Probleme mit Behörden  Über Einbürgerung, Identität und Integration

| | 14.08.2025 18:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Prof. Dr. Fadlalla Omairi in seinem Büro in Moormerland. Der 77-Jährige ist unter anderen Schriftsachverständiger. Foto: Claus Hock
Prof. Dr. Fadlalla Omairi in seinem Büro in Moormerland. Der 77-Jährige ist unter anderen Schriftsachverständiger. Foto: Claus Hock
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Fadlalla Omairi aus Moormerland prüft als Schriftsachverständiger arabische Dokumente für Einbürgerungen. Er hat mit dieser Zeitung über Herausforderungen und Integration gesprochen.

Moormerland - Aktenordner neben Aktenordner stehen im Büroregal von Prof. Dr. Fadlalla Omairi. Ihr Inhalt: Übersetzungen – und Gutachten vor allem zu arabischen Dokumenten. Der 77-Jährige ist Schriftsachverständiger. Sein Fachwissen ist regelmäßig bei Einbürgerungen gefragt. Vor allem immer dann, wenn die Echtheit von Identitätsnachweisen infrage gestellt wird.

Omairi hatte sich bei dieser Zeitung gemeldet, nachdem wir über Probleme bei der Einbürgerung berichtet hatten. Er kennt die Probleme, die viele Menschen mit Migrationshintergrund haben, wenn es um Pässe oder Geburtsurkunden, wenn es um Anerkennung von Identität geht.

Einbürgerung in Deutschland: Einschätzungen von Professor Omairi

„Alle Fälle sind unterschiedlich und die Probleme, die auftreten können, auch“, sagt der emeritierte Professor. „Reisepässe muss ich mittlerweile nicht mehr so oft überprüfen“, sagt er. Die seien in der Regel in den meisten Ländern fälschungssicher. Reisepässe sind die Dokumente, die deutsche Behörden an oberster Stelle verlangen, wenn es um Einbürgerung geht. Ein Umstand, den Omairi aus verschiedenen Gründen kritisch sieht.

„In Deutschland haben wir einen Rechtsstaat. Es gibt Ordnung, Disziplin, feste Vorgänge“, sagt Omairi. Das sei in vielen anderen Staaten aber anders. „Viele Geflüchtete wollen ihren Pass gar nicht mehr, weil er sie an das erinnert, wovor sie fliehen“, so der Schriftsachverständige. Andere hätten gar keinen Pass. „Wenn man aus Kriegsgebieten, Chaos, Hunger und Unterdrückung flieht, dann ist es einem oft egal, ob man nun einen Pass hat oder nicht.“ Zudem, das berichten Geflüchtete dieser Zeitung immer wieder, sei es in manchen Ländern lange gar nicht möglich gewesen, einen Pass zu bekommen. Weil man dann gleich verdächtigt wird und Haftstrafen oder Schlimmeres befürchten muss.

Einbürgerung ohne Pass? Omairi kritisiert deutsche Behördenpraxis

Aus diesen und anderen Gründen fragt sich Omairi, ob es denn immer der Pass sein muss. Er zeigt Dokumente aus verschiedenen Gutachten. Darunter mehrfach beurkundete Personenregister-Auszüge oder Geburtsurkunden, die als authentische Nachweise dienen. Er zeichnet den Weg nach: Sachbearbeiter, Abteilungs- oder Behördenleiter, Auswärtige Ämter und Botschaften haben die Echtheit bestätigt – und auch Omairi. Über Vergleiche mit anderen Dokumenten, teilweise auch über Schriftproben. „Das muss doch reichen“, sagt er. „Die Behörden haben ja immer einen Ermessensspielraum“, sagt er. „Wenn dann immer auf einem Pass bestanden wird, kann ich das oft nicht nachvollziehen.“

Allerdings sieht Omairi auch andere Teile der Einbürgerung kritisch. „Den deutschen Pass in der Tasche zu haben, ist auch nur eine Formalität“, sagt er. Natürlich bringe die deutsche Staatsbürgerschaft Vorteile wie das Wahlrecht und die Eingliederung in die Gesellschaft. „Aber die Probleme liegen woanders“, so Omairi. „Und das auf beiden Seiten.“

Omairi über Vorurteile, Identität und gesellschaftliche Herausforderungen

So sagt Omairi im Gespräch öfter, dass man in Deutschland zwar viel über Integration spreche, aber wenig dafür getan werde. „Viele glauben, dass sie mit deutschem Pass anders behandelt werden. Aber dem ist oft nicht so“, sagt er – auch aus eigener Erfahrung. „Hier in Deutschland wird immer nach der Herkunft gefragt, man ist immer Vorurteilen und oft auch blindem Hass ausgesetzt“, sagt er. „Dabei leben wir schon lange in einer multikulturellen Gesellschaft, das erleben wir alle im täglichen Leben. Aber viele akzeptieren das leider immer noch nicht.“

Aber auch die Einstellung mancher Migranten hält Omairi für schwierig. Zur Integration gehöre nicht nur der deutsche Pass. „Wer hier leben will, muss die Sprache können“, sagt er. Was für die Einbürgerung an Sprachniveau verlangt wird, sieht er als zu wenig an. Auch müssten sich Menschen, die eingebürgert werden wollen, mit dem gesellschaftlichen System und dem Recht in Deutschland auseinandersetzen und es verstehen. Die Integrationskurse müssten gründlicher gestaltet werden.

Gleichzeitig müsse auch die Gesellschaft, müssten die Behörden etwas leisten. „Ich möchte nicht, dass ich ständig gefragt werde, wo ich herkomme“, sagt Omairi. Auch dürfe man nicht vergessen: „Die Menschen können nicht ihre Vergangenheit nur für ein Stück Papier ablegen“, sagt Omairi. Identität sei alles, was einen Menschen ausmacht. Auch das gehöre zu einer multikulturellen Gesellschaft: Integration ohne Aufgabe der eigenen Identität.

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