Ostfriesischer Landwirt ärgert sich Mehr Bürokratie trotz Satelliten, App und KI
Moderne Technik soll eigentlich alles einfacher, schneller und effizienter machen. Ein ostfriesischer Landwirt erlebt allerdings das genaue Gegenteil. Es geht um Zigtausende Euro.
Ostfriesland - Milchbauer Amos Venema ist sauer. Der Agrar-Blogger und „KuhTuber“ aus Jemgum ärgert sich über die Bürokratie, die ihn viele Stunden Mehrarbeit kostet. Die Gründe dafür sind seiner Meinung nach eine schlecht funktionierende Künstliche Intelligenz (KI) – und irgendwie auch die Landwirtschaftskammer und das Landwirtschaftsministerium.
„Viele von uns haben in den zurückliegenden Wochen den Auftrag bekommen, Fotos vom eigenen Land zu machen und diese Bilder dann in einer App hochzuladen“, sagte Venema im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Bauern müssten den Nachweis erbringen, dass die landwirtschaftliche Nutzfläche nicht einfach brach liege. „Da vergeht den jungen Leuten doch der Spaß an der Arbeit“, meint Venema.
Mindestens 50.000 Euro pro Jahr
Unterm Strich geht es für die Bauern um Fördergelder in Höhe von mindestens 50.000 Euro im Jahr – je nach Betriebsgröße. Wer nachweisen kann, dass er das Land auf eine bestimmte Art und Weise bewirtschaftet, bekommt dafür Fördergelder. Damit diese Steuergelder nicht verschwendet werden, werden die jeweiligen Anträge der Landwirte regelmäßig kontrolliert.
„Kontrolle muss sein“, räumt Venema ein. „Aber es ist doch nicht nachvollziehbar, dass das in so kurzen Abständen immer wieder passieren muss.“ Hintergrund: Laut Venema werden die landwirtschaftlichen Flächen alle sechs Tage von Satelliten überflogen. Eine KI werte die Aufnahmen aus. Würden Unregelmäßigkeiten auftreten, sende das System einen Auftrag an den jeweiligen Landwirt, die Fotos selbst zu erstellen.
Ein Tag Mehrarbeit für jeden Bauern
Zum Einsatz kommt hier die sogenannte FANi-App. FANi steht für „Fotos Agrarförderung Niedersachsen“. Auf dieser App landen die Aufträge für die Landwirte. Früher sind die Flächen laut Venema von der Landwirtschaftskammer in Aurich kontrolliert worden. Um Bürokratie abzubauen, sei vor einigen Jahren das neue System eingeführt worden. Doch nun lautet Venemas Fazit: „Hier wird die Arbeit der Landwirtschaftskammer auf die Bauern abgewälzt.“ Er selbst zum Beispiel habe aktuell 20 Aufträge abzuarbeiten. Das beträfe 40 Prozent seiner 130 Hektar großen Fläche. „Das kostet mich locker einen Tag zusätzliche Arbeit“, sagte Venema.
Die Landwirtschaftskammer hingegen verteidigt die FANi-App. „Die FANi-App wird regelmäßig verbessert und optimiert“, teilte die Landwirtschaftskammer mit Sitz in Oldenburg auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Zudem würden die Abläufe und Termine laufend geprüft und angepasst. „Insgesamt ist die App nach unserer Einschätzung und den vorliegenden Rückmeldungen auf einem guten Stand“, so die Kammer. Allerdings gebe es natürlich eine Vielzahl von Smartphones mit unterschiedlichen Versionen der jeweiligen Betriebssysteme. Zudem gebe es Smartphones, auf denen die notwendigen Aktualisierungen der Betriebssysteme nicht durchgeführt würden. In solchen Konstellationen könne es dann und wann zu Problemen bei der Nutzung der FANi-App kommen. Die Landwirtschaftskammer: „Trotzdem sind wir der Auffassung, dass die FANi-App technisch funktioniert.“
Landwirt kontra Kammer und Ministerium
Das sieht Landwirt Venema aus Jemgum anders. Er unterstellt, dass die KI ihren Job nicht hundertprozentig erfüllt. Venema verlangt nun vom Landwirtschaftsministerium in Hannover, Geld in die Hand zu nehmen und die Technik zu modernisieren.
In Oldenburg hält man dagegen. Positiv herauszuheben sei, dass die FANi-App Möglichkeiten biete, bestimmte Nachweise zu erbringen, so die Landwirtschaftskammer. Diese Möglichkeit habe zum Beispiel beim sogenannten Weihnachtshochwasser 2023 genutzt werden können. „Hier konnten Landwirte mittels der App sehr schnell einen Nachweis hinsichtlich der überschwemmten Flächen erbringen – eine wichtige Grundlage für die späteren Entschädigungszahlungen des Landes“, argumentiert die Kammer. „Ohne die App wäre das Verfahren für alle Beteiligten deutlich aufwändiger geworden.“ Aber auch die Landwirtschaftskammer sieht ein: „Es verbleibt aber natürlich der Aufwand für den Antragsteller, die Flächen aufzusuchen und entsprechende Bilder anzufertigen.“