Hamburg Ausweis auf dem Smartphone: Gute Idee, wenn die Digitalisierung idiotensicher ist
Die EU will Ausweispapiere künftig in einer App aufbewahren. Das könnte einiges einfacher machen. Aber das klappt nur unter zwei Bedingungen.
Schöne neue Online-Welt: Statt Plastikkärtchen mit sich herumzuschleppen, sollen Führerschein, Personalausweis und ähnliches künftig auf dem Handy gespeichert werden können. Und zwar mittels einer Wallet-App, wie man sie vielleicht von Konzerttickets kennt. Das ist grundsätzlich eine gute Sache. Zum einen ist das ein weiterer Schutz vor Verlust der Papiere. Zudem erleichtert ein gemeinsamer digitaler Standard für Ausweispapiere das grenzüberschreitende Leben und Arbeiten. Etwa beim Einreichen einer Steuererklärung oder dem Eröffnen eines Kontos. Aber selbst die beste Idee ist nur so gut, wie ihre Umsetzung. Und da gibt es einige Fallstricke.
Die Brieftaschen-App muss bombensicher vor Hackern geschützt sein, denn sonst könnte sie zum feuchten Traum für Betrüger werden. Wer es schafft, in diese App einzudringen, hat beispielsweise alles, was er braucht, um die Identität des Opfers vor Banken und Behörden vorzutäuschen. Dieses Risiko muss (so gut wie) ausgeschlossen sein.
Abgesehen davon muss die Brieftaschen-App im Grunde idiotensicher sein. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigt etwa das Debakel um den digitalen Personalausweis der Bundesregierung. Dass dieser von den meisten Menschen nicht genutzt wird, ist kein Wunder. Die Freischaltung ist umständlich und kompliziert, mit mehreren PINs, die langwierig per Post verschickt werden. Viele ältere Smartphones haben nicht die nötige Hardware und müssen durch ein teures Lesegerät ergänzt werden. Alles in allem also ein Prozess, an dem nicht nur manche digital abgehängte Senioren scheitern.
Beide Ziele stehen dabei allerdings im Widerspruch. Der Schutz vor Hackern und anderen Betrügern macht die Nutzung eines solchen Angebotes mit Zwei-Faktor-Authentifizierung und Verschlüsselung meist deutlich komplizierter. Doch die EU und die Mitgliedsstaaten werden die beiden Anforderungen trotzdem balancieren müssen.
Wenn sich das Ausweis-Debakel beim EU-Projekt wiederholt, wird auch die digitale Brieftasche ein Schattendasein fristen. Und das wäre angesichts des Potenzials dieser Innovation bedauerlich.