Cyberkriminalität in Ostfriesland Sichere Passwörter und Co. nicht auf die leichte Schulter nehmen
1936 Menschen in Ostfriesland wurden 2024 beim Online-Shopping oder durch Phishing betrogen. Die meisten Nutzer unterschätzen das Risiko und schützen sich kaum vor Angriffen im Netz.
Ostfriesland - Online Ware bestellt und bezahlt, aber nie bekommen, auf Fake-Shops hereingefallen oder Opfer von Phishing geworden: 907-mal waren Cyberkriminelle im vergangenen Jahr in Ostfriesland erfolgreich und haben arglose Internetnutzer abgezockt. Insgesamt wurden der Polizei 2024 in den Inspektionen Aurich/Wittmund und Leer/Emden 1936 Straftaten im Internet bekannt. „Den größten Anteil machten – wie auch bundesweit – mit 46,85 Prozent Betrugsdelikte aus“, teilte Laura-Christin Brinkmann, Sprecherin der auch für Ostfriesland zuständigen Polizeidirektion Osnabrück, auf Anfrage mit.
Betrug beim Onlineshopping bleibt Spitzenreiter
Unter der Kategorie Betrugsdelikte fassen die Ermittler für Cyberkriminalität der Polizei Betrug beim Onlineshopping etwa durch gefälschte Verkaufsplattformen, nach Bezahlung nicht gelieferte Ware oder Abo-Fallen zusammen. Auch Phishing-Angriffe, bei denen sensible Daten wie Passwörter oder Bankzugänge durch gefälschte E-Mails oder Websites abgegriffen werden - und Betrug beim Onlinebanking zum Beispiel durch manipulierte Überweisungen nach dem Ausspähen von Zugangsdaten fallen unter diese Kategorie, erklärt Laura-Christin Brinkmann.
Mit Abstand folgt mit 18,90 Prozent (366 Fälle) der Cyberkriminalitätsstatistik 2024 in Ostfriesland die Verbreitung und der Besitz von sämtlichen pornografischen Inhalten. In rund 10 Prozent der Fälle handelt es sich unter anderem um Beleidigungen, Bedrohungen, digitale Erpressung oder die unrechtmäßige Veröffentlichung persönlicher Fotos oder Videos, so Brinkmann.
Die meisten Straftaten werden gar nicht angezeigt
Wahrscheinlich wurden tatsächlich noch deutlich mehr Menschen in Ostfriesland im vergangenen Jahr Opfer von Cyberkriminalität. Sie haben nur nicht Anzeige erstattet. So ist die Dunkelziffer bei diesen Straftaten hoch: Laut dem aktuellen Cybersicherheitsmonitor von Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) zeigen nur 31 Prozent der Opfer von Cyberkriminalität bei der Polizei solche Straftaten an. Beim Cybersicherheitsmonitor, der zweimal im Jahr erscheint, handelt es sich um eine repräsentative bundesweite Befragung der privaten Internetnutzer ab 16 Jahren zu Internetnutzung, Sicherheit und Kriminalität.
Danach wurden 7 Prozent der Internetnutzer in den vergangenen zwölf Monaten Opfer einer Straftat im Internet. Am häufigsten handelte es sich dabei um Betrug beim Onlineshopping (22 Prozent), Phishing (12 Prozent) oder Betrug beim Onlinebanking bzw. einen Missbrauch von Kontodaten (11 Prozent). Für ein Drittel der Betroffenen ging mit dem Ärger über die kriminellen Machenschaften finanzieller Schaden einher: Laut Cybersicherheitsmonitor verloren die von Betrug Betroffenen im Durchschnitt 3398 Euro, beim Online-Shopping konnten die Betrüger im Schnitt 593 Euro erbeuten.
Sorglosigkeit trotz wachsender Gefahr
Mit Sorge beobachten die Experten für Cybersicherheit deshalb, dass trotz anhaltend hoher Bedrohungslage die Internetnutzer immer sorgloser mit ihren Daten umgehen und sich weniger Gedanken über den Schutz vor Betrug machen. Mehr als die Hälfte der Befragten (58 Prozent) hält ihr Risiko, von Cyberkriminalität betroffen zu sein, für eher oder sehr gering bis ausgeschlossen. 2024 betrug ihr Anteil noch 56 Prozent, 2023 waren es 50 Prozent. Am höchsten ist der Anteil der Unbesorgten mit 62 Prozent übrigens bei den über 69-Jährigen, gefolgt von der jüngsten Altersgruppe, den 16- bis 22-Jährigen, mit 60 Prozent.
Einfache Schutzmaßnahmen werden selten genutzt
Starke Passwörter, Zwei-Faktor-Authentisierung oder regelmäßige Updates - das sind die einfachsten Möglichkeiten, Benutzerkonten und Geräte vor dem Zugriff anderer zu schützen. Doch im Cybersicherheitsbericht geben nur 34 Prozent der Befragten an, die Zwei-Faktor-Authentisierung zu verwenden. Im Jahr 2023 lag der Anteil noch bei 42 Prozent. Stets aktuelle Antivirenprogramme und sichere Passwörter nutzen immerhin noch jeweils 44 Prozent.
Auf die Frage, warum sie keine Schutzmaßnahmen verwenden, lautet die häufigste Antwort, dass man sich bereits sicher fühle (30 Prozent) oder Schutzmaßnahmen zu kompliziert seien (24 Prozent). Etwa jede/jeder Fünfte fühlt sich überfordert (20 Prozent). Ähnlich viele stimmen der Aussage zu „Ich weiß nicht, was ich tun soll, weil überall etwas anderes empfohlen wird“ (19 Prozent). Das ändert sich, sobald jemand von Cyberkriminalität betroffen ist: Wer den Schaden hatte, legt mehr Wert auf Sicherheit.
Das BSI bietet eine Menge Informationen und Hilfe für den Ernstfall - ob Infektion mit einem Schadprogramm, Online-Betrug oder gehackter Account: https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/Informationen-und-Empfehlungen/informationen-und-empfehlungen_node.html