Sorge nach Schließung  Kindergarten in Leer geschlossen – wohin mit den Kindern?

Lars Löschen
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Von Lars Löschen
| 15.08.2025 11:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der alte Kindergarten von Moritz und Ida ist dicht. Die Eltern Marcel und Nadine Herrnberger haben das aber erst kurzfristig erfahren. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Der alte Kindergarten von Moritz und Ida ist dicht. Die Eltern Marcel und Nadine Herrnberger haben das aber erst kurzfristig erfahren. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
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Der Kindergarten Piratennest in Leer ist jetzt dicht. Die Eltern haben von der Schließung aber erst wenige Monate vorher erfahren. Also wohin mit den Kindern? Eine Suche unter Zeitdruck.

Leer - Am 1. August 2025 hat das neue Kita-Jahr in Leer begonnen. Im Stadtgebiet hat das Kinnerhuus Middenmang Heisfelde eröffnet. Zeitgleich hat der Kindergarten Piratennest in Nüttermoor offiziell dicht gemacht – zum Entsetzen einiger betroffener Eltern. Marcel und Nadine Herrnberger aus Loga berichteten dieser Zeitung, dass sie erst am 19. Mai 2025 – also knapp elf Wochen vor Schluss – von der Schließung erfahren haben. Ob ihre beiden Kinder ab dem 1. August einen Kindergartenplatz haben, bezweifelte das Paar damals stark.

Nun sagt Marcel Herrnberger auf Nachfrage, dass seine Kinder in einem Kindergarten in Leer untergekommen sind. Das Paar ist erleichtert. „Allerdings haben wir die Plätze auf eigene Faust gefunden“, sagt Herrnberger. Vom Landkreis – der eigentlich für die Kita-Versorgung im Stadtgebiet zuständig ist – sei gar nichts gekommen.

Neun Kinder ohne Kindergartenplatz

Die Herrnbergers sind nicht die einzige Familie, die sich kurzfristig um einen neuen Kindergartenplatz bemühen musste. Auf einem Elternabend beim Piratennest wurde eine Liste mit den zu versorgenden Kindern erstellt und an den Landkreis übergeben. Auf dieser Liste standen neun Kinder aus sieben Familien, so der Landkreis.

Viel Zeit verbringen die Herrnbergers mit ihren Kindern im Garten. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Viel Zeit verbringen die Herrnbergers mit ihren Kindern im Garten. Foto: Klaus Ortgies/Archiv

Auf aktuelle Nachfrage heißt es vom Landkreis, dass allen betroffenen Kindern ein Platz angeboten werden konnte. Für das Kita-Jahr 2025/2026 fehlen 65 Plätze. Zur Einordnung: Im Mai waren noch seitens des Kreises 92 fehlende Plätze prognostiziert worden. Außerdem gebe es noch freie Krippenplätze im Stadtgebiet Leer (Kinder bis zur Vollendung des 3. Lebensjahres). Seit Übernahme der Aufgabe habe der Landkreis 125 neue Betreuungs-Plätze (Krippe und Kindergarten) geschaffen, heißt es weiter.

Krippenplätze in Leer

Soweit Eltern noch einen Krippen-Platz suchen, können sie sich an die Mitarbeitenden der Kita-Verwaltung wenden:

kita@lkleer.de oder telefonisch:

Zuständigkeit nach Nachnamen des Kindes

  • A bis G: 0491 926-1456
  • H bis M: 0491 926-1452
  • N bis Z: 0491 926-1485

So bereitet man Kinder auf einen Kita-Wechsel vor

„Es kann eigentlich auch nicht gut für ein Kind sein, wenn es einfach so aus seiner gewohnten Umgebung gerissen wird“, sagt Nadine Herrnberger zu der Schließung des Kindergartens Piratennest. Denn die Kinder würden ihre Erzieher und Freunde gleich mitverlieren.

Egal, ob der Kindergarten geschlossen wird oder die Familie in eine neue Gegend zieht – man solle mit den Kindern im Vorfeld darüber sprechen, sagt Melanie Krause. Sie ist Leiterin der Kindertagesstätte Niedersachsenring in Leer und Vorsitzende vom Kita-Fachkräfteverband Niedersachsen-Bremen. „Am besten man verkauft den Kindern das als etwas Positives: Du wirst neue Freunde und Erzieher kennenlernen“, sagt Krause. So handhabe man das auch als Vorbereitung auf die Schule. Das nehme den Kindern die Angst. Wenig bringen würde es, die Kinder damit zu überraschen. „Die Kinder fühlen sich dann schnell hintergangen.“ Wichtig sei auch, dass das Onboarding – also das Ankommen in dem neuen Kindergarten – klappt. Dafür sollten Eltern mit den Erziehern speziell über die Bedürfnisse ihres Kindes sprechen. So könne man Zwischenfälle minimieren.

Deswegen musste der Kindergarten Piratennest schließen

Der Kindergarten Piratennest gehörte zur Reederei Hartmann. Es handelte sich dabei um einen Betriebskindergarten – also ein Kindergarten, der eigentlich für die Kinder der Mitarbeiter der Reederei gedacht war. Laut dem Geschäftsführer Jan-Lars Kruse wären vor einigen Jahren noch etwa 80 bis 90 Prozent der Betreuungsplätze durch „Mitarbeiterkinder“ belegt gewesen, in den vergangenen Jahren habe sich das aber geändert. Zuletzt seien nur vier der rund 15 Kinder von Mitarbeitern gewesen.

Geschäftsführerin Ilka Hartmann hat 2009 den Betriebskindergarten Piratennest der Leeraner Reederei Hartmann eröffnet. Dieses Bild ist im August 2019 entstanden. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Geschäftsführerin Ilka Hartmann hat 2009 den Betriebskindergarten Piratennest der Leeraner Reederei Hartmann eröffnet. Dieses Bild ist im August 2019 entstanden. Foto: Klaus Ortgies/Archiv

Die Reederei habe sich laut eigener Aussage darum bemüht, den Kindergarten zu erhalten. Verhandlungen mit dem Landkreis Leer seien erfolglos geblieben. Als Unternehmen, das wirtschaftlich denken müsse und jährlich eine „signifikante sechsstellige Summe“ in den Kindergarten investiere, sei die Schließung unumgänglich gewesen, hieß es. Auch der Träger der Einrichtung, die Gemeinnützige Unternehmergesellschaft Tigerente, erklärte auf Anfrage, dass ohne Deckung der Kosten ein Betrieb nicht möglich sei. Ein Miet-Angebot der Reederei sei daher abgelehnt worden.

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