Kleidercontainer im Kreis Leer Immer mehr Textilien und immer mehr Müll
An Combi- und Famila-Märkten werden Altkleidercontainer abgebaut, weil dort immer mehr Müll entsorgt wird. Plant der Landkreis Leer ähnlich drastische Maßnahmen?
Leer - Jeans, Pullover, T-Shirts und die Sneaker vom vergangenen Jahr – ob sie nun ausgeleiert oder beinahe neu sind oder ob man sie einfach nicht mehr leiden mag: Gebrauchte Kleidung sollte gewaschen, aber trocken, in den passenden Container geworfen werden. Dahinter steckt ein guter Gedanke, denn aus getragenen Textilien lassen sich neue machen. Wären da nicht unangenehme Begleiterscheinungen.
Immer wieder beklagen sich Menschen gegenüber unserer Redaktion darüber, dass die Container ständig voll sind und Leute dann ihre Alttextilien einfach daneben schmeißen. Liegen da schon alte Klamotten, dann landet auch noch Müll daneben. Wegen solcher Zustände hat die Bünting-Gruppe in Nortmoor nun eine drastische Entscheidung getroffen: An den Combi- und Famila-Märkten sollen die Altkleidercontainer abgebaut werden.
100 Tonnen Müll pro Jahr gesammelt
Davon ist der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Leer weit entfernt, auch wenn der Müll an Altkleidercontainern zugenommen habe. Die Lage an den Altglascontainerstandorten sei hingegen nicht schlimmer geworden, sagt Betriebsleiter Klaus Anneke. „Wir stellen keine Zunahme fest.“ Was nicht heißt, dass es rund um Altkleider- und Altglascontainer überall proper aussähe. Jedes Jahr, so Anneken, würden gut 100 Tonnen Müll erfasst, die an Altglas-Standorten eingesammelt werden. Der Abfallwirtschaftsbetrieb beschäftigt einen Mitarbeiter samt Fahrzeug, der nach der Leerung an den Standorten aufräumt.
So werden Altkleider richtig entsorgt
Für Verwirrung hat eine neue Regelung zur Entsorgung von Alttextilien gesorgt, die seit dem 1. Januar 2025 gilt. Tatsächlich ändert sich jedoch für die meisten Menschen in Deutschland gar nichts, wie das Bundesumweltministerium auf seiner Internetseite schreibt. Denn es gilt: Das vom Landkreis Leer mit der Verwertung von Alttextilien beauftragte Unternehmen in Bremen gibt auf seiner Internetseite an, dass die eingeworfene Kleidung sortiert und nach rund 600 Kategorien zugeordnet wird, um sie einer weiteren Verwertung zuzuführen.
Dagegen verzeichnet der Abfallwirtschaftsbetrieb aktuell eine Steigerung bei den Mengen an Alttextilien. Das habe weniger mit einer neuen Regelung zu tun, die seit Anfang des Jahres gilt (siehe Infokasten), sondern mit dem Phänomen Fast Fashion. Damit sind billige Kleidungsstücke gemeint, die massenhaft über Versender wie Shein oder Temu bestellt werden. Sie halten in der Regel nicht lange und werden schnell wieder entsorgt. Für die Entsorger bedeuten steigende Mengen laut Anneken, dass Alttextilien schlechter absetzbar sind. Weltweit landen laut einer Studie jährlich 120.000 Tonnen Altkleider im Müll, das meiste davon ende auf Deponien oder werde verbrannt, berichtet BR 24.
Absatz von Altkleidern wird schwierig
Manche Länder, in die gebrauchte Textilien aus Deutschland vorzugsweise exportiert wurden, seien nicht mehr bereit, so große Mengen zu übernehmen. Außerdem haben sich wegen der schlechteren Verdienstmöglichkeiten laut Anneken einige private Anbieter, die ihre Container im Kreisgebiet aufgestellt hatten, schon zurückgezogen. „Dann wird der Druck auf die verbliebenen Container natürlich größer“, sagt der Betriebsleiter. Das führe vielleicht dazu, dass manche Behälter ständig überfüllt sind.
„Eines darf man nicht vergessen“, hält Anneken fest: „Das Problem ist menschengemacht.“ Es seien Mitbürger, die Kleidung einfach neben dem Container auf den Boden werfen und darauf vertrauen, dass andere den Müll wegräumen werden. Für die Verwertung sind diese Textilien nämlich in der Regel verloren. Sie werden nass und schmutzig – dann taugen sie nur noch für die Verbrennung. An Altglascontainern gibt es laut Anneken ein ganz ähnliches Problem. Selbst Möbel oder Kühlschränke würden dort abgeladen.
Wunsch nach mehr Containern
Den überquellenden Behältern würde der Abfallwirtschaftsbetrieb gerne begegnen, indem mehr Container angeboten werden. „Wir wünschen uns seit Jahren, dass Aldi und Lidl erlauben, dass wir dort Container aufstellen“, sagt Anneken. Aber die Discounter wollten das nicht – obwohl sie durch den Verkauf von Einwegware dafür sorgten, dass Altglas entsteht. Heimische Supermarktbetreiber seien da aufgeschlossener. Bei Multi etwa stünden Container und dort sehe es ordentlich aus.
Wilde Müllablagerungen sind auch außerhalb von Containerstandorten ein Problem. Immer wieder landen Autoreifen, Möbel und sogar Kühlschränke in der Landschaft. Ein Anblick, an den man sich nicht gewöhnen dürfe, findet Anneken. Der Abfallwirtschaftsbetrieb versucht, mit Information gegenzusteuern. Elektrogeräte könnten kostenlos in den Wertstoffhöfen abgegeben werden – oder bei den Geschäften, in denen sie verkauft werden. Außerdem sollen laut Anneken Ehrenamtliche kontaktiert werden, die Neubürger betreuen. „In anderen Ländern wird mit Müll unter Umständen anders umgegangen“, sagt er. Man müsse dann vermitteln, wie es in Deutschland läuft.
Bisher hat der Abfallwirtschaftsbetrieb erst einmal zum letzten Mittel gegriffen und einen Containerstandort aufgelöst. Am Hoheellernweg in Leer war rund um Altglas- und Altkleidercontainer eine Art wilder Müllkippe entstanden. Kaum war der Unrat entfernt worden, lag neuer da. „Wir haben reagiert und die Container abgebaut“, so Anneken. Nachdem anfangs trotzdem noch Müll da lag, habe das inzwischen aufgehört. Sollen weitere Container entfernt werden, weil dort zu viel Müll herumfliegt? „Gegenwärtig haben wir das nicht geplant“, sagt Anneken.