Kritik am Klinikum  Medienschelte von Dirk Balster – so reagiert die Politik

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 18.08.2025 16:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Das Klinikum in Emden. Foto: Klaus Ortgies
Das Klinikum in Emden. Foto: Klaus Ortgies
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Der Geschäftsführer der Trägergesellschaft der Kliniken Aurich-Emden-Norden hatte der Presse vorgeworfen, tendenziös und fahrlässig zu berichten. Jetzt haben sich einige Fraktionen zu Wort gemeldet.

Emden - Die jüngsten Äußerungen von Dirk Balster, Geschäftsführer der Trägergesellschaft der Kliniken Aurich-Emden-Norden, haben in Emden und Aurich für Diskussionen gesorgt. Balster hatte eine Presseanfrage öffentlich gemacht und der lokalen Presse unisono vorgeworfen, fahrlässig zu berichten in der Absicht, den Kliniken bewusst schaden zu wollen. Zu dieser Einschätzung, die wir an dieser Stelle erneut zurückweisen, haben sich einige Fraktionen aus dem Emder Rat und dem Auricher Kreistag zu Wort gemeldet – teils mit scharfer Kritik, teils mit Rückendeckung für den Geschäftsführer.

Dirk Balster ist Geschäftsführer der Trägergesellschaft Kliniken Aurich-Emden-Norden. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Dirk Balster ist Geschäftsführer der Trägergesellschaft Kliniken Aurich-Emden-Norden. Foto: Klaus Ortgies/Archiv

Auslöser der Debatte sind mehrere Berichte dieser Zeitung über mutmaßliche Fälle von Fehldiagnosen im Emder Klinikum. Bei einer Gerichtsverhandlung, bei der im Mai dieses Jahres der Fall einer an Lungenkrebs verstorbenen Emderin verhandelt wurde, war von unabhängigen Gutachtern geschlussfolgert worden, dass der Krebs der Patientin im Emder Klinikum früher hätte erkannt werden müssen. Als Reaktion auf den Artikel meldeten sich weitere Angehörige bei der Redaktion, die über ähnliche Erfahrungen berichteten. Auf Nachfrage hatte die Trägergesellschaft anschließend ausweichend geantwortet.

Geschäftsführer Dirk Balster: „überwiegend tendenziöse und fahrlässige“ Berichterstattung

In einer öffentlichen Stellungnahme vom 31. Juli 2025 warf der Geschäftsführer der Trägergesellschaft, Dirk Balster, der ostfriesischen Lokalpresse dann unter anderem eine „überwiegend tendenziöse und fahrlässige“ Berichterstattung vor. Die Zeitungen wollten dem Emder Klinikum „stets und bewusst“ schaden. Eine sachliche Aufklärung und dadurch Beruhigung der Bevölkerung scheine nicht „im Interesse der verzweifelt um Auflage und Existenz kämpfenden Redaktionen zu liegen“, so Balster. Die Berichterstattung enthalte „nicht gesicherte und selektive Schuldzuweisungen“ und schüre „erhebliche Unsicherheit in der Bevölkerung“. Die gesamte Stellungnahme von Dirk Balster kann man hier nachlesen: link.zgo.de/Balster. Die Chefredakteurinnen und Chefredakteure der in Ostfriesland erscheinenden Tageszeitungen haben gemeinsam mit einem öffentlichen Brief auf die Vorwürfe des Geschäftsführers reagiert.

Emder FDP: irritierende und unangemessene Wortwahl

Die Emder FDP-Fraktion hat die Äußerungen Balsters scharf kritisiert. „Die Wortwahl von Herrn Balster ist irritierend und in Ton wie Inhalt unangemessen“, schreibt der Emder Ratsherr Alexander von Glisczynski. Wer von der Presse eine sachliche und differenzierte Berichterstattung fordere, solle selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Von Glisczynski betont, dass die Pressefreiheit ein hohes Gut sei – auch dann, wenn die Berichterstattung unbequem sei. Pauschale Vorwürfe gegen die Medien schadeten dem demokratischen Diskurs und untergrüben das Vertrauen in eine offene und kritische Öffentlichkeit. Journalistinnen und Journalisten würden pauschal diskreditiert, die freie Meinungsbildung gerate unter Druck.

Die Fraktion fordert Transparenz, Offenheit und Respekt vor Kritik „und nicht polemische Angriffe“. Die Fraktion hat zudem konkrete Fragen an Emdens Oberbürgermeister und den Aufsichtsratsvorsitzenden der Trägergesellschaft, Tim Kruithoff (parteilos), gerichtet, in denen die Kritik an Balster und dessen Tonfall ebenfalls deutlich wird. Tim Kruithoff hat sich zur Diskussion bisher nicht öffentlich geäußert.

CDU Emden: Redaktionen unverzichtbarer Teil der funktionierenden Öffentlichkeit

Der Emder CDU-Kreisverband hat sich in einer Einladung zum Kreisparteitag solidarisch mit der lokalen Presse gezeigt. Kreisvorsitzender und Ratsherr Wilke Held schreibt: „Uns ist bewusst, dass kritischer Journalismus gerade in bewegten Zeiten Rückgrat, Unabhängigkeit – und manchmal auch einen langen Atem braucht. Die jüngsten Debatten um die Rolle der lokalen Presse haben uns einmal mehr gezeigt, wie zentral ein respektvoller, professioneller Austausch zwischen Politik und Medien für unsere demokratische Kultur ist. Als CDU Emden schätzen wir die Arbeit Ihrer Redaktionen – nicht nur als Beobachter, sondern als unverzichtbaren Teil einer funktionierenden Öffentlichkeit.“

GfE Emden: Presse wird „unter den Augen eines Oberbürgermeisters und eines Landrates beschimpft und beleidigt“

Michael Martens von der Wählergemeinschaft „Gemeinsam für Emden“ (GfE) kritisiert, dass Presseanfragen und auch Fragen aus der Politik an die Klinikleitung seit Jahren nicht, nur unzureichend oder verspätet beantwortet würden. „Mittlerweile wird, wie aktuell geschehen, die Presse unter den Augen eines Oberbürgermeisters und eines Landrates beschimpft und beleidigt. Mehr noch, der Landrat Meinen liked das Pamphlet von Balster, anstatt ihm die Leviten zu lesen“, so Martens. Landrat Olaf Meinen hatte sich bisher ebenfalls nicht öffentlich geäußert, das Statement von Dirk Balster, das die Trägergesellschaft bei Facebook postete, jedoch mit „Gefällt mir“ markiert.

Auricher Kreistagsfraktion Moin: „missbilligen Presseschelte“

Auch die Auricher Kreistagsfraktion Moin kritisiert die Informationspolitik der Trägergesellschaft. Dirk Balster zeige sich als „Wegbereiter einer undemokratischen Allianz von SPD und CDU in Sachen Kliniken“. Kleinere, im Kreistag vertretene Fraktionen, seien vom breiten Informationsfluss ausgeschlossen und hätten sich mit zugeteilten Informationsalmosen der Trägergesellschaft und Kreisverwaltung abzufinden. „Wir distanzieren uns von derart undemokratischen Regelungen. Besonders missbilligen wir die Presseschelte in der uns nicht vorgelegten und nicht von uns autorisierten Pressemitteilung des Geschäftsführers der Trägergesellschaft Aurich-Emden-Norden mbH und fordern die Aufnahme aller Kreistagsfraktionen in die Gremien der Trägergesellschaft“, schreiben Heinrich Ubben und Edgar Weiss. Die Moin-Fraktion begrüße eine kritische Berichterstattung und betrachte diese als wesentlichen Teil der demokratischen Gesellschaft.

Auricher Kreistagsfraktion CDU/FDP: Rückendeckung für Balster

Die Auricher Kreistagsfraktion CDU/FDP hebt in einer Stellungnahme die hohe Qualität der medizinischen Versorgung an den Klinikstandorten hervor. „Vor diesem Hintergrund halten wir es für unangemessen und unverantwortlich, auf Basis einzelner Vorfälle den Eindruck zu erwecken, es gebe grundlegende Qualitätsmängel in unseren Kliniken“, so Kreistagsgruppenvorsitzender Sven Behrens. Die Darstellungen schadeten dem Ansehen der Einrichtungen, verunsicherten Patientinnen und Patienten und wirkten demotivierend auf das Personal. „Wir rufen alle Beteiligten dazu auf, bei der Diskussion um die medizinische Versorgung sachlich und respektvoll zu bleiben. (...) Es ist essenziell, die Zentralklinik nicht kaputt- oder schlechtzureden, sondern gemeinsam an ihrer positiven Weiterentwicklung zu arbeiten.“ Die Fraktionsgruppe begrüße die „klare öffentliche Stellungnahme“ von Dirk Balster. Es sei Teil seiner Aufgabe, die Interessen der Trägergesellschaft öffentlich zu vertreten. Einen Anlass für ein Einschreiten des Aufsichtsratsvorsitzenden oder seines Stellvertreters sehe die Fraktion daher nicht.

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