29-Jährige im Interview  Flachsmeers neue Pastorin Tabea Frinzel ins Amt eingeführt

Clarissa Scherzer
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Von Clarissa Scherzer
| 01.09.2025 08:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Auf dem Bild sind zu sehen (von links): Superintendent Thomas Kersten, Vikarin Nele Thomaier, Vikar Jonathan Renau, Vikarin Hanna Lechler, Vikarin Christiane Ehrengruber, Pastorin Tabea Frinzel, Pastor Benjamin Jäckel, Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer und Frank Müller (KV-Vorsitz). Foto: Clarissa Scherzer
Auf dem Bild sind zu sehen (von links): Superintendent Thomas Kersten, Vikarin Nele Thomaier, Vikar Jonathan Renau, Vikarin Hanna Lechler, Vikarin Christiane Ehrengruber, Pastorin Tabea Frinzel, Pastor Benjamin Jäckel, Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer und Frank Müller (KV-Vorsitz). Foto: Clarissa Scherzer
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Tabea Frinzel ist die neue Pastorin der Kirchengemeinde Flachsmeer. Im Interview spricht sie über ihren Weg nach Ostfriesland und ihre Pläne für die Gemeinde.

Flachsmeer - Die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Flachsmeer hat eine neue Pastorin. Vor wenigen Tagen wurde Tabea Frinzel (29) in einem festlichen Gottesdienst durch Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer ordiniert. Das sagt Flachsmeers junge Pastorin über Ostfriesland, ihre größten Herausforderungen, über die Liebe und neue Formen kirchlichen Lebens.

Frage: Was hat Sie dazu bewegt, Pastorin zu werden?

Tabea Frinzel: Kirche und Glaube waren für mich immer Heimat. Trotzdem war mein Weg zur Pastorin nicht vorgezeichnet. Ich war die Erste in meiner Familie mit Abitur. Nach dem Abitur habe ich einen Freiwilligendienst geleistet. Dabei habe ich mich das erste Mal intensiv mit dem Gedanken beschäftigt, Theologie zu studieren. Mich fasziniert die Vielfalt des Berufs und die Nähe zum Leben: Von Geburt bis Beerdigung ist alles dabei. Das in Kombination mit meinem Glauben macht den Beruf der Pastorin zum perfekten Beruf für mich.

Woher stammen Sie gebürtig und wie war Ihr Weg nach Ostfriesland?

Ich komme gebürtig aus Oberfranken, später habe ich mit meiner Familie in der Nähe von Celle gewohnt. Nach dem Abitur und dem Freiwilligendienst habe ich in Jena, Greifswald und Göttingen ev. Theologie studiert. Die Wahl der Studienorte habe ich aus verschiedenen Gründen getroffen, das kleine, familiäre Umfeld der Universität (Jena), die Nähe zur Küste und das Interesse an den dortigen theologischen Schwerpunkten (Greifswald) und die Vorbereitung auf das 1. Theologische Examen (Göttingen). Für mein Vikariat wollte ich gerne nach Ostfriesland, weil ich wieder ein bisschen näher Richtung Küste wollte. Außerdem war ich vorher noch nie in Ostfriesland und wollte hier immer mal hin. Weil ich aber auch unbedingt eine gute Bahnanbindung wollte, hat sich Leer angeboten. Hier hat sich mit Ehepaar Jäckel ein tolles Mentorat gefunden, das meine Ausbildung begleitet hat. Während des Vikariats schließlich habe ich meinen jetzigen Lebenspartner kennengelernt, der gebürtig aus Ostrhauderfehn kommt. Wir haben uns gemeinsam entschieden, nach Ende des Vikariats in der Region zu bleiben.

Welche Menschen haben Sie auf Ihrem Weg besonders geprägt?

Ich bin in einem christlichen Haushalt aufgewachsen, Kirche war während meiner Kindheit mein zweites Zuhause. Ich war später im Kirchenkreisjugenddienst aktiv. Das hat mich sehr geprägt. Meine Mutter hat mich damals darin bestärkt, Pastorin zu werden. Aber auch meine Wahlfamilie, meine Freund:innen, die ich während Studium und Vikariat kennengelernt habe, haben immens dazu beigetragen, dass ich heute (auch theologisch) der Mensch bin, der ich bin.

Was war für Sie der emotionalste Moment während der Ordination?

Der emotionalste Moment war, als ich vorne im Altarraum stand und ich die Gemeinde in meinem Rücken gespürt habe, das „Ja!“ der Gemeinde, den Weg hier in Flachsmeer mit mir als Pastorin gemeinsam zu gehen. Da hatte ich richtig Gänsehaut. Und als meine Wegbegleiter mir ihre Worte auf den Weg gegeben und mich gesegnet haben, spürte ich eine wahnsinnige Kraft darin.

Was bedeutet Ihnen die Ordination theologisch?

Die Ordination bedeutet für mich das Berufensein in diesen wunderschönen Beruf, begleitet von Gemeinschaft und Gottes Segen. Ich bin nicht allein in meinem Tun, sondern Teil eines großen Ganzen.

Welche Bibelstelle begleitet Sie besonders auf Ihrem Weg?

Mein Ordinationsspruch steht im 1. Korinther 16, die Verse 13-14: „Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark! Alle eure Dinge lasst in der Liebe Geschehen.“ Die Worte sind für mich Zuspruch und Anspruch zugleich: Mutig und stark vorangehen, fest im Glauben sein, auch Widerständen zu Trotz. Die Liebe zum Beruf und zum Menschen ist der Maßstab meines Handelns. Gleichzeitig weiß ich aber auch um die Liebe Gottes, die mich stärkt.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Pastorin heute in einer sich wandelnden Kirche?

Für mich ist entscheidend, wie Kirche im Leben von Menschen nachhaltig Relevanz gewinnt. Dafür braucht es den Spagat zwischen altgeliebten Traditionen und neuen Formen kirchlichen Lebens. Dazu gehört für mich unter anderem auch, Gemeinde in den Sozialen Netzwerken sichtbar zu machen. Mein Ansatz ist, Menschen da abholen, wo sie sind. Der Glaube spricht mitten in unsere Welt hinein, durch Nahbarkeit und Ehrlichkeit möchte ich Türen öffnen. Dabei geht es mir nicht darum, Altgeliebtes abzuschaffen, sondern gemeinsam gottesdienstliche Formen zu entdecken, die berühren und Strahlkraft haben.

Was sind für Sie die größten Herausforderungen im pastoralen Alltag?

Die größte Herausforderung für mich ist, dass ein großer Teil meiner Arbeit am Schreibtisch stattfindet, mit Bürokratie und organisatorischen Aufgaben. Das ist wichtig und gehört dazu, aber manchmal wünsche ich mir, noch mehr Zeit direkt mit den Menschen verbringen zu können.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

In meiner Freizeit bin ich am liebsten draußen in der Natur, wandern, spazieren, Fahrrad fahren. Und ich bin ein kreativer Kopf und tobe mich mit allerlei Basteleien aus. Ich male gerne Aquarell.

Welche Schwerpunkte möchten Sie in Ihrer Arbeit setzen?

Mir ist wichtig, dass Menschen unabhängig ihrer Herkunft Anknüpfungspunkte bei Kirche und Glaube finden können. Das heißt, ich denke Gemeinde inklusiv und barrierearm. Mir liegt außerdem die Kinder- und Jugendarbeit sehr am Herzen.

Gleichzeitig sehe ich auch die Bedürfnisse der älteren Generation und dass Einsamkeit im Alter oft ein großes Thema ist. Auch dafür möchte ich Formen entwickeln, die Gemeinschaft möglich machen.

Was wünschen Sie sich von Ihrer Gemeinde?

Ich wünsche mir, dass die Zusammenarbeit so begeistert und herzlich bleibt, wie ich sie bisher erlebt habe, getragen vom Glauben und der Überzeugung, dass Kirche ein wichtiger Anker in unserer schnelllebigen Zeit sein kann.

Wenn Sie einen Wunsch für die Zukunft der Kirche frei hätten, was wäre das?

Mein Wunsch für die Zukunft der Kirche ist, dass sie sich nicht in Strukturen verliert, sondern nahbar bleibt und mit der Zeit geht. Dass Menschen spüren, Kirche ist ein Ort, wo ich willkommen bin, wo ich mit meinen Fragen ernst genommen werde.

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