Hamburg  Nur ein Prozent Veganer in Deutschland – und trotzdem sind sie überall präsent

Sophie Wehmeyer
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Von Sophie Wehmeyer
| 19.08.2025 06:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Die Deutschen lieben Fleisch: Die Zahl der Vegetarier und Veganer ist verschwindend gering. Und trotzdem bestimmt diese Minderheit mit, was in Cafés, Fast-Food-Ketten und Kantinen auf den Tisch kommt. Aber ist das wirklich schlimm?

Veganer Käse, Tofu-Würstchen oder Seitan-Steak: Wer durch den Supermarkt schlendert oder Prospekte durchblättert, könnte meinen: Die Deutschen wollen kein Fleisch mehr. Doch die Realität zeigt: Das Gegenteil ist der Fall. 

Das Nationale Ernährungsmonitoring liefert klare Zahlen: Gerade mal vier Prozent der Deutschen ernähren sich vegetarisch, ein Prozent vegan. Damit ist der Anteil wirklich überschaubar – 95 Prozent halten an Schnitzel, Hack, Grillsteak oder der Bratwurst fest. Trotz wachsender Auswahl an pflanzlichen Alternativen bleibt die „Mischkost“, bei der täglich tierische Produkte auf den Tisch kommen, die dominierende Ernährungsweise.

Ein überfälliger Realitätscheck: Der Hype um Alternativen aus Soja, Hafer oder Hülsenfrüchten erreicht die Menschen im Alltag nur begrenzt. Abseits der Großstadt, in der vegane Restaurants boomen, bleibt die Küche bodenständig: vom Mettbrötchen im Norden bis zur Weißwurst in Bayern. Der große Umbruch bleibt aus. Zwar sinkt der Fleischkonsum in Deutschland seit Jahren langsam, doch politische Vorstöße wie ein „Veggie-Day“ oder eine Fleischsteuer sind bisher gescheitert. Was soll der „Veggie-Boom“, wenn ein Großteil der Bevölkerung Fleisch der Tofu Bowl vorzieht?

Und doch: Der Einfluss der kleinen Gruppe an Veganern und Vegetariern ist größer, als ihre Zahl vermuten lässt. Und dafür gibt es Gründe, die über die bloße Anzahl hinausgehen.

Ein wachsender Anteil der Deutschen isst „flexitarisch“ – reduziert also den Fleischkonsum, ohne vollständig darauf zu verzichten. Sie bilden eine Verbindung zwischen Mischkost und pflanzlicher Ernährung, möchten sich nachhaltiger ernähren und sind mit etwa einem Viertel bereits deutlich zahlreicher als Veganer oder Vegetarier.

Auch für sie erweitern Supermärkte ihr Sortiment massiv, setzten Fast-Food-Ketten auf vegane Burger und bieten Cafés ihren Cappuccino mit Hafer- oder Sojamilch an. Lebensmittelkonzerne investieren Milliarden in neue Produkte, Start-ups forschen an Laborfleisch und Käse aus Hefepilzen. Hätte es die Diskussionen um ein Tierwohl-Label oder Fleischangaben ohne die vegane oder vegetarische Bewegung gegeben? Wohl kaum.

Festzuhalten bleibt: Auch wenn die Mehrheit beim Fleisch bleibt, hat eine laute Minderheit den Markt und die Debatte bereits verändert.

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