Zu Besuch bei proRC  So läuft das Recyceln von Baustoffen bei Papenburger Firma

Gerd Schade
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Von Gerd Schade
| 06.09.2025 10:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Zum Wiederverwerten aus Beton: Manfred Janssen (links) und Maximilian Ueberschaar präsentieren Recycling-Schotter für den Fahrbahnunterbau.
Zum Wiederverwerten aus Beton: Manfred Janssen (links) und Maximilian Ueberschaar präsentieren Recycling-Schotter für den Fahrbahnunterbau.
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Auf dem Gelände der Firma proRC im Nordhafen in Papenburg ist in diesen Tagen viel in Bewegung. Parallel zum Bau der Betriebsanlagen läuft schon das Geschäft des noch jungen Entsorgungsunternehmens.

Papenburg - Manfred Janssen zieht einen Vergleich zur Medizin. „Wie eine Operation am offenen Herzen“, sagt er, als er seinen Blick aus einem Fenster seines Büro-Containers schweifen lässt. Janssen ist Betriebsleiter des Entsorgungsunternehmens proRC in Papenburg. Die Firma ist gerade in großem Stil dabei, ihre Betriebsstätte samt Anlagen im Industriehafen Nord zu errichten.

Währenddessen läuft auf der viereinhalb Hektar umfassenden Fläche das Geschäft. Material wird an- und ausgeliefert sowie bearbeitet. Dass sich dabei Bau- und Entsorgungsfahrzeuge trotz der Weitläufigkeit des Areals nicht ins Gehege kommen, erscheint nur dem Laien verwunderlich. Alles eine Frage guter Logistik und koordinierten Baustellenmanagements.

proRC ist eine 100-prozentige Tochter der Baufirma Johann Bunte

Bis zu fünf Millionen Euro investiert proRC in den Aufbau seines Standortes, sagt Geschäftsführer Maximilian Ueberschaar im Gespräch mit unserer Redaktion. Das 2023 gegründete Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochter der Johann Bunte Bauunternehmung aus Papenburg.

Obwohl noch im Aufbau, herrscht auf dem Gelände des Entsorgungs- und Recyclingunternehmens proRC im Papenburger Nordhafen reger Geschäftsbetrieb. Fotos: Gerd Schade
Obwohl noch im Aufbau, herrscht auf dem Gelände des Entsorgungs- und Recyclingunternehmens proRC im Papenburger Nordhafen reger Geschäftsbetrieb. Fotos: Gerd Schade

„Bunte wollte eine eigene Kreislaufwirtschaft für die eigenen Baustellenabfälle – verbunden mit dem Ziel, die Quote recycelter Baustoffe zu erhöhen“, erklärt Ueberschaar. Abfälle seien beispielsweise Betonaufbruch, Asphalt oder gemischter Bauschutt. Recycelte Baustoffe sollen also mithilfe einer eigenen Firma eine größere Rolle spielen und die Kreislaufwirtschaft verbessern.

Vom Untenender Marktplatz über ATP bis zur Friesenbrücke

ProRC lässt sich aber beispielsweise auch Naturmaterialien wie Schotter und Sande in großen Mengen auf das Gelände liefern. Von dort wird es dann per Lkw zu Baustellen transportiert. Als Beispiele allein für Papenburg nennt Ueberschaar auf Nachfrage hier den Untenender Marktplatz, den Vorplatz des neuen Rathauses, das ATP-Prüfgelände und die neue Trasse für einen Teil der Rheiderlandstraße. Auch beim Umfeld für die neue Friesenbrücke über die Ems zwischen Weener und Westoverledingen mischt proRC mit. „Wir treten nicht nur als reiner Recycler auf“, so Uberschaar.

Wie Janssen ergänzt, ist das Unternehmen nicht nur auf Bunte-Baustellen fixiert. Überdies arbeite man mit Garten- und Landschaftsbaufirmen zusammen. Dasselbe gelte für „alle Entsorger“ aus der Region, „von denen wir positive Rückmeldungen bekommen“. Und auch Privatpersonen könnten sich an proRC wenden – auch für eine Beratung. Im Kern arbeite das Unternehmen in einem Umkreis von 40 bis 50 Kilometern.

4,5 Hektar umfasst das Betriebsgelände von proRC im Papenburger Nordhafen. proRC
4,5 Hektar umfasst das Betriebsgelände von proRC im Papenburger Nordhafen. proRC

Recyceln unter strengen Regeln

Ueberschaar und Janssen zufolge unterliegt das Recyceln strengen Regelwerken. Die im Oktober 2023 erlassene Ersatzbaustoffverordnung sei nur eine davon. Mit ihr wurde nach Angaben des Bundesumweltministeriums erstmals eine bundeseinheitliche Regelung für die Verwertung mineralischer Abfälle als Ersatzbaustoffe geschaffen.

Das und weitere Vorschriften (Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz unter anderem mit Lärm, Staub- und Geruchsgutachten) wird auf dem Gelände von proRC an verschiedenen Stellen und unterschiedlich ausgeprägt sichtbar. „Dadurch sind wir aber auch ein Vorreiter in der Region“, stellt Ueberschaar selbstbewusst fest.

„Herzstück“ auf dem Betriebsgelände liegt unter der Erde

Dabei sei das „Herzstück“ gar nicht sichtbar. Diese Bezeichnung gibt der Geschäftsführer dem Entwässerungssystem. Es liegt unter der Erde und umfasst Ueberschaar zufolge unter anderem drei große Kläranlagen, die Wasser filtern.

„Außerdem wird jedes unserer Produkte genau analysiert“ – und das sowohl betriebsintern als auch extern, betont Betriebsleiter Janssen. Für die Analyse werde man ein kleines Labor einrichten. Dass Baustellenabfälle sauber getrennt (Metall, Plastik) würden, verstehe sich indes von selbst.

In der Entstehung befindet sich dieser Sicherheitszaun am Schiffsanleger.
In der Entstehung befindet sich dieser Sicherheitszaun am Schiffsanleger.

„Lego-Betonbausteine“ für die Halle wiegen pro Stück zwei Tonnen

Am Ende einer frisch asphaltierten Fläche sind die Umrisse einer 70 mal 20 Meter großen Halle zu erkennen. Die einzelnen großen weißen Bausteine sehen aus wie überdimensionierte Legos. „Sie werden tatsächlich Lego-Betonsteine genannt“, erklärt Ueberschaar. Jeder dieser Quader wiege im Übrigen etwa zwei Tonnen. Allein für deren Anlieferung würden 150 Lkw benötigt. Die Halle soll nach ihrer Fertigstellung Asphalte und bestimmtes Bodenmaterial beherbergen.

Für den An- und Abtransport von Material (auch Nicht-Recycelbares) nutzt proRC auch Bahn und Schiff. „Die Gleise hier haben 15 Jahre stillgelegen“, sagt Janssen. Grundsätzlich sei der Anspruch, so CO2-minimal wie möglich zu operieren. Aber es geht natürlich auch um Effizienz. „Luft im Lkw ist das teuerste Gut“, sagt Janssen im Hinblick auf Leerfahrten von Lastwagen. „Unser Anspruch sind gute Produkte und nachhaltige Transportwege“, fügt Ueberschaar hinzu.

Sicherheitszaun zur Gefahrenabwehr am Schiffsanleger

Am Schiffsanleger fällt derweil etwas anderes auf. Dort entsteht zurzeit ein Sicherheitszaun, der dem Internationalen Code für die Gefahrenabwehr auf Schiffen und in Hafenanlagen genügt.

Wenn alles nach Plan läuft, sollen die Arbeiten bis Jahresende 2025 abgeschlossen sein, sagt Maximilian Ueberschaar. Den Betriebsalltag unter anderem mit Recycling, Annahme, Waage, Vertrieb, Labor, Angebotserstellung und Abrechnung sollen 15 Mitarbeiter bewerkstelligen. Vom Fuß der Friesenbrücke stammt im Übrigen der Schlick, der in einem Container vor Janssens Büro buchstäblich Blüten treibt. Er habe ihn im Frühjahr als ein Experiment dort hineingelegt. Der laut Janssen „reine Schlick“ ist offenbar ein guter Nährboden. Aus dem Container sprießt es jedenfalls in voller Pflanzenpracht. „Das hat mich schon überrascht“, sagt Janssen. Umso mehr freut er sich über das Ergebnis.