Bremen  Laser, LEDs und Leidenschaft: „Stylez!“ im Bremer GOP verbindet Breakdance mit Artistik

Niklas Golitschek
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Von Niklas Golitschek
| 14.09.2025 09:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mit „Stylez!“ präsentiert das GOP Varieté-Theater in Bremen eine humorvolle, gut gelaunte und eindrucksvolle Show. Foto: Niklas Golitschek
Mit „Stylez!“ präsentiert das GOP Varieté-Theater in Bremen eine humorvolle, gut gelaunte und eindrucksvolle Show. Foto: Niklas Golitschek
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Das GOP Varieté Bremen zeigt mit „Stylez!“ eine neue Show, die Breakdance und Artistik auf einer Bühne verbindet. Das bringt so manche überraschende Elemente mit sich.

Streetdance trifft Artistik: Mit einer ebenso erfrischenden wie kongenialen Inszenierung hat das GOP Varieté-Theater in Bremen am Donnerstagabend die vierte Show in diesem Jahr eingeführt. „Stylez!“ zeigt bekannte Elemente neu gedacht und beweist gleichzeitig den Mut, ganz neue Wege zu beschreiten.

Ob musikalisch angeleitet von Trompeten, vom Piano oder der Geige – zu jedem Instrument und jeder Musikrichtung findet das Ensemble die passende Choreografie. Zu klassischer Musik erfährt Breakdance die Eleganz von Ballett, entfaltet zu Techno, Rap und Hip-Hop dann wieder seine volle Energie.

Dass alle Protagonisten ausgebildete Tänzer sind, verschafft ihnen neben mehr Bühnenzeit auch eine gemeinsame Identität. Zumal die nahtlosen Übergänge mit nur wenigen Umbauphasen, die stellenweise in den Tanz integriert sind, die Kurzweiligkeit des Stücks prägen.

Hervorzuheben ist auch das Bühnenbild. Ausgestaltet mit vielen LED-Lichtern muten die aufgebauten Podeste futuristisch an. Durch eine zugeschnittene Tonsynchronisation werden selbst die einzelnen Stufen Teil der Show, an anderer Stelle sind es Laserstrahlen. Genauso die Leinwand in der Mitte. Sie taugt zum einen als atmosphärische Kulisse für die Tanzauftritte. Für den nächsten Soloakt erzeugt sie eine Bewegungsillusion, wenn zum Beispiel Poppin‘ Pain mit seinem digitalen Selbst interagiert.

Auch bekannte Akte entfalten durch diese moderne, wenn nicht gar futuristische, Inszenierung eine ganz andere Wirkung. Akira Fukagawa überlässt das Rampenlicht seinen mit LEDs bestückten Diablos, wenn sie durch den Raum fliegen, und Alexey Glavatskyi ist kaum zu sehen, wenn er sich mit seinem LED Cyr Wheel über die Bühne bewegt – dafür schafft er durch die schnellen Drehungen eine räumliche Illusion. Eine beeindruckende Körperspannung und Dynamik zeigen wiederum Kim Alicia bei ihrem Handstand, das Duo Prime (Duo-Strapaten und Vertikalseil) und das Duo In Motion (Partnerakrobatik).

Der ebenso kreative wie innovative Ansatz lässt sich auf die Entstehung des Programms zurückführen, das das GOP gemeinsam mit der Schweinfurter Künstleragentur DDC Entertainment umgesetzt hat. Als fünf Jungs in Unterfranken eine Breakdance-Crew gründeten, war an abendfüllende Produktionen noch nicht zu denken. Erst nach einigen Turniererfolgen und Begegnungen mit Artisten entstand die Idee, beides zu kombinieren. „Wenn Artistik und Breakdance zusammengelegt werden, entsteht etwas Modernes. Das sind schöne Verbindungen“, umreißt Regisseur Alexander Aguilar vorab.

In nur zwei Jahren seit der Uraufführung zählt die Gruppe 470 Auftritte, die Premiere im Bremer GOP ist die siebte Station. Doch von Abnutzungserscheinungen ist nach so einer intensiven Tour keine Spur zu erkennen – im Gegenteil. „Der Flow ist da, das geht in den Körper über“, schwärmt auch Regisseurin Felice Aguilar von dem Ergebnis. Alle Protagonisten hätten sich mit der Erfahrung weiterentwickelt, am Feinschliff gearbeitet und ihre Motivation gewahrt. So komme die Show der Perfektion nahe.

In dieser Mischung bringen das GOP und DDC tatsächlich eine Show ohne Schwächen auf die Bühne. Die Inszenierung, die Choreografien, das Licht, der Ton, das Zusammenspiel aller Elemente – „Stylez!“ wirkt durchweg stimmig und leidenschaftlich umgesetzt. Quereinsteiger füllen einen unkonventionellen Ansatz gemeinsam mit Routiniers mit Leben. Nach viel Szeneapplaus und Jubel während der kurzweiligen Show hält es zum Applaus kaum noch Besucher auf den Stühlen. Und selbst zum Abschied legen die Artisten noch einmal noch; als wollten sie die Bühne gar nicht verlassen. Immerhin: Sie kehren zurück und sind in „Stylez!“ noch bis zum 9. November in der Hansestadt zu sehen.

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