Osnabrück  Abitur in Osnabrück: Werden Schüler immer schlauer – oder die Prüfungen leichter?

Kaja Schmidt
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Von Kaja Schmidt
| 01.09.2025 13:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Niedersachsen meldet für das Abitur 2025 einen Schnitt von 2,45. Wie haben die Schüler in Stadt und Landkreis Osnabrück abgeschnitten? Foto: dpa/Sina Schuldt
Niedersachsen meldet für das Abitur 2025 einen Schnitt von 2,45. Wie haben die Schüler in Stadt und Landkreis Osnabrück abgeschnitten? Foto: dpa/Sina Schuldt
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Abiturienten müssen sich oft mit dem Vorwurf auseinandersetzen, das Abitur sei heute leichter und die Leistungen nicht mehr mit früher vergleichbar. Doch wie entwickeln sich die Abiturnoten in Niedersachsen, im Landkreis und in der Stadt Osnabrück? Ein Blick auf die Zahlen.

Wochenlange Vorbereitungen, Lernstress und Leistungsdruck – all das gehört für Schüler jedes Jahr zum Abitur. Umso frustrierender ist es, wenn danach der Vorwurf im Raum steht: „Das Abitur wird doch sowieso immer leichter.“ Doch stimmt das überhaupt – oder werden die Schüler schlicht besser?

Diese Frage sorgt seit Jahren für Diskussionen. Auffällig: Während der Corona-Pandemie fielen die Abiturnoten vielerorts besser aus – vermutlich wegen angepasster Prüfungen und Bewertungen.

Im Jahr 2020 bestanden in Osnabrück 471 Schüler ihr Abitur, der Notendurchschnitt lag bei 2,62. Ursächlich für die geringe Anzahl an Abiturienten war der Übergang von G8 zu G9 (neun statt acht Jahre Gymnasialzeit), der zu weniger Lerngruppen führte. 2021 stieg die Zahl der Absolventen sprunghaft auf 1117, zugleich verbesserten sich die Noten deutlich auf einen Schnitt von 2,37.

Auch 2022 blieben die Ergebnisse mit 1070 Abiturienten und einem Durchschnitt von 2,36 auf diesem Niveau. In den Jahren 2023 (1119 Abiturienten, Schnitt 2,44) und 2024 (1139 Abiturienten, Schnitt 2,43) verschlechterten sich die Ergebnisse leicht.

Im Landkreis Osnabrück legten 2020 nur 77 Schüler das Abitur ab, der Schnitt lag bei 2,77. Ein Jahr später sah es ganz anders aus: 2021 bestanden bereits 279 Schüler mit einem Durchschnitt von 2,42. In den darauffolgenden Jahren stieg die Zahl der Abiturienten nochmals deutlich. 2022 waren es 648 (Durchschnitt 2,35), 2023 sogar 674 (Durchschnitt 2,39). 2024 blieben die Zahlen fast gleich (673 Abiturienten), der Notendurchschnitt verschlechterte sich leicht auf 2,42.

Auch landesweit zeigen sich ähnliche Entwicklungen: 2020 machten 9884 Schüler ihr Abitur – mit einem Schnitt von 2,67. Schon 2021 stieg die Zahl der Abiturienten sprunghaft auf 30.065, gleichzeitig verbesserte sich der Durchschnitt deutlich auf 2,38. 2022 blieb der Schnitt bei 29.127 Abiturienten stabil. In den Folgejahren 2023 (29.145 Abiturienten, 2,39) und 2024 (28.795 Abiturienten, 2,45) änderte sich die Zahl der Absolventen kaum. Der Notendurchschnitt verschlechterte sich leicht.

Das niedersächsische Kultusministerium meldete für 2025 einen Schnitt von 2,45 – genauso gut wie im Vorjahr und erneut besser als vor der Pandemie. Von 29.360 Prüflingen bestanden 27.500 das Abitur, 550 sogar mit der Bestnote 1,0.

Thüringen führt bundesweit bei den Einser-Abschlüssen: 2024 erreichten dort rund 41 Prozent der Abiturienten eine Note zwischen 1,0 und 1,9. Zum Vergleich: 2006 lag dieser Anteil noch bei 28,9 Prozent. Insgesamt ist der Anteil sehr guter Abiturnoten in den vergangenen 20 Jahren in allen Bundesländern deutlich gestiegen. Am stärksten war die Entwicklung in Berlin, wo der Anteil seit 2006 um 19,2 Prozentpunkte zunahm. Auffällig ist jedoch auch: In Niedersachsen schneiden die Abiturienten im Bundesvergleich tendenziell schlechter ab. Das belegt eine Statista-Grafik.

Ein Blick auf die niedersächsischen Abiturzahlen zeigt: Von einer allgemeinen Verbesserung kann keine Rede sein. Im Gegenteil – der aktuelle Durchschnitt von 2,45 (2024 und 2025) liegt sogar unter den Ergebnissen von 2023 (2,43), 2022 (2,38) und 2021 (2,38). Mögliche Ursache könnten die angepassten Prüfungsbedingungen in den Corona-Jahren sein. Der schwächste Wert im Sechs-Jahres-Vergleich stammt aus dem Jahr 2020 mit einem Schnitt von 2,67.

Auch regional gibt es Unterschiede: In den vergangenen drei Jahren schnitt der Landkreis Osnabrück besser ab als die Stadt, 2020 und 2021 war es noch umgekehrt. Auffällig ist der starke Anstieg bestandener Abiture ab 2020, was sowohl mit leichteren Prüfungen als auch mit dem Wechsel von G8 zu G9 zusammenhängen könnte. Seitdem bewegen sich die Zahlen auf ähnlichem Niveau.

Laut Kultusministerium lag die Durchfallquote 2025 bei 5,96 Prozent und damit knapp unter dem Vorjahreswert (6,01). 11,43 Prozent der Abiturienten erreichten eine Note von 1,5 oder besser – 28,3 Prozent eine 2,0 oder besser. Allerdings seien die Zahlen für 2025 noch nicht vollständig aufbereitet.

Noten hin oder her – Marco Hartrich, Staatssekretär im Kultusministerium sagt: „Der stabile Notendurchschnitt von 2,45 zeigt, dass unsere niedersächsischen Schulen ihre Schülerinnen und Schüler auch in anspruchsvollen Zeiten bestens begleiten und auf das Abitur vorbereiten.”

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