Tankstellen-Überfall Friesoyther Räuber muss sich vor Gericht verantworten
Auf der Anklagebank sitzt ein 33-Jähriger aus Friesoythe. Die Mitarbeiterin, die er mit einer Pistole bedroht hatte, schildert den Vorfall und ihre massive Angst.
Friesoythe/Oldenburg - In dem Prozess vor der 4. Großen Strafkammer des Landgerichts Oldenburg bezüglich des Tankstellenüberfalls in Friesoythe im Februar dieses Jahres läuft es offensichtlich auf eine Verständigung zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft über die Strafhöhe hinaus. Angeklagt ist ein 33-jähriger Mann aus Friesoythe wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung. Dem Mann wird vorgeworfen, die Tankstelle an der Ellerbrocker Straße in Friesoythe überfallen und dabei eine Beute von 365 Euro gemacht zu haben.
Gleich zu Beginn des ersten Verhandlungstages regte die Verteidigung des Mannes, der aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde, eine Verständigung an. Das Gericht, die Staatsanwältin und der Verteidiger zogen sich daraufhin zu einem Rechtsgespräch zurück. Nach eingehender Beratung unterbreitete die Strafkammer sodann einen Vorschlag: Man könne sich bei einem vollumfänglichen Geständnis und nicht so gravierenden Folgen bei dem Opfer nach dessen Aussage auf einen Strafrahmen zwischen 2 Jahren und 10 Monaten und 3 Jahren und 6 Monaten verständigen, bei der Höhe selbstverständlich ohne Bewährung. Dabei lasse sich das Gericht davon leiten, dass mit 365 Euro die Beutehöhe noch gering sei und keine außergewöhnliche Brutalität bei der Tatausführung verübt wurde.
Zunächst soll er ein Bierchen gekauft
Nachdem der Polizeibeamte gehört worden war, der die Umstände der Tat und der Tatausführung beschrieben hatte, sagte die 57-jährige Mitarbeiterin der Tankstelle, also das Opfer des Überfalls, aus. Der mutmaßliche Täter habe zunächst ein Feierabendbier gekauft. Unmaskiert. Allerdings habe er Handschuhe getragen. Das sei ihr direkt aufgefallen, versicherte die Frau. Wenige Minuten später habe ein maskierter Mann – „ganz in Schwarz“ – den Laden betreten, die Waffe auf sie gerichtet und geschrien: „Geld her! Schnell, schnell!“
Täter fordert immer mehr Geld
Sie sei so nervös gewesen, berichtete die Zeugin, dass sie zunächst die Kasse nicht öffnen konnte, während der Mann weiterhin mit der Pistole direkt vor ihr herumfuchtelte. „Ich habe noch nie so viel Angst gehabt“, gab sie an. Als sie es endlich geschafft habe, habe sie dem Räuber sämtliche Scheine aus der Kasse in die Hand gedrückt. „Mehr, mehr“, habe er gerufen. „Mehr Geld!“ Sie habe daraufhin den Kasseneinsatz hochgehoben, um dem Mann klarzumachen, dass kein Geld mehr da sei. Daraufhin habe sei er gegangen.
Erst bei der Sichtung der Videoaufnahme durch die Polizei habe sie bemerkt, dass es der Maskierte der Mann gewesen sein müsse, der kurz unmaskiert das Bier gekauft hatte. Wie sie sich denn heute fühle, fragte die Vorsitzende Richterin. „Beschissen“, war die kurze Antwort. Sie habe nächtelang nicht schlafen können. „Ich habe immer nur die Augen aus dem Schlitz der Vermummung gesehen“, sagte sie. Jetzt, so langsam, werde es besser. „Nur wenn jemand mit Helm reinkommt, wird mir heute noch mulmig“, erklärte die Frau, die mittlerweile wieder in der Tankstelle arbeitet.