Lehrermangel  Ostfriesland braucht dringend neue Lehrkräfte

| | 12.08.2025 15:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Schulanfänger stehen auf einen Schulhof. Das neue Schuljahr beginnt mit schlechten Nachrichten: In Niedersachsen fehlen Tausende Lehrkräfte. Foto: Sebastian Willnow/dpa
Schulanfänger stehen auf einen Schulhof. Das neue Schuljahr beginnt mit schlechten Nachrichten: In Niedersachsen fehlen Tausende Lehrkräfte. Foto: Sebastian Willnow/dpa
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Zum Start des neuen Schuljahres fehlen im Bereich Weser-Ems laut GEW-Chef Störmer mindestens 700 Lehrkräfte. Die Situation könnte sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen, fürchtet er.

Ostfriesland/Hannover - Das neue Schuljahr beginnt gerade erst – und schon gibt es schlechte Nachrichten. Den Schulen im Bereich Weser-Ems, zu dem auch Ostfriesland gehört, fehlen mindestens 700 Lehrer. Niedersachsenweit fehlen für eine hundertprozentige Unterrichtsversorgung laut der Bildungsgewerkschaft GEW sogar Tausende Lehrkräfte zusätzlich. Das Land hätte etwa 2.500 bis 3.000 Stellen mehr ausschreiben müssen – allein für die Pflichtstunden, sagte GEW-Landeschef Stefan Störmer.

Der Leeraner, der selbst lange Jahre als Lehrer an einem Gymnasium unterrichtet hat, rechnet sogar noch weiter hoch: Berücksichtige man Zusatzbedarfe wie Deutsch als Zweitsprache oder die Inklusion sowie eine dringend notwendige Entlastung für die Lehrkräfte, würden sogar 10.000 bis 12.000 Stellen mehr benötigt. Ihm ist aber klar: „Diesen Mangel kann man so schnell nicht beheben.“

Kritik: Zu wenig Stellen ausgeschrieben

Zudem gebe es bei der Unterrichtsversorgung starke regionale Unterschiede. So falle es den Gymnasien und Schulen in Großstädten leichter, Stellen zu besetzen, als anderen Schulformen und Schulen in ländlichen Regionen. „Wir beobachten ein deutliches Stadt-Land-Gefälle“, sagte Störmer. Schulen in Oldenburg oder Osnabrück hätten sehr viel weniger Probleme, Lehrer zu finden, als etwa Schulen in Ostfriesland, beispielsweise in Norden oder Wittmund. „Leer hat noch den Vorteil, einen Bahnhof zu haben und eine gute Autobahnanbindung. In Aurich hingegen fehlt beides.“

„Wir wissen, dass das Kultusministerium zwar Stellen ausschreibt, sich dabei aber sehr genau daran orientiert, wie viele Lehrer überhaupt fertig werden. Das heißt, es wird nicht der wirkliche Bedarf ausgeschrieben, sondern nur das, was man auch besetzen kann“, kritisiert Störmer. Weil es eben in Ostfriesland schwieriger sei, Bewerber zu bekommen als in Städten, würden für die ländliche Region schon seit Jahren weniger Stellen ausgeschrieben als eigentlich gebraucht würden. „In einigen Regionen brennt deshalb die Hütte“, bringt es Störmer auf den Punkt.

Der Leeraner Stefan Störmer ist GEW-Landesvorsitzender für Niedersachsen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Der Leeraner Stefan Störmer ist GEW-Landesvorsitzender für Niedersachsen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Ostfriesland stehe damit aber nicht allein, so Störmer. Auch im Heidekreis, im Bereich Lüchow-Dannenberg oder im Kreis Cuxhaven sehe es schlecht aus. „Die Gymnasien sind aber überall noch besser mit Lehrkräften ausgestattet als die Grund-, Haupt- oder Realschulen“, weiß Störmer.

Fast 50 Prozent brechen Lehramtsstudium ab

Der Lehrkräftemangel ließe sich ad hoc aber nicht beheben. „Man kann es sich aber keinesfalls weiter leisten, dass fast 50 Prozent der Lehramtskandidaten im Studium oder im Referendariat abbrechen“, sagt Störmer und bezieht sich damit auf die Abbrecherquote, die der Stifterverband errechnet hat. „Wir brauchen mehr Absolventen.“ Die Lehrerausbildung müsse dringend reformiert werden. „Wir brauchen mehr Praxis, mehr Coachingelemente, damit die Studenten sich auch wirklich gut ausgebildet fühlen.“ Das stehe im Übrigen auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung.

In einer GEW-Befragung von mehr als 3.000 Schulbeschäftigten gab etwa jeder Dritte die aktuelle Belastung mit mindestens neun von zehn Punkten an. Dieses Problem ziehe sich über alle Schulformen hinweg, sagte Störmer, und es betreffe nicht nur die Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch andere Beschäftigte der Schulen. Als Gründe sieht die Gewerkschaft ständig steigende Anforderungen sowie wachsende Schülerzahlen.

Schülerzahlen steigen weiter an

Die Schülerzahlen steigen um ein bis zwei Prozent – in Emden seien es sogar bis zu fünf Prozent. „Dann hat man plötzlich 30 Klassen mehr – dafür braucht man Personal“, sagt Störmer. Somit werde sich der Lehrkräftemangel in Zukunft in bestimmten Regionen, zu denen auch Ostfriesland gehöre, sogar noch weiter erhöhen, wenn man nicht endlich gegensteuert.

Auch der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL) teilte gegenüber der Deutschen Presseagentur (DPA) mit, dass die Neueinstellungen bei Weitem nicht ausreichten, um den bestehenden Lehrkräftemangel zu beheben. „Die Vorgängerregierungen haben es in diesem Punkt an weitsichtiger Planung mangeln lassen“, kritisierte demnach auch der VNL-Vorsitzende Torsten Neumann.

Laut Kultusministerium hat das Land zum neuen Schuljahr insgesamt 1.600 Stellen ausgeschrieben. Davon seien bisher rund 1.400 besetzt worden. „Das ist mit etwa 88 Prozent eine wirklich gute Besetzungsquote zum jetzigen Zeitpunkt“, sagte eine Sprecherin von Ministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) gegenüber der DPA.

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