen zur Verfügung stehenden 12,37 Millionen Euro und ihre mögliche Verwendung für Schlagzeilen und Streit in Osnabrück gesorgt. „Das haben wir natürlich mitbekommen in der Zeitung und auf Social Media“, so der 55-jährige Ropken, der sich seit seinem 17. Lebensjahr im VfR Voxtrup engagiert.
So kritisieren die Grünen das Vorpreschen der Oberbürgermeisterin Katharina Pötter, das Geld in den Schul- und Breitensport investieren zu wollen. Vor allem die FDP hat ökologische Bedenken wegen der Flächenversiegelung und der möglichen Gefahr durch Mikroplastik. Und eine neue Initiative regt an, das Geld für den Neubau einer Stadtbibliothek in der Innenstadt zu verwenden.
„Wir gehören zu den drei Vereinen, die einen Kunstrasenplatz von dem Geld bekommen sollen“, sagt Ropken. „Und eine Flutlichtanlage, denn sonst bringt uns der Kunstrasen nichts.“ Mit rund 1300 Mitgliedern – die Hälfte davon Kinder und Jugendliche – ist der VfR einer der größten Breitensportvereine der Stadt und stellt die zweitstärkste Fußballkraft hinter dem VfL Osnabrück, so Ropken. Die erste Mannschaft spielt in der Landesliga.
„Wir wollen den Rat davon überzeugen, dass es sich lohnt, in die Kinder- und Jugendarbeit zu investieren“, gibt sich Ropken kämpferisch. Schon jetzt seien die beiden Rasenplätze im Sommer überlastet. Im Winter verschärften fehlender Kunstrasen und keine Flutlichtanlage die Situation massiv: Kindergruppen mit bis zu 30 Spielern müssen in halben Hallen trainieren, manche Mannschaften bekommen nur alle zwei Wochen eine Einheit. „Das ist purer Stress für alle Beteiligten“, erklärt Ropken, der selbst eine E-Jugend trainiert.
„Die Kinder sind enttäuscht, dass sie in der Halle nicht richtig spielen können, und die Trainer sind damit beschäftigt, Ruhe in das Durcheinander zu bringen. Hinterher bin ich mehr geschlaucht als nach einem anstrengenden Arbeitstag.“ Winter ist bei Sportvereinen von Oktober bis Ende März, wenn es draußen schon früh dunkel wird und die Witterung einen Rasenplatz nicht mehr bespielbar macht.
In der Vergangenheit habe es immer Provisorien gegeben. Man habe gegen Platzmiete andere Sportanlagen im Stadtgebiet mit nutzen können. „Sogar bis nach Schledehausen haben wir Elterntaxis organisiert, weil wir dort Zeiten auf einem Platz bekommen haben.“ Ropken macht aus seinem Ärger keinen Hehl, er ergänzt: „Wir sind schon jetzt die Gelackmeierten.“
Wenn die Fußballabteilungen in die Halle ausweichen müssen, beeinträchtige das auch die anderen Angebote des Verein: Dann gibt es weniger Turnen und Tanzen. Und das bringt für den Stadtteil weitere Probleme mit sich, ist Ropken überzeugt: „Früher hat es in Voxtrup mehr Angebote für Kinder und Jugendliche gegeben, vieles davon gibt es heute nicht mehr. Was sollen die jungen Leute denn machen?“
Die Jugendarbeit sei ernsthaft gefährdet. Zumal der Verein in den kommenden Jahren mit einem 20-prozentigen Mitgliederzuwachs rechnet. „Eigentlich ja eine schöne Sache, aber wo sollen wir denn hin, wenn die geplanten Wohngebiete Steininger Heide und Grüner Berg Fahrt aufnehmen?“, fragt Ropken.
Kunstrasenplatz und Fluchtlichtanlage seien für rund 750.000 Euro zu bekommen, ist sich der stellvertretende Vorsitzende sicher. Das würde am schnellsten und günstigsten am jetzigen Standort an der Wasserwerkstraße zu realisieren sein. Der Vorteil dort: Funktions- und Umkleideräume sind bereits vorhanden.