Berlin  AfD untersagt Auftritte mit Maaßens Werteunion – das steckt dahinter

Leon Grupe
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Von Leon Grupe
| 05.09.2025 10:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ex-Verfassungsschutzchef und heutiger Vorsitzender der Werteunion Hans-Georg Maaßen auf einer Pressekonferenz der AfD. Foto: dpa/Annette Riedl
Ex-Verfassungsschutzchef und heutiger Vorsitzender der Werteunion Hans-Georg Maaßen auf einer Pressekonferenz der AfD. Foto: dpa/Annette Riedl
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Im März wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Bis dahin will die AfD keine gemeinsamen Auftritte mit der Werteunion. Die Entscheidung hat vor allem mit zwei Männern zu tun.

Rechts von der Union, links von der AfD. Nach Überzeugung der Werteunion gibt es hier noch Platz im Parteienspektrum. Bislang ist der erhoffte Durchbruch ausgeblieben. Sowohl bei den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen im vergangenen Jahr als auch bei der Bundestagswahl im Februar scheiterten die Rechtskonservativen auf ganzer Linie. Nun setzt die vom ehemaligen Präsidenten des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen geführte Kleinpartei auf Baden-Württemberg. Dort wird im März 2026 ein neuer Landtag gewählt.

Ob die Werteunion dann eine Chance hat, bleibt ungewiss. Stand jetzt würde sie den Einzug in den Landtag nicht schaffen. Ganz anders dagegen die Lage bei den zwei Parteien links und rechts von der Werteunion. Die CDU führt in den Umfragen komfortabel mit 31 Prozent, die AfD liegt mit 19 Prozent knapp hinter den Grünen auf Platz drei. Dennoch macht sich in der Rechtsaußenpartei offenbar die Sorge breit, die Werteunion könne zumindest einen Teil der Wählerschaft abspenstig machen.

Der Bundesvorstand der AfD hat bereits reagiert: Er untersagte seinen Mitgliedern, bis zur Wahl im kommenden Frühjahr gemeinsam mit Vertretern der Werteunion aufzutreten. Die Landesvorsitzenden in Baden-Württemberg, Markus Frohnmaier und Emil Sänze, hatten eine entsprechende Regelung gefordert. Die Entscheidung traf der Bundesvorstand bereits Mitte Juli.

Auf Nachfrage bestätigte die AfD, dass es „bis zur Landtagswahl am 8. März 2026 keine offiziellen oder inoffiziellen gemeinsamen Auftritte, Diskussionsrunden oder Veranstaltungen“ mit Vertretern der Werteunion geben soll. Der Beschluss gilt demnach ausschließlich für Baden-Württemberg.

Zu den Gründen für das Auftrittsverbot wollte sich die Partei offiziell nicht äußern. Eine interne E-Mail des Bundesvorstandes, die unserer Redaktion vorliegt, zeigt aber, dass die AfD ihre Entscheidung vor allem mit zwei Personalien verknüpft: Jörg Meuthen und Dirk Spaniel.

Meuthen, von 2015 bis 2022 Co-Vorsitzender der AfD, hat maßgeblich geholfen, die Partei erfolgreich zu machen. Vor dreieinhalb Jahren trat er aus, weil er den immer radikaleren Kurs nicht länger mittragen wollte. Spaniel war ebenfalls langjähriges AfD-Mitglied, saß bis Oktober 2024 im Bundestag. Intern galt er als scharfer Kritiker von Parteichefin Alice Weidel. Nach einer missglückten Listenaufstellung für die letzte Bundestagswahl verließ auch er im Herbst die Partei.

Heute eint die beiden Männer ihre neue politische Heimat: Beide haben sich der Werteunion angeschlossen und gehören dem Landesvorstand in Baden-Württemberg an. Darüber hinaus ist Meuthen Vize-Parteichef, auch tritt er als Spitzenkandidat bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg an. In der AfD gilt er bis heute als Symbolfigur des Verrats, „Meuthen“ ist dort eine Bezeichnung für angebliche Abweichler.

In der internen E-Mail warnen Frohnmaier und Sänze ausdrücklich vor der Konkurrenz: Hans-Georg Maaßen werde „in Baden-Württemberg mit einer eigenen Liste gegen die AfD“ antreten. Die Kleinpartei stehe im „direkten Wettbewerb“ zur AfD. Hinzu komme, „dass das Spitzenpersonal dieser Konkurrenzliste – allen voran Herr Meuthen und Herr Spaniel – die AfD in der Vergangenheit wiederholt und massiv beschädigt hat.“

Nach außen zeigt sich die Werteunion unbeeindruckt. Das Auftrittsverbot der AfD sei ein Beleg dafür, dass man als „ernsthafter Konkurrent“ wahrgenommen werde, heißt es aus der Partei. Gleichwohl droht die Partei, sich selbst zu zerlegen. Über den Führungsstil von Parteichef Maaßen tobt ein heftiger Streit. „Maaßen nimmt nur diejenigen mit, die ihm treu ergeben sind, und entmutigt alle anderen“, kritisierte Meuthen kürzlich in der „Welt“. „Diese Führung ist absurd und einer freiheitlichen Partei nicht würdig.“

Maaßen selbst sprach gegenüber der Zeitung von einer „Diffamierungskampagne“. Der Ex-Verfassungsschützer hatte bereits einige Tagen vorher angedeutet, dass er die vor eineinhalb Jahren gegründete Partei bald wieder verlassen könnte.

Für die Werteunion dürfte der Wahlkampf in Baden-Württemberg damit zum doppelten Härtetest werden: gegen die AfD und gegen die inneren Konflikte. Die Voraussetzungen für den ersten Einzug in einen Landtag könnten einfacher sein.

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