NWZ und Madsack  Verkauf an Madsack - Belegschaft und Betriebsrat der NWZ überrascht

| | 16.09.2025 15:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Madsack Mediengruppe in Hannover will im Januar 2026 die NWZ-Mediengruppe übernehmen. Foto: Ole Spata/dpa
Die Madsack Mediengruppe in Hannover will im Januar 2026 die NWZ-Mediengruppe übernehmen. Foto: Ole Spata/dpa
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Der Verkauf der Nordwest Mediengruppe an die Madsack-Gruppe sorgt bei der Belegschaft für Unsicherheit. Der Betriebsrat prüft nun seine nächsten Schritte.

Oldenburg/Emden - Bei der Belegschaft der NWZ herrscht große Verunsicherung: Der Verkauf der Nordwest Mediengruppe Oldenburg an die Madsack-Gruppe in Hannover kam für den Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr überraschend. Am Montag, 15. September, war der Verkauf in einer kurzfristig anberaumter Betriebsversammlung von der NWZ-Geschäftsführung bekannt gegeben worden. „Was das langfristig alles für uns bedeutet, ist noch unklar“, sagt ein Reporter in Oldenburg dieser Redaktion auf Nachfrage. Und weiter: „Natürlich soll nun alles besser werden ...“ Man wisse jedoch insgesamt sehr wenig - „letztlich nicht mehr als das, was die Geschäftsführung dann in ihrer Mitteilung bekannt gegeben hat“, so eine weitere Stimme aus der NWZ-Redaktion.

Sorge vor Stellenabbau

Auch der Betriebsrat wurde erst kurz vor dem Rest der Belegschaft informiert. „Zeit, etwas vorzubereiten und uns Gedanken zu machen, war also nicht. Wir prüfen nun unsere nächsten Schritte, die wir konzernweit mit den Betriebsräten koordinieren“, so ein Betriebsratsmitglied. Es sei bei der NWZ „schon eine große Beunruhigung wahrnehmbar, insbesondere in Bereichen, die Madsack selbst bereits anbietet und auch bei anderen Beteiligungen zentralisiert hat – wie dem Newsdesk oder auch Controlling/Rechnungswesen“. Noch gebe es keinerlei Informationen zu geplanten Kündigungen. „Bei einem Betriebsübergang, der in diesem Fall im Januar 2026 geplant ist, besteht ein Jahr Kündigungsschutz“, heißt es aus dem Betriebsrat.

Gewerkschaften fordern Erhalt der Arbeitsplätze

Dass mit dem Übergang der Tageszeitungen der NWZ-Gruppe an Madsack Stellen wegfallen, gilt nicht als unwahrscheinlich: Die Mantelseiten werden über kurz oder lang aus Hannover kommen. Zudem sollen alle Zeitungen der Madsack-Gruppe zentral durch das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) in Hannover produziert werden. Dadurch droht bei allen Titeln des Konzerns Stellenabbau.

„Wer Synergien sagt, meint sehr schnell Personalabbau beim übernommenen Verlag. Auch in Oldenburg werden Kolleginnen und Kollegen in Verlag und Redaktionen einer ungewissen Zukunft im kommenden Jahr entgegensehen“, befürchtet deshalb Peter Freitag, Co-Vorsitzender der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. „Wenn Madsack den Kauf der NWZ als Investition in den regionalen Qualitätsjournalismus bezeichnet, wird sich das Unternehmen an seinen Worten messen lassen müssen“, betont Christiane Eickmann, Geschäftsführerin des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) Niedersachsen. Und weiter: „Wir fordern alle Stellen im Lokalen und Regionalen von Oldenburg bis Emden zu erhalten.“

Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus

Noch steht der Verkauf der NWZ-Gruppe an Madsack unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Kartellbehörden - die gilt indes als sehr wahrscheinlich. Im Januar 2026 sollen laut Madsack das Verlagsgeschäft der Tageszeitungstitel „Nordwest Zeitung“, „Emder Zeitung“ und „Anzeiger für Harlingerland“ übernommen werden, außerdem das gesamte Wochenblattgeschäft mit den kostenlosen Sonntagszeitungen und dem „Friesländer Boten“, die Aktivitäten in Druck und Logistik sowie die digitalen Angebote der Mediengruppe und ihre Verlagsbeteiligungen. Zum Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben. Die Nordwest Mediengruppe zähle mit einem Jahresumsatz von über 120 Millionen Euro zu den umsatzstärksten regionalen Medienhäusern in Norddeutschland, so Madsack.

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