Osnabrück  Ein Ehrenmann im Ehrenamt: VfL Osnabrück verliert Klaus Hermeling

Harald Pistorius
|
Von Harald Pistorius
| 05.09.2025 07:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Von 1988 bis 1996 gehörte Klaus Hermeling (links) dem Präsidium des VfL Osnabrück. Nach dem Ausstieg von Präsident Hartwig Piepenbrock (Mitte) zog er sich ebenso wieVizepräsident Friedel Baurichter und Schatzmeister Helmut Wessling zurück. Zweite von links: Piepenbrocks Assistentin Ursula Friedlein. Foto: Helmut Kemme
Von 1988 bis 1996 gehörte Klaus Hermeling (links) dem Präsidium des VfL Osnabrück. Nach dem Ausstieg von Präsident Hartwig Piepenbrock (Mitte) zog er sich ebenso wieVizepräsident Friedel Baurichter und Schatzmeister Helmut Wessling zurück. Zweite von links: Piepenbrocks Assistentin Ursula Friedlein. Foto: Helmut Kemme
Artikel teilen:

Wer Klaus Hermeling und seine Tätigkeit für den VfL Osnabrück in wenigen Worten beschreiben möchte, kann es mit diesem Satz auf den Punkt bringen: „Ehrenmann im Ehrenamt.“ Sein Tod im Alter von 85 Jahren macht betroffen und weckt Erinnerungen.

Im Alter von 85 Jahren ist ein Mann verstorben, der sein Leben lang VfLer war und dabei stets die Werte des Sports achtete und vorlebte. Als Mitbegründer des Hallenturniers um den „Addi-Vetter-Cup“ 1984 hat Klaus Hermeling ein Stück regionaler Sportgeschichte mitgeschrieben, doch mehr noch bleibt er in Erinnerung als ein Gesicht des VfL Osnabrück abseits des Profifußballs; er verkörperte viele Jahre das Gewissen des Vereins.

Er achtete die anderen Vereine und suchte die Zusammenarbeit, er stand für Fairness und einen menschenfreundlichen Umgang. Und er pflegte die Geschichte des VfL in einer Zeit, als der Verein insbesondere im kühlen Profitum der Ära von Präsident und Mäzen Hartwig Piepenbrock seine Wurzeln vernachlässigte.

Es war sein Vorschlag, das Hallenturnier zwischen den Jahren nach dem größten Torjäger des Clubs zu benennen. Später unterstützte Hermeling die Etablierung attraktiver Jugendturniere, die ebenfalls an große VfL-Spieler wie Erich Gleixner und Hannes Haferkamp erinnerten. Mehrfach brachte er ehemalige lila-weiße Fußball-Helden bei geselligen Treffen zusammen.

1988 hatte sich der VfL durch eine Trainerentlassung nach dem ersten Spieltag, einer instinktlosen Erhöhung der Eintrittspreise und sportliche Not erneut Sympathien beim Publikum verscherzt, die unzufriedenen Mitglieder begehrten auf und sorgten nach Jahren mit kurzen, schlechtbesuchten und stillen Jahreshauptversammlungen für Protest. Sie setzten ein Zeichen, als sie Klaus Hermeling zum Sportwart wählten und die beiden Kandidaten des Präsidenten Piepenbrock durchfallen ließen. Bis zum Ende der Ära Piepenbrock übte Hermeling dieses Amt aus; fair im Umgang und hart in der Sache bot er ohne öffentliches Aufsehen dem mächtigen Klubchef die Stirn. Es ging ihm immer nur um den VfL.

Als Spieler der Knabenmannschaft lernte er 1950 noch den holprigen OKD-Platz an der Schlachthofstraße kennen. Ihm folgten seine jüngeren Brüder Heinz und Peter, deren sportliche Lebensläufe bis heute ebenfalls überschrieben werden können mit dem Motto „Einmal VfL – immer VfL!“ Die Familie Hermeling – Mutter Hilde gründete und leitete die Gymnastikabteilung, Vater Heinrich war für die Amateur- und Jugendfußballer zuständig – kommt zusammen auf etwa 250 Jahre Mitgliedschaft.

Klaus war der beste Fußballer des Trios. In der Amateurmannschaft, die in den fünfziger und frühen sechziger Jahren in der zweithöchsten Klasse spielte, war er die rechte Hand von Trainer „Charly“ Komorowski; später kickte er in den unteren Mannschaften des VfL. Seinen letzten Einsatz bestritt Hermeling 1993 an der Seite seiner Söhne Andreas und Oliver, danach hielt er sich bei Radtouren mit Ehefrau Brigitte fit.

Untreu wurde er dem VfL nie, auch in seiner Zeit als Trainer des SV Bad Rothenfelde, den er 1969 ins Halbfinale des Niedersachsenpokals führte, blieb er Mitglied und arbeitete weiter als Trainer, Betreuer und Leiter der Fußballabteilung für seinen Verein. Dem blieb er ebenso treu wie seinem Arbeitgeber: Über 40 Jahre war in verantwortlicher Position beim Presse- und Zeitschriftenvertrieb Mölk, als Prokurist und Geschäftsführer.  Beim VfL wäre Klaus Hermeling 2025 für 75 Jahre Mitgliedschaft geehrt worden.

Ähnliche Artikel