Kunstdiebstahl im Schloss  „Goldhähnchen“ ist nach Tat in Leer unauffindbar

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 12.08.2025 08:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hängt jetzt vielleicht in einem Privathaus: das Bild „Goudhaantje“ von Henk Helmantel. Es wurde am 30. Dezember aus dem Schloss Evenburg gestohlen. Foto: Polizeiinspektion Leer/Emden
Hängt jetzt vielleicht in einem Privathaus: das Bild „Goudhaantje“ von Henk Helmantel. Es wurde am 30. Dezember aus dem Schloss Evenburg gestohlen. Foto: Polizeiinspektion Leer/Emden
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Die Polizei hat die Ermittlungen eingestellt. Selbst eine ausgesetzte Belohnung brachte das Bild nicht zurück. Der Künstler gibt die Hoffnung nicht auf.

Leer - Die Ermittlungen zu einem mysteriösen Kunstdiebstahl im Schloss Evenburg hat die Polizei in Leer abgeschlossen. Aber das Bild „Goudhaantje“, ein Gemälde des niederländischen Künstlers Henk Helmantel, konnte nicht zurückgeholt werden. Es war am 30. Dezember 2024 aus einer Ausstellung verschwunden. „Trotz intensiver Bemühungen konnte kein Tatverdächtiger ermittelt werden“, teilt Ina Reuwsaat, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden, mit.

Aus dem Schloss Evenburg war bei einer Ausstellung im laufenden Betrieb ein Gemälde gestohlen worden. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Aus dem Schloss Evenburg war bei einer Ausstellung im laufenden Betrieb ein Gemälde gestohlen worden. Foto: Klaus Ortgies/Archiv

Ihren Angaben zufolge hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren ebenfalls eingestellt. Trotz mehrerer Zeugenaufrufe und einer Belohnung von 3000 Euro, die das Museum Helmantel aus Westeremden (Niederlande) ausgelobt hatte, gab es keine Spur auf den Dieb. „Es ist insgesamt ein Hinweis eingegangen, der aber nicht weiter konkretisiert werden konnte“, berichtet Reuwsaat weiter. Auf die Belohnung, die ein paar Wochen nach dem Diebstahl ausgelobt wurde, habe sich niemand gemeldet.

Bild ist 10.000 Euro wert

Im Schloss Evenburg waren von August 2024 bis Mitte Januar 2025 in einer Ausstellung 36 Stillleben von Helmantel zu sehen. Der Künstler gilt als „Rembrandt des Nordens“, weil er im Stil der klassischen niederländischen Maler wie Rembrandt oder Vermeer arbeitet. Das Gemälde „Goudhaantje“ (Goldhähnchen) hat laut früheren Angaben der Polizei einen Wert von etwa 10.000 Euro – jedoch besitzt es für Helmantel darüber hinaus ideellen Wert. Als der Künstler 1980 mit seinen beiden Großtanten in Bierum umzog, flog ein Goldhähnchen in die Windschutzscheibe des stehenden Umzugswagens. Er hatte den zierlichen Vogel daraufhin in dem Bild verewigt – das ist einer Mitteilung des Museums Helmantel zu entnehmen.

Gerade das Format des Bildes scheint es dem Dieb leicht gemacht zu haben. „Die größte Schwierigkeit bei diesen Ermittlungen war, dass es sich um ein sehr kleines Bild gehandelt hat, welches ohne große Mühe oder Aufsehen zu erregen einfach eingesteckt worden sein kann“, sagt die Polizeisprecherin. Das Gemälde ist nur etwa zwölf mal 14 Zentimeter groß. Die Tat habe sich in der Winterzeit ereignet, als alle Personen mit dicken Jacken bekleidet waren. „Die Besucher hatten außerdem Rucksäcke dabei“, so Reuwsaat.

Landkreis: Versicherung hat gezahlt

In dem Raum in der Evenburg, in dem das Bild ausgestellt war, war laut Polizei keine Videoüberwachung vorhanden. Der Landkreis Leer ist Eigentümer des Gebäudes und hatte direkt nach Bekanntwerden des Diebstahls und dieser Umstände reagiert. Die Sicherheitsvorkehrungen seien überprüft und angepasst worden, so Pressesprecherin Franziska Bothe – Details dazu nennt sie nicht. „Eine Entschädigungszahlung wurde durch die Versicherung abgewickelt, weitere Angaben dazu können wir nicht machen“, so Bothe weiter.

Bei seinen Bildern lässt sich der fast 80-jährige Henk Helmantel von den klassischen niederländischen Malern inspirieren. Repro: Landkreis Leer
Bei seinen Bildern lässt sich der fast 80-jährige Henk Helmantel von den klassischen niederländischen Malern inspirieren. Repro: Landkreis Leer

Bleibt das „Goldhähnchen“ somit verschwunden, hängt es womöglich im Haus eines Ausstellungsbesuchers an der Wand? Solche Vermutungen wollen weder Polizei noch Landkreis anstellen. Der Künstler dagegen hat noch Hoffnung, dass es wieder auftaucht. Henk Helmantel sagte dem niederländischen Sender RTV Noord, dass er davon ausgeht, dass das Bild eines Tages wieder auftauchen wird. „Ein solches Gemälde wird nicht gestohlen, um es zu zerstören. Es wird gestohlen, um es zu besitzen oder zu einem guten Preis zu verkaufen. Letzteres ist sehr schwierig, da es überall bekannt ist“, wird Henk Helmantel in dem Bericht zitiert.

Kunst wird im Kreis Leer selten geklaut

In der laufenden Ausstellung im Museum Helmantel hängt dem Bericht zufolge eine Reproduktion des „Goudhaantje“, zusammen mit einem Hinweis auf den Diebstahl. Polizeisprecherin Ina Reuwsaat versichert, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen werden, sollten sich in der Zukunft Hinweise ergeben. Ermittlungen zu Kunstdiebstählen sind im Gebiet der Polizeiinspektion Leer/Emden eher selten: Seit 2020 habe es lediglich zwei Diebstähle von Bildern beziehungsweise Gemälden aus einem Hotel auf Borkum gegeben.

Dort waren 2022 aus dem Strandhotel VierJahresZeiten innerhalb weniger Wochen zwei Gemälde des französischen Malers Théodore Gudin gestohlen worden. Diese blieben ebenfalls ungeklärt. Dagegen war der Künstler Helmantel, einer der renommiertesten niederländischen Maler der Gegenwart, schon einmal Opfer eines spektakulären Kunstdiebstahls. Vor fast 25 Jahren waren aus dem Museum in Westeremden 37 Bilder gestohlen worden. Damals waren wohl Profis am Werk. Sie strichen zwar ein Lösegeld von 300.000 Euro für die Gemälde ein, wurden aber von der Polizei ermittelt. Sie bekamen eine Gefängnisstrafe von drei Jahren. Die Bilder kehrten ins Museum zurück – im Unterschied zu dem kleinen Goldhähnchen.

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