Berlin VW, BMW und Mercedes blasen zur E-Auto-Attacke – wo bleibt die Hilfe der Politik?
Deutschlands Autobauer stecken in der Krise. Die durchwachsenen bis miserablen Zahlen der letzten Zeit haben auch in der Politik Alarmstimmung ausgelöst.
Erstmals sind die gemeinsamen Anteile von VW, BMW und Mercedes auf den wichtigsten globalen Märkten unter 20 Prozent gesunken. Es kann daher kaum verwundern, dass CSU-Chef Markus Söder just vor der Automesse IAA mal wieder dem sogenannten Verbrennerverbot ab 2035 den Kampf ansagt. Und dass Friedrich Merz für Oktober zum Autogipfel ins Kanzleramt lädt.
Im Kern geht es immer um die gleichen Fragen. Fahren wir bald alle elektrisch? Drückt die Politik durch eine erzwungene Verkehrswende die heimische Industrie in die Knie? Oder würde eine Rücknahme des Verbrenner-Aus die Lage noch verfahrener machen?
Anders als bei den Fragen gibt es bei den Antworten ein paar Entwicklungen. Und sogar ein paar gute: Der chinesische E-Auto-Tsunami ist nicht über Europa hinweg gerollt. Elektro-Pionier Tesla hat seinen Vorsprung verschenkt und steckt in der Krise. Dafür haben die deutschen Hersteller aufgeholt und blasen auf der IAA allesamt zur Stromer-Attacke:
Die Botschaft ist deutlich. Auch wenn die Verkehrswende langsamer in Gang kommt: Die E-Auto-Offensive abzublasen und in den Rückwärtsgang zum Verbrenner zu schalten, ist nicht das, worauf Deutschlands Autobauer setzen. Zumal auch die Erderwärmung keine Pause macht.
Und da sind wir bei der Politik. Sie muss den richtigen Weg finden, der Industrie durch die Krise zu helfen. Und dazu könnte auch die Einsicht gehören, dass es mehr Zeit braucht. Auch den größten E-Auto-Freunden müsste inzwischen klar geworden sein: Mit dem Verkaufsverbot neuer Diesel und Benziner ab 2035 allein ist die Verkehrswende nicht zu schaffen.
Zu einer Industriepolitik im Zeitalter von Donald Trump und Xi Jinping muss freilich auch eine angemessene Unterstützung gehören. Neben ausreichend Ladesäulen braucht es billigen Strom zum Produzieren und zum Tanken. Und noch immer stehen sozial gerechte Kauf- oder Leasing-Anreize aus, damit E-Autos nicht etwas für Besserverdiener bleiben.
Wenn sich die Regierung und die EU endlich aufraffen, die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen und eine gezielte, aber substanzielle Förderung aufzulegen, dann kann das E-Auto noch zur echten Chance für Europa werden. Gerade, weil Donald Trump davon nichts hält. Einen Versuch wäre es definitiv wert.