Kopenhagen Geheimoperation: US-Agent sollte angeblich für Trump Grönland infiltrieren
Ein Bericht des dänischen Fernsehens bringt neue Details zu US-Einflussoperationen in Grönland ans Licht. Dänemark reagiert mit diplomatischen Schritten, die Beziehungen zu den USA erreichen einen neuen Tiefpunkt.
Amerikaner verantworten eine Einflusskampagne in Grönland mit dem Ziel, das Gebiet den USA anzuschließen – diese Behauptung ist nicht wirklich neu, erfährt jetzt jedoch eine ganz neue Brisanz. Das dänische öffentlich-rechtliche Fernsehen DR hat einen Bericht hierzu gesendet, der den dänischen Außenminister Lars Løkke Rasmussen zu einer eilig anberaumten Pressekonferenz am Mittwochmorgen zwang.
„Es ist wichtig, klare Worte zu vermitteln“, so Rasmussen. Jene wollte der Däne an Mark Stroh richten, dem Geschäftsträger der US-Botschaft, welcher zu einem „vorbeugenden Gespräch“ ins Außenministerium in Kopenhagen einbestellt wurde. Die Ausgangslage ist bekannt – US-Präsident Donald Trump will die arktische Insel den USA eingliedern, er argumentiert mit Sicherheitsinteressen und dem ökonomischen Interesse an Bodenschätzen.
Seit Dezember setzt der Amerikaner darum Dänemark unter Druck, er drohte mehrfach mit einer möglichen Invasion Grönlands. Das skandinavische Land bestimmt formal die Außen- und Sicherheitspolitik des halbautonomen Gebiets. Nach „acht Quellen“ des DR würde sich ein US-Staatsbürger und Vertrauter Trumps seit Monaten in Grönland aufhalten und dort „Einflussoperationen“ und „Infiltrierungen“ verantworten – diese Worte seien von amerikanischer Seite genutzt worden.
Dabei würde jener Amerikaner eine Liste von Grönländern auf der Insel und in Dänemark anfertigen, welche Trumps Vorhaben unterstützen, um eine Sezessions-Bewegung zusammenzustellen. Auch sollen in der Hauptstadt Nuuk Grönländer animiert werden, Fälle vorzubringen, welche die ehemalige Kolonialmacht Dänemark in ein schlechtes Licht rückten.
Gleichzeitig stellte der prominente „Agent“ auch eine Liste von Gegnern der US-Pläne zusammen. Der Amerikaner soll zudem eine wichtige Position innerhalb der US-Sicherheitspolitik spielen. Das dänische Fernsehen nennt dabei keine Namen, um seine Quellen zu schützen.
Hinzu kommt, dass zwei weitere US-Bürger aus dem Trump-Lager immer wieder zu der Insel reisten, um Kontakte zu Politikern und Geschäftsleuten zu knüpfen. Glaubt man dem Fernsehbericht, gebe es einen Drei-Stufen-Plan – zu Beginn die Charmeoffensive, dazu zählt die Reise von Donald Trump Jr. im Januar nach Nuuk.
Danach dann „Einschüchterung“, dazu wird der Aufenthalt des Vize-Präsidenten JD Vance auf dem Militärflughafen Pituffik im März gerechnet, der dort Dänemark „Versagen“ in Grönland vorgehalten hat. Im Frühjahr solle dann die Infiltrationsphase beginnen.
Der dänische Inlandsgeheimdienst PET bestätigt „Einflusskampagnen“, ohne die Amerikaner direkt zu nennen. Ihre Aktivitäten auf Grönland will die Regierung in Kopenhagen nun ausbauen. Wird die Insel, auf der sich ein US-Militärflughafen befindet, somit zum Schauplatz dänisch-amerikanischer Auseinandersetzungen?
Das Thema „Einflussoperation“ ist nicht neu. Bereits im Mai berichtete die US-Zeitung „Wall Street Journal“ über geplante Aktivitäten der US-Geheimdienste CIA, DIA und NSA auf Grönland. Glaubt man dem Artikel, so würden neben Satellitenüberwachung und Abhörmaßnahmen auch auf „Spione vor Ort“ in Grönland und Dänemark gesetzt.
Løkke war darum nach seinen eigenen Worten nicht überrascht über den Bericht des dänischen TV-Senders. Auf Gegenliebe der Grönländer stoßen die US-Ambitionen nicht. Nach Umfragen wollen 85 Prozent der 57.000 Insulaner keine Amerikaner werden. Offiziell unterstützt auch keine Partei die Idee, sich in einen Bundesstaat der USA zu verwandeln.
Unter Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen, seit März im Amt, sind die Beziehungen zu Dänemark intensiviert worden, auch will Nielsen die Beziehung mit der EU stärken, was Washington kaum gefallen dürfte. Auf der anderen Seite streben die meisten grönländischen Parteien eine Unabhängigkeit von der dänischen Krone an.
Als möglicher Partner der USA in Grönland gilt Pele Broberg, Chef der Oppositionspartei „Naleraq“, welche bei den Wahlen im Februar die zweitmeisten Stimmen erhielt. Die populistisch ausgerichtete Gruppierung fordert am vehementesten die Unabhängigkeit von Dänemark. Bereits 2019 begrüßte Broberg Trumps ersten Vorstoß, Grönland von Dänemark abzukaufen. Und im Mai äußerte sich der Unternehmer lautstark, Donald Trump treffen zu wollen und forderte die Regierung in Nuuk dazu auf, ohne Dänemark mit den Amerikanern zu verhandeln.
Wie ernst die Regierung in Dänemark eine amerikanischen Einflussnahme nimmt, zeigte Mette Frederiksens Initiative nach Bekanntwerden der DR-Recherche. Die Sozialdemokratin wandte sich mit einer Entschuldigungserklärung an die grönländischen Frauen, welchen in den Sechziger- und Siebziger-Jahren unter Zwang die Spirale eingeführt wurde. Mehr als hundert Betroffene klagen derzeit gegen den dänischen Staat, das Thema kann so vom Trump-Lager instrumentalisiert werden.
Sicher ist: Die Beziehungen zwischen Kopenhagen und Washington haben nun einen Tiefpunkt erreicht. Dabei wirkte Dänemark als Nato-Mitglied der ersten Stunde über die Jahrzehnte als besonders US-naher Partner. Dies ging so weit, dass dänische Behörden 2013 dem US-Geheimdienst Nasa erlaubten, Unterseekabel anzuzapfen, um europäische Spitzenpolitiker abzuhören – die Dänen eingeschlossen.